Renten­splitting: Fair geteilt

Unter bestimmten Voraus­setzungen können Paare Renten­ansprüche unter­einander aufteilen. Für manche ist das besser als die Witwenrente.

In der Ehe soll man alles teilen. Seit 2002 ist das auch für Renten­ansprüche möglich. Um die während der Ehe erworbenen Ansprüche aus der gesetzlichen Renten­versicherung stärker als Gemein­schafts­leistung anzu­erkennen, hat der Gesetz­geber die Möglich­keit des Renten­splittings einge­führt. Dabei werden die Renten­anwart­schaften zusammengezählt, die beide Ehepartner während der Ehe erworben haben, und zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Kurz gesagt: Der Ehepartner mit höheren Renten­ansprüchen gibt also etwas an den Ehepartner mit geringeren ab. Eine spätere Zahlung der Witwenrente wird damit jedoch ausgeschlossen. Wer sich also einmal für das Splitting entscheidet, muss dabei bleiben.

Beispiel: Jan S. (66) hat 2002 seine Frau Sandra (65) geheiratet. Seitdem hat er in der gesetzlichen Renten­versicherung Ansprüche von 500 Euro erworben, Sandra hingegen nur von 100 Euro. Entscheiden sich die beiden für das Renten­splitting, haben hinterher beide Ansprüche von 300 Euro. Die Ansprüche, die beide in der Zeit vor der Ehe erworben haben, bleiben unbe­rührt.

Begrenzter Personen­kreis

Das Renten­splitting spielt in der Realität noch kaum eine Rolle. Das liegt an dem bisher sehr begrenzten Berechtigten­kreis: Es können sich nur Ehepartner für das Teilen entscheiden, deren Ehe nach 2001 geschlossen wurde oder die beide nach dem 1. Januar 1962 geboren wurden.

Beide Partner müssen außerdem mindestens 25 Jahre rentenrecht­liche Zeiten in ihrem Versicherungs­konto haben. Dazu zählen neben der Zeit als Arbeitnehmer auch Zeiten der Kinder­erziehung oder Pflege eines Familien­mitglieds.

Kurz vor oder während der Rente

Das Renten­splitting kann frühestens sechs Monate vor Eintritt in die Alters­rente beantragt werden. Wenn nur ein Partner Rente bezieht, muss der andere Partner die Regel­alters­grenze erreicht haben. Die Entscheidung über das Renten­splitting kann auch noch später fallen – etwa, falls absehbar ist, dass ein Ehepartner bald sterben wird.

Stirbt einer, bevor die Voraus­setzungen zum Renten­splitting erfüllt sind, kann der Hinterbliebene das Renten­splitting inner­halb von zwölf Monaten nach dem Tod auch alleine beantragen.

Aktuell kommt das Renten­splitting nur für ältere Paare in Frage, die nach 2001 geheiratet haben. Für sie ist das Renten­splitting allerdings in der Regel keine gute Entscheidung, da nur die Renten­ansprüche geteilt werden, die während der Ehe dazugekommen sind.

Witwenrente heute oft besser

Die Witwenrente hingegen wird aus den gesamten Renten­ansprüchen berechnet und würde für die meisten aktuell Splitting-Berechtigten höher ausfallen als die zugewonnene Rente aus dem Renten­splitting. Lohnend ist das Renten­splitting heute nur für diejenigen, die aufgrund hoher privater Vorsorge keine Witwenrente bekommen würden.

Künftig sinn­voll für gut Versorgte

Für spätere Rentnergenerationen kann das Renten­splitting allerdings eine interes­sante Option sein. Gerade bei Paaren mit ungleicher Rente, die hohe Einkommen aus privater Vorsorge oder Vermietung erwarten können, stellt sich der Hinterbliebene mit den geringeren Renten­ansprüchen durch das Renten­splitting deutlich besser.

Der Vorteil: Seine gewonnenen Renten­ansprüche werden durch die zusätzlichen Einkünfte nicht wie bei der Witwenrente geschmälert. Außerdem bleiben ihm seine Ansprüche erhalten, sollte er sich nach dem Tod des Part­ners dazu entschließen erneut zu heiraten. Die Witwenrente würde in diesem Fall wegfallen.

Der Nachteil: Verstirbt der Splitting-Begüns­tigte zuerst, bekommt der Hinterbliebene nur die geringere Rente.

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