Zu den Leistungen der Rentenversicherung gehört auch die Rente für Hinterbliebene. Ältere Ehepartner oder Hinterbliebene mit Kindern bekommen die sogenannte große Witwenrente, jüngere die kleine Witwenrente. Wie hoch die Rente ist, hängt auch davon ab, wann ein Paar geheiratet hat. Selbst Geschiedene können Anrecht auf Leistungen haben. Hier lesen Sie, wie Sie die Höhe Ihrer Witwenrente berechnen und wie Sie sie beantragen.

Witwenrente - das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

Anspruch. Eine Hinterbliebenenrente bekommt, wer bis zum Tod des Part­ners mit ihm verheiratet war oder in einer einge­tragenen Lebens­part­nerschaft gelebt hat.

Höhe. Wie hoch die Witwenrente ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Am häufigsten wird die große Witwenrente nach altem Recht ausgezahlt. Sie beträgt 60 Prozent der Rente des Verstorbenen. Bei jüngeren Ehen sind es 55 Prozent plus Kinder­zuschläge.

Anrechnung. Erwerbs­einkommen oder die eigene Alters­rente wird auf die Witwenrente ange­rechnet und verringert diese, sobald Frei­beträge über­schritten sind.

Geschiedene. Selbst geschiedene Partner des Verstorbenen können Anspruch auf Leistungen haben. Für sie kommt eine „Erziehungs­rente“ in Frage, wenn sie Kinder erziehen und ihr Expartner stirbt.

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Große und kleine Witwenrente

Wenn der Partner stirbt, kommen zur Trauer oft auch finanzielle Sorgen hinzu. Vor allem Frauen, die wegen Kindern und Haushalt beruflich zurück­gesteckt haben, fragen sich: Kann ich mir mein Leben ohne meinen Ehemann noch leisten? Sie leben im Durch­schnitt länger als Männer, haben aber in der Regel eine deutlich geringere gesetzliche Rente.

Eine wichtige Einkommens­quelle wird nach dem Tod des Part­ners für viele Witwen und Witwer die Hinterbliebenenrente der gesetzlichen Renten­versicherung. Je nachdem, wie alt der Hinterbliebene ist und wann das Paar geheiratet hat, fällt die Rente unterschiedlich hoch aus. Mithilfe unserer Grafik (siehe weiter unten) lassen sich die Ansprüche Hinterbliebener gut über­blicken. Welche Ansprüche Kinder des Verstorbenen haben, lesen Sie weiter unten in diesem Text.

Tipp: In jungen Jahren sind die Ansprüche aus einer Hinterbliebenenrente gering. Daher ist eine Risiko­lebens­versicherung wichtig, um die Angehörigen abzu­sichern. In unserem Vergleich Risikolebensversicherung finden Familien die besten Angebote.

Große Witwenrente am häufigsten

Zum Jahr 2002 wurden die Leistungen aus der Hinterbliebenenrente neu geregelt. Seitdem werden parallel zwei Systeme angewendet. Es gibt die Witwenrente nach altem und nach neuem Recht. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen der „großen Witwenrente“ und der „kleinen Witwenrente“.

Laut gesetzlicher Renten­versicherung beziehen nahezu 100 Prozent der Hinterbliebenen direkt eine große Witwenrente. Die kleine Witwenrente spielt nur für junge Hinterbliebene eine Rolle. 93 Prozent der erst­malig gezahlten Witwenrenten werden dabei noch nach „altem Recht“ gezahlt, weil die Ehen schon vor 2002 bestanden. Hinterbliebenenrenten nach „neuem Recht“ unterscheiden sich in der Höhe und bei der Anrechnung der Einkünfte (siehe Grafik weiter unten).

Die Ansprüche gelten gleichermaßen für Witwen wie für Witwer, für Ehepartner wie für Partner in einge­tragenen Lebens­part­nerschaften. Der Verständlich­keit halber sprechen wir hier stell­vertretend von Witwenrente und Ehepart­nern.

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Voraus­setzung für die Witwenrente

Anspruch auf eine Witwenrente hat ein Ehepartner, wenn er bis zum Tod mit dem Verstorbenen verheiratet war. Ob die Ehepartner zusammen oder getrennt gelebt haben, spielt keine Rolle.

Die Witwenrente wird nur gezahlt, wenn die Ehe mindestens ein Jahr bestanden hat. Ausnahmen sind möglich, wenn der Partner zum Beispiel bei einem Unfall oder aufgrund einer plötzlichen Krankheit stirbt.

Außerdem muss der verstorbene Ehepartner eine Mindest­versicherungs­zeit von fünf Jahren in der gesetzlichen Renten­versicherung erfüllt haben. Es ist nicht notwendig, dass der Hinterbliebene selbst in der Renten­versicherung versichert ist.

Der Anspruch entfällt, sobald der Hinterbliebene erneut heiratet. Er bekommt dann jedoch eine Abfindung von 24 Monats­renten der Witwenrente ausgezahlt, die er mit einem formlosen Schreiben beantragen kann.

Tipp: Die Hinterbliebenenrente fließt nur auf Antrag. Dafür brauchen Sie eine Ster­beurkunde und die Heirats­urkunde. Die Deutsche Renten­versicherung berät neutral zu allen Fragen. Das Service­telefon ist kostenlos: 0 800/1000 48 00. Dort können Sie auch einen Termin vereinbaren.

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So wird gerechnet

Wenn der Verstorbene und der Hinterbliebene beide schon im Renten­alter waren, ist die Sache einfach: Der Hinterbliebene bekommt dann einen festen Prozent­satz der Rente des Verstorbenen und muss sich nach dem Antrag meist um nichts weiter kümmern, wenn sich an seinen finanziellen Verhält­nissen nichts ändert.

Jüngere Hinterbliebene sollten beachten, dass Einkommen auf die Hinterbliebenenrente ange­rechnet werden. Es kann also sein, dass sie wegen eines zu hohen Gehalts zunächst keine Hinterbliebenenrente bekommen. Wenn sie aber später selbst in Rente gehen, sinken meistens die ihnen zur Verfügung stehenden Einkünfte und es kann wieder eine Witwenrente fließen. Auch durch die Geburt eines Kindes oder das Erreichen der Alters­grenze kann sich der Anspruch verändern (siehe Grafik unten).

Altes oder neues Recht? Kleine oder große Witwenrente?

Es hängt unter anderem vom Alter, dem Heirats- und Todes­jahr ab, ob altes oder neues Recht gilt und wie hoch die Leistungen ausfallen.

Im Sterbe­viertel­jahr Rente in voller Höhe

In den Monaten direkt nach dem Tod des Part­ners gibt es von der Renten­versicherung eine besondere Unterstüt­zung. Im „Sterbe­viertel­jahr“, den ersten drei Monaten nach dem Tod, erhält der Hinterbliebene die monatlichen Renten­ansprüche des Verstorbenen in voller Höhe ausgezahlt, ohne dass das Einkommen ange­rechnet wird.

Wenn der Verstorbene bereits eine Rente bezogen hat, zahlt die Renten­versicherung drei volle Monats­renten als Vorschuss aus. Das können Hinterbliebene inner­halb von 30 Tagen nach dem Tod beim Renten­service der Deutschen Post in jeder Post­filiale beantragen.

Was nach den ersten drei Monaten gezahlt wird, lässt sich der Grafik entnehmen.

Hat der Verstorbene selbst noch keine Rente erhalten, bezieht sich die Zahlung auf die Rentenhöhe, auf die er theoretisch Anspruch gehabt hätte. Für jeden Monat, den der Ehepartner vor dem Alter von 64 Jahren und 2 Monaten verstirbt (gilt 2019), zieht die Rentenkasse einen Abschlag von 0,3 Prozent der Witwenrente ab – maximal jedoch 10,8 Prozent. Die Alters­grenze steigt bis 2024 schritt­weise auf 65 Jahre.

Das wird bei der Witwenrente ange­rechnet

Beim Antrag muss ein Hinterbliebener auch Angaben zum eigenen Einkommen machen, denn das wird angerechnet. Auch hier gibt es einen Unterschied zwischen altem und neuen Recht. Immer ange­rechnet werden Erwerbs­einkommen und „Erwerbs­ersatz­einkommen“ wie die eigene gesetzliche Rente oder Arbeits­losengeld.

Nur bei der Hinterbliebenenrente nach neuem Recht werden auch viele zusätzliche Einkommens­arten ange­rechnet. Hierzu zählen Vermögens­einkommen, Betriebs­renten, Renten aus privaten Renten­versicherungen, sowie aus allgemeinen Unfall­versicherungen.

Doch fällt die Witwenrente dadurch nicht eins zu eins geringer aus. Die Berechnungs­weise und Frei­beträge mindern die Einbußen deutlich ab. Für die Anrechnung ermittelt die gesetzliche Renten­versicherung aus dem Brutto­einkommen ein rechnerisches „Netto­einkommen“, indem sie von den verschiedenen Einkommens­arten jeweils einen pauschalen Wert abzieht, zum Beispiel 14 Prozent von der gesetzlichen Rente.

Tipp: Für Paare, die durch private Vorsorge sehr gut abge­sichert sind, und deswegen nur eine minimale Hinterbliebenenrente bekommen würden, kann ein Rentensplitting sinn­voll sein: Sie teilen ihre Ansprüche, je eine Hälfte gilt als eigene Rente jedes Part­ners. Darauf wird zusätzliches Einkommen nicht ange­rechnet.

Frei­beträge für die Witwenrente

Das ermittelte Netto­einkommen wird nur zu 40 Prozent auf die Witwenrente ange­rechnet – und das auch erst, nachdem ein monatlicher Frei­betrag abge­zogen wurde. In den alten Bundes­ländern beträgt er aktuell 872,52 Euro, in den neuen 841,90 Euro. Pro Kind mit Anspruch auf eine Waisenrente steigt der Frei­betrag im Westen um 185,08 Euro, im Osten um 178,58 Euro.

Nicht ange­rechnet werden auch bei Renten nach neuem Recht Erträge aus der Riester-Rente oder Bezüge aus einer Betriebs­rente des Verstorbenen.

In jungen Jahren gibt es die kleine Witwenrente

Sind Witwe oder Witwer jünger als 45 Jahre und sieben Monate und erziehen keine minderjäh­rigen Kinder, wird nach dem „Sterbe­viertel­jahr“ vor­erst nur die „kleine Witwenrente“ gezahlt. Diese beträgt nur 25 Prozent der Rente des Verstorbenen. Wendet die Renten­versicherung neues Recht an, fließt sie 24 Monate lang. Gilt für das Ehepaar das alte Recht, fließt sie zeitlich unbe­grenzt.

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Erziehungs­rente für Eltern

Selbst Geschiedene unterstützt die Rentenkasse unter Umständen, wenn sie Kinder erziehen und ihr Expartner stirbt. Diese eher unbe­kannte Leistung heißt „Erziehungs­rente“. Sie unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von der Rente für Hinterbliebene: Hier muss der Geschiedene selbst fünf Jahre – die „Mindest­versicherungs­zeit“ – in der gesetzlichen Renten­versicherung versichert sein, um für eine Erziehungs­rente infrage zu kommen. Außerdem darf der Mann oder die Frau nach der Scheidung nicht wieder geheiratet haben und muss ein Kind des früheren Part­ners erziehen oder ein eigenes, das nicht vom Verstorbenen sein muss.

Bei der Erziehungs­rente lohnt es sich, schnell zu sein. Stellt die Exfrau oder der Exmann den Antrag inner­halb der ersten drei Monate, nachdem alle Voraus­setzungen erfüllt sind, wird die Rente bis zu drei Monate rück­wirkend gezahlt. Sind die drei Monate schon vorbei, fließt die Erziehungs­rente erst ab dem Antrags­monat.

Die Höhe der Erziehungs­rente

Die Erziehungs­rente ist so hoch wie eine volle Erwerbs­minderungs­rente. Vor dem Erreichen bestimmter Alters­grenzen greifen bei ihr Abschläge wie bei den anderen Leistungen. Vor dem Alter von 64 Jahren und 2 Monaten wird sie in diesem Jahr um einen Abschlag von 0,3 Prozent pro Monat gekürzt. Die Alters­grenze steigt bis 2024 auf 65 Jahre. Eigenes Einkommen wird auf die Erziehungs­rente ange­rechnet.

Die Renten­versicherung stoppt die Leistung, wenn der Geschiedene wieder heiratet oder das Kind 18 Jahre alt wird. Ausnahmen gelten bei behinderten Kindern. Die Auszahlung endet außerdem, sobald der Empfänger eine Regel­alters­rente bezieht.

Tipp: Geschiedene haben noch eine weitere Möglich­keit auf eine Hinterbliebenenrente: Hat der geschiedene Ehepartner des Verstorbenen wieder geheiratet und wurde diese zweite Ehe aufgelöst, ist der Bezug einer „Witwenrente nach dem vorletzten Ehegatten“ möglich. Sie muss höher sein als die Ansprüche aus der letzten Ehe. Sind Geschiedene mindestens fünf Jahre in der Renten­versicherung versichert und erziehen ein Kind, haben sie nach dem Tod des Expart­ners eventuell Anspruch auf eine Erziehungs­rente.

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Waisenrente für Kinder

Die Rentenkasse unterstützt nicht nur hinterbliebene Partner, sondern auch Kinder und Jugend­liche, wenn ein Eltern­teil oder gar beide sterben. Einen Anspruch können noch weitere Verwandte haben, die im Haushalt des Verstorbenen lebten oder von ihm unterstützt wurden. Hier lesen Sie, wie Sie die Höhe der Halb­waisenrente berechnen und wie Sie die Halb­waisenrente beantragen.

Waisenrente – das Wichtigste in Kürze

Höhe. Die Höhe der Halb­waisenrente beträgt 10 Prozent der Rente des Verstorbenen. Bei der Voll­waisenrente sind es 20 Prozent der Rente des Eltern­teils mit dem höheren Renten­anspruch.

Neben­job. Eigenes Einkommen wird nicht auf die Waisenrente ange­rechnet.

Antrag. Der Antrag auf eine Witwenrente muss bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt werden. Das Service-Telefon ist kostenlos: 0 800/1000 48 00.

Kinder bekommen Waisenrente

Kinder haben Anspruch auf eine Halb­waisenrente, wenn sie ein Eltern­teil verloren haben. Sie beträgt 10 Prozent der Rente, die der Verstorbene bekommen hat oder auf die er Anspruch gehabt hätte. Eine Voll­waisenrente steht den Kindern zu, wenn kein unter­halts­pflichtiger Eltern­teil mehr lebt. Sie entspricht 20 Prozent der Rente des Eltern­teils mit dem höheren Renten­anspruch.

Die Waisen oder Halb­waisen müssen aber einen Abschlag hinnehmen, wenn ihre Eltern oder ein Eltern­teil sterben, bevor diese eine Alters­grenze erreicht haben. Haben die Eltern bei Tod im Jahr 2019 das Alter von 64 Jahren und 2 Monaten noch nicht erreicht, zieht die Renten­versicherung für jeden fehlenden Monat 0,3 Prozent ab, allerdings maximal 10,8 Prozent. Die Alters­grenze steigt bis zum Jahr 2024 auf 65 Jahre.

Tipp: Den Antrag auf Halb­waisenrente oder Voll­waisenrente stellen Sie bei der Deutschen Renten­versicherung. Die Formulare dafür gibt es auch im Internet.

Nicht nur für leibliche Kinder

Anspruch auf Leistungen haben nicht nur leibliche Kinder. Die Renten­versicherung gewährt die Leistungen auch adoptierten Kindern, Stief­kindern und Pflege­kindern, wenn sie im Haushalt des Verstorbenen lebten. Auch seine Enkel und Geschwister können Zahlungen erhalten, wenn sie seinem Haushalt angehörten oder er ihr Leben finanziert hat.

Üblicher­weise endet der Anspruch auf die Waisenrente mit dem 18. Geburts­tag. Die Renten­versicherung zahlt aber aus vielen Gründen länger. Bis zum 27. Geburts­tag ist das der Fall, wenn der Hinterbliebene noch in der Schul- oder Berufs­ausbildung ist, einen Freiwil­ligen­dienst leistet oder behindert ist und nicht für sich selbst sorgen kann. Ein Studium gilt in diesem Zusammen­hang als Berufs­ausbildung.

Selbst in der Über­gangs­zeit zwischen zwei dieser Stationen wird eine Waisenrente weitergezahlt – also zum Beispiel zwischen Ende des Schul­ausbildung und Anfang der Berufs­ausbildung. Die Pause darf aber nicht länger als vier Monate sein.

Neben­job wird nicht ange­rechnet

Der Gesetz­geber hat die Berechnung für Waisen und Halb­waisen vereinfacht. Ihr Einkommen bleibt unbe­rück­sichtigt. Selbst wenn sie zum Beispiel in der Ausbildung Geld verdienen oder neben dem Studium jobben, müssen sie seit 2015 nicht mehr mit einer Kürzung rechnen. Es kann aber sein, dass Leistungen aus anderen Quellen dafür nied­riger ausfallen. So wird zum Beispiel das Bafög reduziert, wenn die Waisenrente 130 Euro über­steigt.

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