Witwen- und Waisenrente Meldung

Witwen und Witwer bekommen künftig weniger Rente. Außerdem werden jetzt alle Einkommen darauf angerechnet. Das trifft auch Waisenrenten.

Eine Ehe garantiert dem Partner selten ein sicheres Einkommen bis zum Lebensende. Das weiß eigentlich jeder. In Zukunft wird die Versorgung noch schlechter, denn die Witwen- und Witwerrenten sind seit Jahresbeginn 2002 empfindlich zusammengestrichen worden. Betroffen sind alle Ehepaare, bei denen beide am 1. Januar 2002 noch keine 40 Jahre alt waren oder die erst anschließend geheiratet haben. Für alle anderen bleibt es beim alten Recht. Auch bereits laufende Renten sind nicht berührt.

Nur noch 55 Prozent

Nach der Reform erhalten hinterbliebene Ehepartner, die unter die neue Gesetzgebung fallen, zunächst nur noch 55 statt 60 Prozent der gesetzlichen Rente, die ihrem verstorbenen Ehepartner zugestanden hätte. Bezog der Verstorbene bereits Rente, zum Beispiel 1.300 Euro im Monat, bekäme seine Witwe oder ihr Witwer also jetzt nur noch 715 Euro statt wie früher 780. Erzieht oder erzog der hinterbliebene Partner Kinder, hat er jetzt allerdings einen Anspruch auf Kinderzuschläge: Für das erste Kind erhöht sich die monatliche Witwen- oder Witwerrente um zwei so genannte Entgeltpunkte, für jedes weitere Kind um einen Entgeltpunkt. Ein Entgeltpunkt entspricht in den alten Bundesländern derzeit 25,31 Euro, in den neuen Ländern 22,06 Euro.

War der Verstorbene noch kein Rentner, berechnen sich die Zahlungen für seine Hinterbliebenen nach dem theoretischen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Normalerweise erhält ein gesetzlich Rentenversicherter eine solche Rente, wenn er aus gesundheitlichen Gründen in keinem Beruf mehr als mindestens drei Stunden täglich arbeiten kann.

Solche Renten liegen in den alten Ländern durchschnittlich bei rund 850 Euro im Monat, in den neuen Ländern bei rund 660 Euro.

Stirbt ein Rentenversicherter, der noch kein Rentner war, dient für mögliche Rentenansprüche seiner Familienmitglieder nun diese theoretische Erwerbsminderungsrente als Rechengröße. Ein hinterbliebener Ehepartner bekäme davon 55 Prozent, sofern er Anspruch auf eine "große Witwen- oder Witwerrente" hat und unter das neue Recht fällt. Nach altem Recht stünden ihm 60 Prozent zu.

Große und kleine Witwenrente

Anspruch auf eine große Witwen- oder Witwerrente hat ein hinterbliebener Ehegatte, wenn er mindestens 45 Jahre alt ist oder mindestens ein gemeinsames Kind oder ein Kind des Verstorbenen unter 18 Jahren erzieht oder wenn er erwerbsgemindert ist. Die Ehe muss mindestens ein Jahr lang bestanden haben.

Alle anderen haben nur Anspruch auf eine "kleine Witwen- oder Witwerrente". Sie erhalten 25 Prozent der Erwerbsminderungsrente des Verstorbenen oder 25 Prozent seiner tatsächlichen Altersrente. Diese Größe ist auch nach der Rentenreform gleich geblieben, allerdings wird eine kleine Witwenrente nach neuem Recht nur noch maximal 24 Monate lang ab dem Tod des Versicherten gezahlt.

Sobald die Witwe oder der Witwer 45 Jahre alt sind, sollten sie dann aber einen Antrag auf eine große Witwen- oder Witwerrente stellen.

Waisenrenten

Kinder eines Verstorbenen bekommen als Halbwaisenrente 10 Prozent der theoretischen Erwerbsminderungsrente oder der tatsächlich ausgezahlten Rente ihres verstorbenen Vaters oder ihrer verstorbenen Mutter. Vollwaisen haben Anspruch auf 20 Prozent dieser Rente. Auch diese Prozentsätze sind nach der Reform unverändert geblieben.

Waisenrenten enden üblicherweise mit dem 18. Geburtstag eines Kindes. Ist es noch in der Ausbildung, läuft die Rente weiter. Sie endet aber spätestens, wenn der junge Erwachsene 27 Jahre alt wird. Danach ist eine Verlängerung nur möglich, wenn er zwischendurch Wehr- oder Zivildienst geleistet hat. Während dieses Dienstes wird eine Waisenrente nicht gezahlt.

Einkommen wird angerechnet

Ausgezahlt wird eine Hinterbliebenenrente vom Rentenversicherungsträger grundsätzlich nur, wenn der Berechtigte nicht zu viel verdient. Bisher zählten für die Einkommensanrechnung nur das Arbeitseinkommen (Bruttogehalt minus eines pauschalierten Steuerabzugs) oder ­ bei Beamten ­ die Dienstbezüge sowie Einkommen aus Kranken-, Arbeitslosen-, Mutterschaftsgeld oder eine eigene Rente. Nach der Reform werden nun alle Einkommen, über die ein Anspruchsberechtigter verfügt, zu 40 Prozent herangezogen.

Angerechnet werden jetzt auch Zins-, Miet- oder Pachteinnahmen. Angegeben werden müssen obendrein Einnahmen aus einer Lebensversicherung sowie Spekulationsgewinne zum Beispiel aus Aktienverkäufen. Als Einkommen zählen ferner alle Formen von Betriebsrenten, auch die, die wegen Invalidität ausgezahlt werden, außerdem Renten aus einer privaten Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Selbst kurzfristige Einnahmen aus einer Krankentagegeldversicherung können die Auszahlung einer Hinterbliebenenrente schmälern.

Lediglich Riester-Renten werden nicht angerechnet, also nur Auszahlungen aus nach dem Altersvermögensgesetz geförderten privaten Kapitalanlagen. Die neue Einkommensanrechnung gilt für große Witwen- und Witwerrenten sowie für Waisenrenten, wenn die Hinterbliebenen vom neuen Recht betroffen sind. Waisen fallen unter das neue Recht, wenn sie ab dem 1. Januar 2002 geboren sind. Aber auch dann kommt eine Einkommensanrechnung frühestens zum Tragen, wenn ein Kind 18 Jahre alt wird.

Freibeträge

Freibeträge können die Auszahlung einer Hinterbliebenenrente zumindest teilweise retten. In den alten Bundesländern dürfen Witwen und Witwer zurzeit 668,29 Euro Einkommen haben, ohne dass ihre Hinterbliebenenrente gekürzt wird. In den neuen Bundesländern sind es 582,44 Euro. Für jedes waisenrentenberechtigte Kind der Witwe oder des Witwers erhöhen sich die Freibeträge um 141,76 beziehungsweise 123,55 Euro. Für die Berechnung von Waisenrenten gelten Freibeträge von 445,53 Euro in den alten und 388,30 Euro in den neuen Bundesländern.

Die Freibeträge werden jährlich entsprechend der allgemeinen Einkommensentwicklung neu festgesetzt. Ursprünglich sollten sie eingefroren werden. Das wurde im Laufe des Gesetzgebungsvorgangs aber geändert. Vorläufig bleiben die Beträge also dynamisch.

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