Winterreifen Test

Auch ohne gesetzliche Verpflichtung sollten Auto­fahrer ihr Fahr­zeug mit guten Winterreifen ausrüsten. 5 der 28 Reifen im Vergleich erreichten das test-Qualitäts­urteil gut.

Richter des Ober­landes­gerichts Oldenburg erklärten am 9. Juli 2010 die Formulierung der Winterreifen­pflicht in der Straßenverkehrs­ordnung für verfassungs­widrig (Az. 2 SsRs 220/09). Seit 2006 gilt, dass „bei Kraft­fahr­zeugen ... die Ausrüstung an die Wetter­verhält­nisse anzu­passen“ ist, insbesondere durch „geeignete Bereifung“. Diese Formulierung war den Richtern zu unbe­stimmt. Eine Straf­androhung sei nicht möglich, weil es keine verbindlichen Normen für die Eigenschaften von Auto­reifen bei unterschiedlichen Wetterlagen gibt. Im vorliegenden Fall kam der Unfall­ver­ursacher dennoch nicht ungeschoren davon. Er muss wegen „nicht angepasster Geschwindig­keit“ ein Bußgeld zahlen.

Tipp: Nur mit Winterreifen sind Sie auf der sicheren Seite. Welche wirk­lich gut sind, zeigt der große Vergleichs­test von 28 Modellen. Darin prüfen und bewerten wir alle wesentlichen Eigenschaften, die ein guter Winterreifen erfüllen muss.

Bei Kälte sind Winterpneus über­legen

Winterreifen Test

Winterreifen: Sie haben meist ein feinglied­riges Lamellen­profil

Winterreifen: Sie haben meist ein feinglied­riges Lamellen­profil

Wie fährt und bremst der Reifen auf nasser und trockener Straße? Wie sicher ist er auf Schnee und Eis? Welche Umwelt­eigenschaften bietet der Reifen? Hier geht es um Verschleiß­festig­keit, Kraft­stoff­verbrauch, Geräusch und Schad­stoff­gehalt im Reifen­gummi. Die Reifentests, die wir zusammen mit dem ADAC und anderen europäischen Auto­clubs und Verbraucher­organisationen durch­führen, beweisen Jahr für Jahr die Über­legenheit von Winterreifen gegen­über den Sommerreifen in der kalten Jahres­zeit. Insbesondere auf Schnee wirken sich die weichere Gummi­mischung und das feinglied­rige Lamellen­profil der Winterpneus günstig aus. Allerdings gibt es auch Fabrikate, die den hohen Qualitäts­anforderungen nicht gerecht werden.

Drei sind mangelhaft

Winterreifen Test

Test­strecke: Mit einer Reifenwalze hinter dem Geländewagen präpariert ein Fahrer die Test­strecke am Nufenenpass.

Neben den bekannten Marken drängen immer neue Hersteller, meist aus China, auf den deutschen Markt, so auch Interstate, West­lake und Star Performer. Eklatante Schwächen im Fahr­verhalten auf nassen Straßen führen bei diesen drei Reifen zur Abwertung des test-Qualitäts­urteils auf mangelhaft. Neben dem Fahr­verhalten (Hand­ling) versagten West­lake und Star Performer auch noch beim Bremsen. Da hilft es auch nichts, dass West­lake und Star Performer auf Schnee gut sowie außerdem kraft­stoff­sparend sind und der Star Performer besonders verschleiß­fest ist.

Zwei sind ausreichend auf Schnee

Aber auch die etablierte Konkurrenz ist nicht frei von Schwächen. Der japa­nische Yokohama-Reifen in der Breite von 225 Milli­metern bremst auf Schnee nur ausreichend, während der 185er – mit ähnlicher Typbezeichnung, aber anderem Profilbild – hier gut abschneidet. Nur ausreichend auf Schnee ist außerdem der Ganz­jahres­reifen Vrede­stein Quatrac 3 wegen seiner ausgeprägten Anfahr­schwäche.

Testsieger kommt von Michelin

Winterreifen: Nur fünf sind gut

Fünf Reifen erreichen das test-Qualitäts­urteil gut – drei aus der Gruppe der Kleinwa­genreifen im Format 185/65 R15 und zwei Reifen der Größe 225/45 R17, die auf Kompakt- und Mittel­klasseautos passen. Der Testsieger bei den 225ern kommt von Michelin. Er ist gut auf Schnee und nasser Straße. Auch bei den Umwelt­eigenschaften punktet er mit sehr guter Verschleiß­festig­keit und sehr geringem PAK-Gehalt. Je weniger, desto besser, lautet die Formel für den Anteil krebs­erzeugender poly­zyklischer aromatischer Kohlen­wasser­stoffe, PAK, im Reifen­gummi der Lauffläche. Mit dem Abrieb geraten diese Partikel auf die Straße und als Fein­staub in die Atem­luft. Sehr wenig PAK hat auch der 225er Continental WinterContact, der insgesamt kaum schlechter als der Michelin abschneidet.

Drei Kleinwa­genreifen sind gleich gut

Winterreifen Test

Mercedes-A-Klasse: Er ist der Testwagen für die kleinere Reifengröße.

Bei den Kleinwa­genreifen liegen gleich drei Konkurrenten mit dem Qualitäts­urteil gut (2,5) an der Spitze des Test­felds: Dunlop, Good­year, Tecar. Der Dunlop SP Winter Sport 3D verpasste eine bessere Gesamt­note wegen seiner nur durch­schnitt­lichen Eigenschaften auf trockener Straße. Der Good­year Ultra­Grip 7+ bremst bei Nässe schlechter, und der Tecar Super Grip 7 bleibt auch beim Fahr­verhalten auf nasser Fahr­bahn etwas hinter dem Dunlop zurück. Der Continental vermasselte sich ein gutes Ergebnis, weil er auf trockener Fahr­bahn nur ausreichend bremst.

Einer bei jedem Wetter ausgewogen

Winterreifen Test

Prüfungen auf Eis: Brems­test und Kreis­fahrten im Wolfs­burger Stadion.

Prüfungen auf Eis: Brems­test und Kreis­fahrten im Wolfs­burger Stadion.

Besonders Fahrer von Autos mit geringer jähr­licher Lauf­leistung fragen oft nach Ganz­jahres­reifen. Die ersparen die Zusatz­kosten für einen Satz Felgen und die jähr­liche Ummontage. Eine geringe Kilo­meter­leistung noch auf zwei Reifensätze für Sommer und Winter aufzuteilen, ist Geld­verschwendung. Schließ­lich verlieren die Reifen nach etwa acht Jahren ihre Winter­eignung, egal, wie viel Rest­profiltiefe dann noch übrig ist. Im Test der 185er sind zwei Ganz­jahres­reifen dabei. Ausgewogene, befriedigende Fahr­eigenschaften bietet der Good­year Vector 4Seasons. Auf Eis, Schnee und nasser Straße liegt er im Mittel­feld der Winterspezialisten, und auf trockener Straße ist kaum ein Winterreifen besser. Durch die sehr gute Verschleiß­festig­keit sind auch die Umwelt­eigenschaften gut. Beim zweiten Allwetterreifen, dem Vrede­stein Quatrac 3, verhindert die Anfahr­schwäche auf Schnee ein besseres Ergebnis. Die Verschleiß­festig­keit ist hier jedoch gut.

Auf Schnee­matsch in Finn­land

Winterreifen Test

Traktion: In Kurven und an Steigungen kommt es auf gute Verzahnung des Reifen­profils mit der verschneiten Straße an.

Außer­halb der Wertung haben wir erst­mals Reifen auch auf Schnee­matsch getestet – in Finn­land. Die Prüfungen erwiesen sich als recht schwierig. Denn die Stre­ckenbedingungen änderten sich schnell. So kam es immer wieder zu nicht verwert­baren Ergeb­nissen. Dennoch zeigten die Tests gewisse Über­einstimmungen der Aquaplaning- und der Schnee­matsch­eigenschaften der Reifen. Wer beim Aquaplaning gut abschneidet, ist auch auf Schnee­matsch nicht schlecht. Nur dass die Reifen auf Matsch noch früher die Haftung verlieren als auf Nässe. Während Aquaplaning bei einer Geschwindig­keit von etwa 80 bis 90 km/h auftritt, ist auf Schnee­matsch das Maximum oft schon bei Tempo 30 erreicht.

Aus Frank­reich, Rumänien, China

Continental-Reifen aus Deutsch­land, Michelin aus Frank­reich, Pirelli aus Italien – das gilt heute nicht mehr in jedem Fall. Durch Fusionen von Reifen­herstel­lern und den interna­tionalen Vertrieb stimmen Marke und Herkunfts­land nicht immer über­ein. Manchmal entscheidet sogar das Reifenmodell oder die Größe darüber, aus welchem Werk des Unter­nehmens der Reifen kommt. Im Test stammt der kleine Continental aus Tschechien, der große aus Frank­reich, während Michelin auch in Deutsch­land produziert. Der geprüfte Fire­stone kommt aus Italien, der Pirelli aus Rumänien. Dem Kunden soll es recht sein, solange die Qualität stimmt. Dass aus China auch brauch­bare Reifen kommen, beweist der korea­nische Hersteller Kumho, der den ausgewogenen I’Zen KW23 in seinem chinesischen Werk produzieren lässt.

Schon im Oktober aufziehen

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Reifen­wechsel im Zelt: Audi A3 Sport­back, Testwagen für die Reifengröße 225/45 R17.

Schon im Oktober ist die richtige Zeit, die Winterreifen aufzuziehen. Die Auswahl beim Reifenhändler ist dann noch groß, die Warte­zeiten für die Montage sind kurz. Dabei lohnt sich ein Preis­vergleich. So kann der 185er Dunlop 56, aber auch 85 Euro pro Stück kosten. Den Testsieger Michelin gibt es zwischen 160 und 224 Euro.

Tipp: Fragen Sie beim Preis­vergleich auch nach den Neben­kosten oder gleich nach dem Gesamt­preis. Für Montage, Ventil und Auswuchten können 10 bis 20 Euro pro Rad fällig werden. Durch eine gründliche Preisrecherche, auch im Internet, lässt sich eine Menge Geld sparen. Wer dagegen erst nach dem ersten Schnee­einbruch bei der Werk­statt vorfährt, muss möglicher­weise nehmen, was noch übrig ist.

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