Jede Menge Gummi. Pro Tag kommt das Test­team auf hunderte Radwechsel.

Bei Schnee und Eis, aber auch bei Regen müssen Winterreifen für Sicherheit sorgen. Das schaffen nicht viele. Nur jedes siebte Testmodell über­zeugt.

Oben auf dem Berg ist die Welt noch in Ordnung. Es schneit kräftig in den Schweizer Alpen. Dank Winterreifen zieht das Auto sauber seine Spuren durch den teils lockeren, teils fest­gefahrenen Schnee. Dann geht es abwärts. Im Tal regnet es in Strömen – und die Reise wird zum Risiko. In Kurven schiebt der Wagen über die Vorderräder nach außen. Das gute Fahr­gefühl aus höheren Lagen ist dahin. Falls der Vordermann kräftig bremsen sollte, verhindert nur üppiger Sicher­heits­abstand den Zusammen­stoß. Grund: Das Auto ist mit dem Aeolus Snowace AW02 unterwegs, einem Billigwinterreifen aus Fern­ost. Und der offen­bart im aktuellen Test Schwächen, die unsere Experten schon in voran­gegangenen Unter­suchungen bei mehreren Modellen anderer Anbieter beob­achteten.

Wenige sind Alleskönner

Schmuddelwetter. Bei den Test­fahrten in den Schweizer Alpen zeigte sich schnell, welcher Reifen auch unter widrigen Bedingungen gut in der Spur bleibt.

Während sich viele Winterreifen bei Schnee und auf trockener Straße bewähren, ist ihre Leistung bei Nässe eher mäßig oder schlecht. Von 35 geprüften Reifen erreichten diesmal 27 Modelle gute Noten für das Fahren im Schnee – aber gerade mal 12 bekamen ein Gut für ihre Fahr­eigenschaften auf nasser Fahr­bahn. Einige fielen sogar ganz durch: Aeolus und Mentor bremsten mangelhaft. Aeolus, Linglong und Mentor zeigten eine unzu­reichende Seiten­führung, zudem war ihr Hand­ling schlecht, also das subjektive Sicher­heits­empfinden der Fahrer. Avon war in diesem Punkt ebenfalls mangelhaft.

Unterschiedliche Größen im Test

Typisches Profil. Grobe Stollen sind Schnee von gestern. Moderne Winterreifen krallen sich mit feinen Lamellen in die Schnee­oberfläche.

Typisches Profil. Grobe Stollen sind Schnee von gestern. Moderne Winterreifen krallen sich mit feinen Lamellen in die Schnee­oberfläche.

Im Test vertreten sind verschieden große Reifen. Größe 165: schmalere Reifen für Kleinwagen wie Skoda Fabia oder Nissan Micra. Größe 205: breitere Modelle für Kompakt- und Mittel­klasseautos wie etwa den Ford Mondeo, VW Passat, Audi A3 oder Toyota Verso.

Insgesamt gut auf Eis, Schnee, bei Nässe und auf trockener Fahr­bahn fuhren sich die 165er Reifen Dunlop SP Winter Response 2, Good­year Ultra­grip 9 und Michelin Alpin A4, von den 205ern erreichten das Continental Conti­wintercontact TS 850 sowie Yokohama W.drive V905.

Rutsch­partie auf nasser Straße

Nass­griff. Trotz des tiefen Profils erreichen einige Modelle bei Nässe nur ungenügende Brems­werte und folgen Lenkbewegungen nur schwerfäl­lig.

Der Qualitäts­unterschied zwischen guten und schlechten Modellen zeigt sich besonders eindrucks­voll beim Bremsen auf nasser Fahr­bahn: Zwischen dem am besten verzögernden Kleinwa­genreifen Continental TS 850 und dem schlechtesten in der Gruppe, dem Mentor, lagen im Test 13 Meter Bremsweg. Das entspricht rund drei Wagenlängen eines VW Polo. Anders ausgedrückt: Während das Auto auf Continental-Reifen nach einer Voll­bremsung bei Tempo 80 schon steht, rauscht der Mentor­bereifte Wagen dem voraus­fahrenden Auto mit etwa 40 Stundenkilo­metern ins Heck. Bei Auffahr­unfällen mit solchen Geschwindig­keiten muss mit Verletzungen bei den Insassen gerechnet werden.

Deutlich waren die Unterschiede auch während der Kurven­fahrten. Konnte der Fahrer mit dem Good­year Ultra­grip 9 noch höhere Seiten­kräfte aufbauen, also einige Stundenkilo­meter schneller fahren, rutschte er mit den Billigheimern Aeolus, Linglong und Mentor bereits aus der Spur. „Ihm geht die Straße aus“, heißt das salopp in der Sprache der Rallyefahrer.

Billig ist teurer

Nicht mal ihr geringer Verschleiß taugt als Argument für den Kauf billiger Auto­reifen, denn auch Modelle, die bei Nässe gut bremsen, können lange halten. Bestes Beispiel: Der Michelin Alpin A4. Er erreichte die Bestnote im Verschleiß und bremste gut. Auch der Continental TS 850 erwies sich als sehr lang­lebig und über­zeugte trotzdem beim Brems­verhalten.

Good­year spart Sprit

Wer viel fährt, sollte darauf achten, wie stark die Reifen den Kraft­stoff­verbrauch des Autos beein­flussen. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Kompakt­wagenreifen in diesem Prüf­punkt, dem Good­year und dem Falken, liegen fast 6 Prozent Unterschied. Das bedeutet: Das Good­year-bereifte Auto nahm im Test pro 100 Kilo­meter rund 0,3 Liter weniger Sprit als der Wagen mit dem Falken-Winterreifen. Das entspricht bei 50 000 Kilo­metern Lauf­leistung etwa 150 Liter. Mit dem gesparten Geld wäre ein neuer Satz gut bewerteter Reifen zur Hälfte bezahlt.

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