Auch in der kalten Jahreszeit soll die Bereifung jeden Untergrund sicher im Griff haben. Doch im Test zeigten sich Mängel – sowohl auf trockener als auch auf nasser Fahrbahn.

Angesichts der Klimaerwärmung könnten sich Sparfüchse fragen, ob Winterreifen heutzutage überhaupt noch erforderlich sind. Klare Antwort: Ja, sie sind es. Eis und Schnee wird es auch in dieser Saison geben, und wer dann nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen will, muss die Bereifung anpassen. Unsere Tester warnen: Reine Sommerpneus haben auf Eis und Schnee nur miserable Fahreigenschaften. Wer diese Erkenntnis ignoriert, gefährdet sich und andere.

Für den Laien sieht ein Winterreifen auf den ersten Blick genauso schwarz aus wie jeder andere Reifen. Doch tatsächlich unterscheidet er sich gravierend:

  • Eine spezielle Gummimischung macht die Laufflächen relativ weich, damit sie sich auch bei winterlichen Temperaturen unterschiedlichen Fahrbahnen anpassen.
  • Anstelle des eher blockartigen Sommerreifenprofils hat ein Winterreifen viele schlanke Lamellen. Sie sorgen für optimale Haftung ( „Grip“): Der Reifen soll sich damit auf Schnee und anderen schwierigen Untergründen „festkrallen“ können.

40 Reifen in zwei Größen im Test

In einem aufwendigen Gemeinschaftstest prüften wir diesmal 40 Reifen in zwei Größen: 175/65 R14 für Kleinwagen (wie Ford Fiesta, Mitsubishi Colt, Renault Clio) sowie die meistverkauften Reifen 195/65 R15 für Kompakte und untere Mittelklasse (wie Audi A4, BMW 3er, Opel Astra, VW Golf).

Die Kennziffern bedeuten: Die schwarzen Gummis sind etwa 175 oder 195 Millimeter breit. Die Flankenhöhe beträgt 65 Prozent der Laufbreite. „R“ steht für die radiale Struktur des Karkassengewebes. Die Felgen müssen 14 oder 15 Zoll groß sein. Ein zusätzliches „T“ sagt, dass die Reifen bis Tempo 190 zugelassen sind.

Geprüft haben wir die Reifen auf Schnee und Eis sowie bei nasser und trockener Fahrbahn. Und zwar alle unter denselben Testwagen – einem Ford Fiesta und einem VW Golf. Die Testfahrten auf Eis absolvierten wir in einem Eisstadion. Für die Schneeprüfungen wählten wir das schneesichere Schweizer Wallis. Auf einem abgesperrten Flugplatz und dem Nufenenpass prüften wir die Reifen dort bis an ihre Grenzen.

Gefahr auf vier Rädern

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt bei sechs Modellen alarmierende Mängel. Die Billigreifen von Ceat, Linglong, Tigar sowie Marshal, Nankang und Wanli schnitten in wichtigen sicherheitsrelevanten Prüfpunkten so schlecht ab, dass ihre test-Qualitätsurteile nur „mangelhaft“ lauten konnten.

Tipp: Wer beim Reifenkauf sparen will, ohne sich gravierende Sicherheitsrisiken einzu­handeln, sollte um diese Billigreifen einen großen Bogen machen. Achten Sie besser auf preisgünstige Angebote für Qualitätsprodukte. Die von uns ermittelten Preisspannen zeigen, dass 30 bis 40 Prozent Ersparnis beim Reifenkauf möglich sind.

Die größten Unterschiede notierten die Prüfer auf nasser Fahrbahn, zum Beispiel beim Abbremsen von Tempo 80 auf 20. Der Bremsweg des schlechtesten Billigreifens auf nassem Asphalt war etwa 20 Meter länger als beim Testsieger Conti TS 800. Auf nassem Beton sogar noch mehr. Solche Unterschiede können bei einer Vollbremsung über einen glimpflichen Ausgang oder schweren Crash entscheiden.

Auch bei anderen Prüfungen erwiesen sich einige Reifen als „wasserscheu“. Mit ihnen stieg das Risiko für Aquaplaning, sodass Kreisfahrten merklich länger dauerten. Besonders ärgerlich ist das schlechte Abschneiden bei Nässe, weil dieser kritische Fahrbahnzustand im mitteleuropä­ischen Winter naturgemäß und infolge von Streusalz häufig vorkommt. Deshalb haben wir diesen wichtigen Prüfpunkt bei der Berechnung des test-Qualitätsurteils mit 30 Prozent relativ stark gewichtet.

Dass der Kauf von Winterreifen grundsätzlich eine richtige Entscheidung ist, zeigen die durchweg mindestens befriedigenden Urteile bei den Schneeprüfungen. Lediglich der Billiggummi von Wanli brachte es hier nur auf „ausreichende“ Zugkraft (Traktion). Wer besonders großen Wert auf beste Fahreigenschaften auf weißem Untergrund legt, sollte einen WinterContact-Reifen von Conti oder den Vredestein Snowtrac 3 in die engere Wahl ziehen.

Auf Eis brachten es fast alle Testkandi­daten auf „befriedigende“ Seitenführung und Bremsleistungen. Die Unterschiede zwischen den Modellen waren relativ gering.

Tipp: Auch mit den besten Winterreifen ist auf vereisten Straßen größte Vorsicht geboten. Mehr Sicherheit gäbe es nur mit Spikes. So hilft nur eins: Runter mit dem Tempo!

Umweltschutz schont den Geldbeutel

Je besser ein Reifen die Umwelt schont, desto erfreulicher ist dies auch für den Fahrer und sein Portmonee:

Lärm: Von leisen Reifen profitieren nicht nur die Menschen am Rande der Straße, sondern auch die Insassen. Ein Unterschied von 3 Dezibel (siehe Testtabelle) entspricht etwa einer Verdopplung des Lärms.

Verschleiß: Wenn Boden, Luft und Gewässer am Fahrbahnrand weniger durch Reifenabrieb belastet werden, spart auch der Autofahrer. Der nächste Reifensatz ist im Idealfall erst Jahre später fällig.

Kraftstoff: Geringer Roll- und Luftwiderstand senken den Spritverbrauch.

Tipp: Die Fahrweise hat den größeren Einfluss auf den Benzindurst. Das von 100 auf 130 km/h erhöhte Tempo ließ den Verbrauch der beiden Testwagen um mehr als ein Drittel emporschnellen. Der Reifen­abrieb nimmt mit der Geschwindigkeit überproportional zu. Sparen lässt sich zudem mit optimalem Reifendruck.

Ärgerlich sind Umweltbelastungen, die völlig unnötig sind. Zum Beispiel durch verunreinigte Rohstoffe: In mehreren Reifen fanden wir erhöhte Konzentrationen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Beim Billigreifen Wanli lag die Konzentration krebserzeugender Substanzen am höchsten (Note: „mangelhaft“).

Die umweltschonendsten Reifen im Test sind die beiden Michelin Alpin A3. Der Hersteller hat damit einigermaßen erfolgreich einen schwierigen Spagat vollbracht: Einerseits sorgt die stabile Gummimischung für minimalen Verschleiß und geringen Rollwiderstand, andererseits reicht der Grip immerhin noch aus, um auf nasser Fahrbahn ein gutes „Befriedigend“ zu erreichen.

Ganzjahresreifen als Alternative

Sparfüchse könnten angesichts der Testergebnisse auf die Idee kommen, rundum gute Winterreifen zu kaufen und sie dann auch im Sommer zu fahren. Keine gute Lösung: Je höher die Temperatur, desto eher neigen Winterreifen zum Wegschmieren. Im schlimmsten Fall rutscht der Wagen dann aus der Kurve oder kommt beim Bremsen nicht rechtzeitig zum Stehen.

Ein akzeptabler Kompromiss kann hingegen der Kauf eines Ganzjahresreifens sein. Der Goodyear Vector 4 Seasons erreichte in der Version für Kompaktwagen als test-Qualitätsurteil sogar ein knappes „Gut“. Vor allem für Wenigfahrer in Regionen mit immer weniger Schneefall kann das eine wirtschaftliche Wahl sein.

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