Sommerreifen? Dann sollte der Wagen jetzt besser stehen bleiben.

Reifen­wechsel – ein Termin, den viele gern aufschieben. Doch wer im Winter auf Sommerreifen unterwegs ist, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern auch den Schutz der Kasko­versicherung. Die Experten der Stiftung Warentest fassen zusammen, was Auto­fahrer wissen sollten.

Ab wann muss ich Winterreifen aufziehen?

Für die Winterreifen­pflicht gilt kein konkretes Datum. Das Gesetz spricht von „winterlichen Wetter­verhält­nissen“. Konkret nennt die Straßenverkehrs­ordnung Glatt­eis, Schnee­glätte, Schnee­matsch, Eis- oder Reifglätte. Bei Verstoß droht ein Punkt in Flens­burg, zusätzlich 60 Euro Bußgeld, bei Behin­derung anderer oder Unfall noch mehr.

Was ist mit der O-bis-O-Regel?

Dass Winterreifen spätestens bei Temperaturen unter 7 Grad besser sind, ist laut Tüv ein Mythos. Reifen­experte Torsten Hesse vom Tüv Thüringen sagt: „Moderne Sommer­reifen können auch knapp über dem ­Gefrier­punkt Vorteile gegen­über Winterreifen haben.“ Dennoch hält er die O-bis-O-Faust­regel für vernünftig: Winterreifen von Oktober bis Ostern.

Zahlt die Versicherung auch bei Unfällen mit Sommerreifen?

Die Kfz-Haft­pflicht­versicherung zahlt auch, wenn jemand mit den falschen Reifen unterwegs ist – aber nur die Schäden des anderen. Für die am eigenen Auto greift die Voll­kasko. Sie darf bei grober Fahr­lässig­keit kürzen. So musste die Kasko nichts bezahlen, als ein Mann mit Sommerreifen in den Alpen einen Unfall hatte (Ober­landes­gericht Frank­furt/Main, Az. 3 U 186/02). Dagegen fand das Land­gericht Hamburg es nicht fahr­lässig, als ein Pkw bei Schnee auf Sommerreifen gegen eine Mauer rutschte. Es sei möglich, dass das auch mit Winterreifen passiert wäre (Az. 331 S 137/09). Die Stiftung Warentest rät ohnehin zu Tarifen, die auf Kürzungen bei grober Fahr­lässig­keit verzichten. Die beste Auto­versicherung für Ihren Bedarf finden Sie mithilfe unseres Kfz-Versicherungsvergleichs.

Sind Allwetterreifen im Winter erlaubt?

Ganz­jahres­reifen. Die Abkür­zung „M+S“ steht für „Matsch und Schnee“ – genauer gesagt: für „Mud and Snow“. Heißt aber dasselbe.

Wer sich den Reifen­wechsel sparen will, darf auch im Winter mit Sommerreifen fahren, wenn die Straße eis- und schnee­frei ist. Erlaubt sind auch Ganz­jahres­reifen – aber nur solche mit Alpine-Symbol: ein Berg­piktogramm mit Schnee­flocke. M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol sind bis Ende 2024 erlaubt und nur, wenn sie vor 2018 hergestellt wurden. Ganz­jahres­reifen haben aber Nachteile: Sie sind nicht so sicher wie echte Winterreifen, verschleißen schneller und kosten mehr Sprit. Außerdem liegt ihr Kauf­preis oft höher.

Darf man das ganze Jahr über mit Winterreifen fahren?

Es ist zumindest nicht verboten. Doch Winterreifen haben im Sommer eklatante Schwächen. Der Bremsweg auf trockener Straße ist deutlich länger. Auch die Fahr­stabilität ist beein­trächtigt, vor allem das Kurven­verhalten, warnt der ADAC. Hinzu kommt der ­hohe Reifen­verschleiß im Sommer.

Welche Profiltiefe müssen Winterreifen haben?

Laut Gesetz mindestens 1,6 Milli­meter. Doch für ihre volle Wirkung sollten es mindestens vier Milli­meter sein. ­Außerdem altert die Gummi­mischung. Nach sechs Jahren ist sie so hart geworden, dass die Haft­kraft nach­lässt.

Diese Meldung ist erst­mals am 9. Oktober 2015 auf test.de erschienen. Wir haben sie am 10. Oktober 2019 aktualisiert.

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