Winterreifen Test

In beiden Testgrößen landet der neue Goodyear Ultra Grip 7 auf dem vordersten Platz. Erstmals haben wir auch die schädlichen PAK in der Lauffläche bewertet.

Der Trend zu sportlich breiten Reifen hält weiter an. Bereits Kompaktwagen sind heute ab Werk oft mit 205 Millimeter breiten 16-Zöllern bestückt, die meist auch den hohen Geschwindigkeitsklassen V (bis maximal 240 km/h) oder W (bis 270 km/h) entspre­chen. Im Winter sind die Eigenschaften solcher Pneus unzu­reichend, sodass der Autofahrer um den Kauf spezieller M&S-Reifen nicht herumkommt.

Hier zeigt sich ein weiterer Nachteil der breiteren Reifen: Gute Fabrikate der Größe 205/55 R16 können rund 150 Euro pro Stück kosten. Da empfiehlt sich ein Blick in den Fahrzeugschein. Oft ist die Umbereifung auf ein etwas schmaleres Format zulässig. Reifen der Standarddimension 195/65 R15 kosten nur halb so viel – ohne Abstriche bei der Sicherheit, wie unser Test von 19 Reifen dieser Größe beweist.

Schmaler heißt nicht immer besser

Winterreifen Test

Testfahrten auf der Passstraße: Nur bei Nacht, wegen der konstanten Temperaturen.

Ohnehin preiswerter ist die zweite Testgröße 175/65 R14, die auf moderne Kleinwagen passt. Wie bereits beim Sommerreifentest verwendeten wir als Testwagen einen Ford Fiesta mit 175er Reifen und einen VW Golf mit 195er Reifen (weitere Fahrzeuge, auf die Reifen der beiden Testgrößen passen).

Schmaler bedeutet bei Winterreifen aber nicht immer besser. Im vergangenen Jahr erreichte im Test der Nebengröße 165/70 R14 nur einer, der Continental WinterContact TS 780, das test-Qualitätsurteil „gut“ (siehe test 10/04). In diesem Jahr ist bei den eine Nummer breiteren 175ern Reifen die Auswahl empfehlenswerter Produkte größer. Stark verbessert hat sich die Marke Goodyear, die mit dem neuen Ultra Grip 7 den Testsieger stellt. Auch der Dunlop SP Winter Sport M3 und der Pirelli Winter 190 Snowcontrol erreichen jetzt die Note „gut“. Leicht verbessert haben sich der Hankook Ice Bear W 440 und der Semperit Winter Grip, während Continental mit dem WinterContact TS 800 die Spitzenposition abgeben muss – wie Bridgestone jedoch immer noch im „guten“ Bereich liegt.

Das Bessere ist der Feind des Guten. Dies gilt auch in der Kompakt- und in der Mittelklassegröße. Auch hier liegt die Neuentwicklung Goodyear Ultra Grip 7 deutlich vor dem Continental WinterContact TS 810, den auch Dunlop und Pirelli noch hinter sich ließen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Selbst ein „befriedigender“ Winterreifen ist bei entsprechender Wetterlage einem reinen Sommerreifen teilweise deutlich überlegen.

Zum Vergleich ein Sommerreifen

Winterreifen Test

Radsensoren übermitteln die Verzögerungswerte an die Messelektronik im Auto.

Wir wollten das genau wissen und ließen in beiden Größen und bei allen Prüfungen einen „guten“ Sommerreifen mitlaufen. Erwartungsgemäß fuhr dieser auf trockener Straße seine Vorteile heraus. Doch schon bei Nässe können gute Winterreifen aufschließen und auf Eis schneiden sie ein bis zwei Noten besser ab. Die große Stunde der M&S-Reifen schlägt freilich auf Schnee. Anfahren und bremsen, Traktion und Seitenführung auf der steilen Passstrecke waren bei vielen Winterreifen durchweg „gut“, beim Testsieger Goodyear Ultra Grip 7 in der 195er Größe sogar „sehr gut“. Die Sommerreifen erwiesen sich dagegen in beiden Größen und in jeder Teilprüfung als „mangelhaft“. Ein besonders gefährliches Fahrverhalten handelt sich ein, wer Schneeketten auf die Antriebsachse eines sommerbereiften Fahrzeugs aufzieht. Bei einem heckge­triebenen Auto fehlt die Lenkstabilität der Vorderräder in den Kurven, während beim frontgetriebenen bergab das Bremsen zum Problem wird, weil die sommerbereifte Hinterachse zum Ausbrechen neigt.

Ganzjahresreifen als Kompromiss

Goodyear ist auch der Anbieter des Ganzjahresreifens, den wir seit einigen Jahren als Referenz sowohl bei den Sommerreifen als auch bei den Winterreifen mittesten. Besonders Besitzer von Klein- oder Zweitwagen mit niedriger Jahresfahrstrecke interessieren sich für die kostengünstige Alternative zur Saisonbereifung.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie sparen schließlich den zweiten Satz Felgen und zweimal im Jahr die Montagekosten. Bei zum Beispiel nur 5 000 Kilometer Fahrstrecke pro Jahr gelingt es ihnen nicht, zwei Sätze – Sommer- und Winterreifen – abzufahren, bevor diese nach rund sechs bis maximal zehn Jahren unbrauchbar werden. Autoreifen altern nämlich im Laufe der Jahre. Sie verlieren an Elastizität und haften dadurch – unabhängig von der Restprofil­tiefe – immer schlechter auf der Straße. Das wirkt sich besonders auf nassen Straßen, im Schnee und auf Eis aus.

Während Goodyears neuer Winterreifen Ultra Grip 7 die Maßstäbe setzt, wurde der Allwetter-Pneu Vector 5 offenbar nicht in gleichem Maße weiterentwickelt. Im Vergleich zu den aktuellen Winterreifen landete der kleinere 175er im Mittelfeld und der 195er im hinteren Teil der Tabelle. Auch der höhere Anteil an schädlichen PAK im Laufflächengummi trug zum schlechteren Abschneiden bei.

Erweiterte Umweltprüfung

Die finnische Marke Nokian bewarb ihre Autoreifen als Erste damit, auf die PAK-haltigen Weichmacheröle bei der Reifenherstellung zu verzichten. Wir wollten wissen, ob auch andere Hersteller auf die Krebs erregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe verzichten und führten bereits in den beiden letzten Reifentests aufwendige chemische Analysen durch. Die veröffentlichten Messwerte zeigten, dass es möglich ist, ohne Qualitätseinbußen den PAK-Anteil deutlich zu reduzieren. In diesem Test fließt deshalb der Messwert des PAK-Gehalts in der Lauffläche erstmals auch in die Bewertung der Umwelteigenschaften ein. Dabei wird deutlich, dass die meisten Reifenhersteller die Produktion bereits umgestellt haben, wenn auch nicht für alle Modelle und in allen Größen. Sehr geringe Anteile von bis zu einem Milli­gramm pro Kilogramm wurden mit „sehr gut“ benotet. Bis fünf ist „gut“, bis zehn „befriedigend“. Dann beginnt der Abwertungsbereich: Reifenproben mit einem PAK-Gehalt von 11 bis 25 Milligramm („ausreichend“) beziehungsweise über 25 Milligramm („mangelhaft“) konnten im Gruppenurteil Umwelteigenschaften nur um eine Note besser sein.

Goodyears Neuentwicklung Ultra Grip 7 überzeugt nicht nur durch seine Fahreigenschaften, sondern auch durch die sehr niedrigen PAK-Werte. Beim Ganzjahresreifen Goodyear Vector, der bereits seit mehreren Jahren im Angebot ist, fanden wir mehr PAK – besonders in der kleinen Größe. Das hat den Allwetterpneu einige Plätze gekostet.

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