Das Ärgert den Verbraucher: Ein wochenlanges Verwirrspiel

Winterreifen Test

Das „C“ hinter der Reifengröße steht für höhere Tragfähigkeit.

Unüberschaubar ist das Sortiment an Reifendimensionen. Selbst bei sorgfältiger Auswahl können Reifenkäufer in die Falle tappen.

Für seinen VW Multivan brauchte Peter G. einen Satz neuer Reifen. Von Michelin sollten sie sein. Also nachgefragt, welcher Pneu auf den Bulli passt. Die Empfehlung lautet: Agilis 51, in der Reifengröße 205/65 R15 Geschwindigkeitsklasse T, Tragfähigkeit (LI) 102 mit der Zusatzkennung „C“. Noch ein paar Telefonate wegen des günstigsten Preises und schon gehts ab zum Reifenfachmann, der die gewünschten Gummis montiert. So weit, so gut. Fünf Jahre lang und 40 000 Kilometer weit versehen die Reifen klaglos ihren Dienst. In diesem August bei der turnusmäßigen Hauptuntersuchung kam dann die böse Überraschung.

Eintrag abgelehnt

Der GTÜ-Sachverständige verweigert im Gegensatz zu seinen Kollegen bei den letzten Terminen die Prüfplakette. Begründung: Auf der Reifenflanke fehlt die im Fahrzeugschein eingetragene Zusatzbezeichnung „rf“. Das steht für reinforced und bedeutet verstärkt. Alle Erklärungen lassen den Prüfer kalt: Dass Michelin diesen Reifen auf Anfrage empfohlen hat und dass der Zusatz „C“ (Commercial) für eine höhere Tragfähigkeit als „rf“ steht.

Eine Nachfrage beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk, BRV, ergab: Die Verwendung von Reifen mit der Zusatzbezeichnung rf, C oder XL (Extra-Load) ist keine Vorschrift, sondern nur eine Empfehlung. Mit dieser klaren Auskunft schwarz auf weiß geht Peter G. zurück zum Sachverständigen. Der zeigt sich von der Meinung des BRV jedoch unbeeindruckt und verweist auf eine Auskunft von Volkswagen, wonach die von Michelin empfohlenen C-Reifen auf dem Auto nicht zulässig seien. Tatsächlich verbreitet das VW-Dialogcenter diese Ansicht, empfiehlt aber, die Eintragung durch Dekra oder Tüv zu versuchen. Der für die Freigabe zuständige VW-Entwickler zeigt sich überrascht von der Auskunft des Dialogcenters. C-Reifen seien zulässig und könnten eingetragen werden. Inzwischen hat der Sachverständige nach Rücksprache mit der GTÜ-Zentrale keine Bedenken mehr gegen die C-Reifen auf dem VW-Bus und erteilt die Plakette – für die nächsten zwei Jahre.

Vier Wochen später schreibt der Michelin-Kundenservice: Wenn im Fahrzeugschein „rf“ steht, müssen Sie auch diese Reifen montieren. Schließlich bescheinigt Michelins Abteilung Produkttechnik auf Antrag dann doch die Freigabe der C-Reifen.

Fazit: Wer sichergehen will, bei der Hauptuntersuchung oder einer Verkehrskontrolle keine Schwierigkeiten zu bekommen, sollte nur Reifenformate montieren, die exakt im Fahrzeugschein aufgeführt sind. Wird eine andere Dimension aufgezogen, sollte diese umgehend in die Fahrzeugpapiere eingetra­gen werden. Die Erfahrungen des vorlie­genden Falles zeigen aber auch, dass es im Falle von Beanstan­dungen bei der Hauptuntersuchung oder einer Fahrzeugkontrolle zweckmäßig ist, noch eine zweite Meinung zum Beispiel vom Reifen- oder Fahrzeughersteller einzuholen.

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