Nur mit geeigneter Bereifung kommen Autos sicher durch den Winter. Wir haben 34 Pneus geprüft.

Nach dem erschreckend schlechten Testergebnis billiger Winterreifen Ende 2006 haben wir in diesem Jahr die teurere Markenware geprüft. Damals war mehr als jeder zweite Reifen für Kompakt- und Mittelklasseautos „mangelhaft“, kein einziger „gut“ (siehe Test Winterreifen aus Heft 11/06). Nun sieht das Bild besser aus. Neben einem breiten Mittelfeld „befriedigender“ Fabrikate findet sich jetzt in diesem Testfeld nur noch einmal „mangelhaft“. Zwei Reifen haben „gut“ abgeschnitten.

Im Zielkonflikt

Auf einem Opel Astra prüften wir diese Winterreifen in einem Gemeinschaftstest mit dem ADAC, weiteren Autoclubs sowie Verbraucherorganisationen aus mehreren europäischen Ländern. Die Reifen mussten ihre Qualität nicht nur auf Schnee und Eis unter Beweis stellen, sondern auch auf nassen und trockenen Straßen. Schließlich herrschen solche Fahrbahnzustände hierzulande im Winter vor. Außerdem sollen die Reifen lange halten, leise und leicht abrollen, um Kraftstoff zu sparen. Teilweise handelt es sich dabei jedoch um Zielkonflikte, die nicht jeder Reifenhersteller im Griff hat. So sorgt die Gummimischung des Avon-Reifens zwar für einen geringen Verschleiß, dafür ist der Brite aber ausgesprochen wasserscheu. Seine Seitenführung und sein Handling sind auf nasser Straße nur „ausreichend“, die Bremswege viel zu lang. Dieses Manko in der Sicherheit führt zur Abwertung des test-Qualitätsurteils auf „mangelhaft“.

Die beiden besten Reifen der Kompakt- und Mittelklasse, von Michelin und Dunlop, lösen das Problem besser. Ihre Bremswirkung ist „gut“ bei insgesamt „befriedigenden“ Fahreigenschaften auf nasser Straße. Trotzdem dürfen sich die Fahrer über einen geringen Verschleiß dieser Reifen freuen, im Falle des Michelin sogar über einen sehr geringen. Der Drittplatzierte, Continental, verschleißt schneller, überzeugt dafür auf Nässe mit einem besseren Handling als die ersten beiden.

Die Verschleißfestigkeit der Reifen ist ein wichtiger Teil der Prüfgruppe Umwelteigenschaften. Der Michelin läuft fast doppelt so weit wie der Vredestein der gleichen Größe. Wie viele Kilometer das sind, hängt allerdings auch noch von anderen Faktoren ab. Leistung und Gewicht des Autos spielen hier ebenso eine Rolle wie die individuelle Fahrweise.

Die Verschleißgrenze sollte man jedoch nicht ausreizen. Obwohl auch Reifen mit nur 1,6 Millimeter Restprofiltiefe noch den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprechen, raten wir aus Gründen der Sicherheit, Winterreifen schon bei vier Millimetern Restprofil zu erneuern. Eine gleichmäßigere Abnutzung der Vorder- und Hinterreifen erreicht, wer die Pneus von Saison zu Saison seitengleich von vorn nach hinten tauscht. Die Position der Reifen am Auto sollte deshalb vor der Einlagerung vermerkt werden.

Zur Wertungsgruppe der Umwelteigenschaften gehört neben der Verschleißfestigkeit auch der Rollwiderstand des Reifens. Ein möglichst geringer Rollwiderstand sorgt für einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch. Um diesen Zusammenhang deutlicher zu machen, heißt die entsprechende Zeile in unserer Tabelle jetzt Kraftstoffverbrauch statt wie bisher Rollwiderstand.

Zwischen dem schlechtesten und den besten Reifen im Test liegen 0,4 Liter Kraftstoffeinsparung je 100 Kilometer. Ein Mehrverbrauch durch einen erhöhten Rollwiderstand entsteht jedoch auch, wenn man mit einem zu geringen Luftdruck fährt. Der Luftdruck der Reifen sollte deshalb etwa einmal im Monat kontrolliert und nach Herstellervorgabe und Beladung korrigiert werden.

Auch Kleinwagen umbereifen

Bei der Umrüstung auf Winterreifen gibt es besonders bei Kleinwagen noch Nachholbedarf. Deshalb haben wir auch Reifen dieser Größe auf einem VW Lupo getestet, darunter auch ein Runderneuerter und zwei Ganzjahresreifen. Dass Qualität nicht teuer sein muss, beweist hier der Testsieger Sava Eskimo für knapp 40 Euro. Doch die teureren Reifen Dunlop und ContiWinterContact bieten auch in dieser Größe ausgewogenere Fahreigenschaften auf nasser, trockener und verschneiter Straße, wobei der Continental weniger verschleißfest ist. Der haltbarste unter den „guten“ Kleinwagenreifen ist der Fulda.

Der Ganzjahresreifen Goodyear Vector 5+ hat „gut“ nur knapp verfehlt, während der zweite Allwetterreifen im Test, der Toyo, wegen eklatanter Schwächen bei nasser Straße auf „mangelhaft“ abgewertet wurde. Auch der Pneumant ist „mangelhaft“ (wegen seines schlechten Nassgriffs), ebenso der runderneuerte Rigdon. Er zeigt als einziger Reifen deutliche Mängel beim Fahren auf trockener Straße.

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