Mit dem Winter­dienst Steuern sparen

Mieter und Eigentümer müssen Wege von Eis und Schnee befreien. Wer einen Dienst­leister beauftragt, kann sich die Kosten mit dem Finanz­amt teilen.

Selbst schippen hält fit und kostet nichts. Wer andere mit dem Schippen beauftragt, wird Schnee, Eis und Geld los. Doch Mieter und Eigentümer, die einen Dienst­leister mit dem Winter­dienst beauftragen, können das Finanz­amt über ihre Steuererklärung an den Ausgaben beteiligen: Es zieht 20 Prozent dieser Arbeits­kosten direkt von der zu zahlenden Einkommensteuer ab. Wer Sand oder Splitt stellt, kann Ausgaben dafür ebenfalls abrechnen, die für Schnee­fräse und Schaufel aber nicht. Je nachdem, wer den Auftrag erteilt, ob er an eine Firma oder einen Minijobber geht, gelten einige Besonderheiten.

Wie Vermieter den Winter­dienst korrekt abrechnen

Über­trägt ein Vermieter die Räum- und Streu­pflicht auf seinem Grund­stück nicht vertraglich auf seine Mieter, sondern nimmt er sie selbst wahr, gelten andere Steuer­regeln.

Richtig eintragen. Kosten, die der Vermieter im Zusammen­hang mit dem Winter­dienst hat, kann er steuerlich absetzen – allerdings nicht für haus­halts­nahe Dienst­leistungen, sondern als Werbungs­kosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Alle Angaben dazu gehören in die Anlage V.

Kosten auflisten. Vermieter, die Schnee und Eis selbst beseitigen, können – anders als Mieter und Eigentümer, die ihre Immobilie selbst bewohnen – auch den Preis für Arbeits­geräte wie Schaufel, Besen oder Schnee­fräse sowie Fahrt­kosten zwischen eigener Wohnung und vermieteter Immobilie geltend machen. Hinzu kommen Ausgaben für Streu­gut. Wer einen Dienst­leister beauftragt, kann Bereit­schafts­pauschale, Einsatz­kosten und Zuschläge abrechnen.

Einnahmen versteuern. Kassiert ein Vermieter von Mietern Voraus­zahlungen auf die Neben­kosten, etwa für den Winter­dienst, muss er sie in der Anlage V als Einnahmen versteuern.

Fall 1: Eigentümer oder Mieter beauftragt eine gewerb­liche Firma

Die Räum- und Streu­pflicht trifft zunächst den Eigentümer. Bewohnt der Besitzer sein Haus nicht selbst, kann er den Winter­dienst im Miet­vertrag auf den Mieter abwälzen. Der hat dann unter anderem dafür zu sorgen, dass Zugänge zum Haus sowie die Gehwege rund ums Grund­stück eis- und schnee­frei sind. Schipp-Muffeln droht ein Bußgeld, bei Unfällen ein Verfahren wegen fahr­lässiger Körperverletzung sowie Schaden­ersatz.

Eigentümer und Mieter, die nicht selbst ans Werk gehen wollen oder im Winter verreisen, können eine Hausmeister- oder Gartenfirma mit dem Winter­dienst beauftragen. Das Finanz­amt erkennt steuer­mindernd die Einsatz­kosten sowie Nacht- und Wochen­endzuschläge an, aber auch die Bereit­schafts­pauschale. Auf Verlangen muss der Steuerzahler Rechnungen vorweisen, aus denen die Arbeits­kosten hervorgehen. Begleichen muss er sie per Über­weisung oder Last­schrift, damit er die Zahlungen per Konto­auszug belegen kann. Die Kosten gehören in Zeile 72 des Mantelbogens der Steuererklärung – zusammen mit anderen haus­halts­nahen Dienst­leistungen, zum Beispiel Ausgaben für Haus- und Garten­arbeiten. Das Finanz­amt erkennt 20 Prozent von maximal 20 000 Euro an – das macht pro Jahr bis zu 4 000 Euro Ersparnis.

Tipp: Auch Kosten für die Räumung öffent­licher Gehwege außer­halb des Grund­stücks lassen sich absetzen, entschied der Bundes­finanzhof 2014 (BFH, Az. VI R 55/12).

Fall 2: Mieter oder Eigentümer beauftragt einen Minijobber

Für Steuerzahler, die nur in Abständen „dran“ sind, kann es sinn­voll sein, einen Minijobber mit dem Schnee­schippen zu beauftragen. Neben Putzen, Kochen und Babysitten gehört auch der Winter­dienst zu den Minijobs im Privathaushalt. Oft ist es finanziell sogar güns­tiger, Helfer anzu­melden, als sie schwarz zu beschäftigen (siehe Kasten unten). Die Anmeldung erfolgt per „Haus­halts­scheck­verfahren“.

Da der Schnee schippende Minijobber nur in der Winter­saison arbeitet, ist es sinn­voll, mit ihm einen befristeten Vertrag, etwa von November bis März, abzu­schließen, eine Abruf­bereitschaft sowie einen Stunden­lohn für die geleistete Arbeit zu vereinbaren. Denk­bar ist auch ein pauschaler Monats­lohn – schneit es dann doch nicht, bleibt als Trost der Steuer­vorteil.

Minijobber dürfen bis 450 Euro im Monat verdienen. Den tatsäch­lich gezahlten Lohn meldet der Auftrag­geber halb­jähr­lich an die Minijob-Zentrale. Diese zieht per Last­schrift Lohn­steuer und Sozial­abgaben ein – seit Januar 2018 insgesamt 14,74 Prozent – und schickt eine Bescheinigung fürs Finanz­amt. Die Summe aus Lohn und Abgaben gehört als „Aufwendungen für Minijobs“ in Zeile 71 des Mantelbogens.

Das Finanz­amt zieht 20 Prozent dieser Summe von der zu zahlenden Steuer ab – maximal jedoch 510 Euro. Dieser Höchst­betrag gilt auch dann, wenn das Arbeits­verhältnis – wie beim Winter­dienst – nur einen Teil des Jahres bestanden hat.

Tipp: Per Haus­halts­scheck­verfahren angemeldete Minijobber dürfen Sie auch in bar bezahlen. Die Bescheinigung der Minijob-Zentrale reicht als Zahlungs­nach­weis aus.

So melden Sie einen Minijobber an

Formular runter­laden. Wollen Sie eine Haus­halts­hilfe bei der Minijob-Zentrale anmelden, laden Sie sich unter minijob-zentrale.de das Formular „Haus­halts­scheck“ herunter, drucken es aus und kreuzen das Feld „Erst­anmeldung“ an. Tragen Sie Ihre persönlichen Angaben und Ihre Steuer­nummer sowie Name, Anschrift und Sozial­versicherungs­nummer des Minijobbers ein. Besitzt er noch keine Nummer, tragen Sie auch Geschlecht, Geburts­datum, -ort und -name ein. Hat der Minijobber mehrere Arbeits­plätze, kreuzen Sie das entsprechende Feld an. Die Dauer der Beschäftigung können Sie von vorn­herein begrenzen.

Verdienst angeben. Auf dem Haus­halts­scheck werden Angaben zur Höhe des monatlichen Lohns abge­fragt. Möglich ist jede Zahl bis 450 Euro. Auch wechselnde Arbeits­entgelte – wie bei Winter­dienst­einsätzen üblich – sind zulässig. Bei der Anmeldung reicht es, den Verdienst im ersten Monat anzu­geben. Was Sie dem Minijobber danach monatlich zahlen, melden Sie auf einem „Halb­jahres­scheck“ nach. Der ist jeweils bis 15. Juli beziehungs­weise 15. Januar einzureichen.

Steuern und Abgaben. Haben Sie das Feld „Pausch­steuer“ auf dem Haus­halts­scheck mit „Ja“ ange­kreuzt, werden auf den Lohn 2 Prozent Lohn­steuer fällig, die Sie tragen müssen. Um mehr netto zu haben, verzichten viele Minijobber darauf, 13,7 Prozent ihres Lohns an die Renten­versicherung zu zahlen. In diesem Fall wird Ihnen ein Arbeit­geber­anteil von 5 Prozent berechnet. Inklusive Beiträge zu Kranken- und Unfall­versicherung sowie Umlagen für Lohn­fortzahlung und Mutter­schutz haben Sie insgesamt 14,74 Prozent zusätzlich zu tragen.

Beispiel. Sie zahlen Ihrem Minijobber für den Winter­dienst zwischen Januar und März sowie für November und Dezember pro Monat 180 Euro, insgesamt 900 Euro. Pro Monat kämen 26,53 Euro (14,74 Prozent 2018) an Abgaben hinzu – für fünf Monate 132,65 Euro. In die Steuererklärung tragen Sie „Winter­dienst“ und Ihre Gesamt­ausgaben ein, also 1 032,65 Euro. Das Finanz­amt zieht 20 Prozent von Ihrer Steuerschuld ab: 206,53 Euro. Sie zahlen also tatsäch­lich 826,12 Euro und machen unterm Strich 73,88 Euro im Vergleich zur Schwarz­arbeit gut. Bei einem anderen Verdienst zahlen Sie eventuell etwas drauf, doch dafür ist der Minijobber über die gesetzliche Unfall­versicherung geschützt.

Fall 3: Eigentümer­gemeinschaft beauftragt Firma oder Minijobber

Auch Eigentümer inner­halb eines Mehr­parteien­hauses oder einer Wohn­anlage können mehr­heitlich beschließen, einen Dienst­leister mit dem Winter­dienst zu beauftragen. Umge­kehrt kann jedoch ein einzelnes Mitglied nicht durch einen Mehr­heits­beschluss gezwungen werden, den Winter­dienst turnus­mäßig selbst zu erledigen (Bundes­gerichts­hof, Az. V ZR 161/11). Die Entscheidung dafür muss einstimmig fallen.

Die Kosten für einen Dienst­leister werden unter den Eigentümern aufgeteilt – meist nach Größe ihres Anteils am gemeinschaftlichen Eigentum. Als Nach­weis fürs Finanz­amt dient entweder die Jahres­abrechnung oder eine Bescheinigung des Verwalters. Aufpassen: Beauftragt die Eigentümer­gemeinschaft einen Minijobber, lässt die Minijob-Zentrale das Haus­halts­scheck­verfahren nicht zu, da er in dem Fall nicht für einen Privathaushalt tätig ist. Die Eigentümer­gemeinschaft muss dann die insgesamt deutlich höheren Abgaben für gewerb­liche 450-Euro-Minijobber zahlen: Lohn­steuer, Kranken-, Renten- und Unfall­versicherung. Das Bundes­verfassungs­gericht hat diese Praxis in einem Urteil in letzter Instanz abge­segnet (Az. 1 BvR 138/13).

Tipp: Als Mitglied einer Eigentümer­gemeinschaft können Sie Ihren Anteil an den Ausgaben für Minijobber als haus­halts­nahe Dienst­leistungen absetzen.

Fall 4: Mieter zahlt mit Neben­kosten einen Abschlag für Winter­dienst

Viel einfacher ist die Sache für die meisten Mieter: Ihr Vermieter oder die Haus­verwaltung beauftragt ohne ihr Zutun einen Dienst­leister mit dem Schnee­schippen und Streuen und legt die Kosten auf die Mieter um. Mit ihrer monatlichen Voraus­zahlung auf die Betriebs­kosten zahlen die Mieter dann auch für den Winter­dienst. Ob zu viel oder zu wenig – das zeigt sich erst mit der Jahres­abrechnung der Neben­kosten. Sie liegt im Folge­jahr im Brief­kasten. Damit das Finanz­amt den Steuer­abzug für haus­halts­nahe Dienst­leistungen gewährt, muss aus der Neben­kosten­abrechnung jedes Mieters hervorgehen, wie viel er zum Beispiel für Winter­dienst, Haus­reinigung und Garten­pflege gezahlt hat. Noch einfacher ist es, wenn die Ausgaben auf einem Extrablatt bescheinigt werden. Der Mieter trägt dann lediglich die Summe in seine Steuererklärung ein.

Tipp: Lässt Ihre Neben­kosten­abrechnung bis nach Abgabe der Steuererklärung auf sich warten, können Sie die Vorjahres­werte eintragen. Oder Sie reichen dem Finanz­amt die aktuellen Werte nach und lassen Ihren Steuer­bescheid ändern. Das ist laut Finanzge­richt Köln sogar möglich, wenn er bereits rechts­kräftig war (Az. 11 K 1319/16).

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