Winkelschleifer von Aldi Schnelltest

Für nicht mal 12 Euro bietet Aldi-Nord seit Mittwoch einen Winkelschleifer mit gut 1 000 Watt Nennleistung an. Im test-Labor zeigte das Gerät eine gemessen am Preis starke Leistung. Doch bei der Prüfung im Chemielabor fiel das Gerät durch. Gleich fünf krebserzeugende Substanzen fanden die test-Spezialisten in der Kabelführung. Im Gehäuse und Griff steckten weitere Chemikalien, die zu Hautreizungen führen können und unter dem Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. test.de rät: Finger weg vom Winkelschleifer aus dem Aldi-Angebot.

[Update: 05.07.2005] Inzwischen hat Aldi-Nord die Winkelschleifer aus dem Verkauf genommen. Wer einen gekauft hat, erhält das Geld auch jenseits der vierwöchigen Umtauschfrist zurück.

Mechanik ohne Fehl und Tadel

Bis vor wenigen Wochen hätte der Winkelschleifer im Schnelltest wahrscheinlich als Schnäppchen abgeschlossen. Die Maschine entspricht allen Sicherheitsnormen und arbeitet zügig und konstant. Der Motor ist kräftiger als bei vielen anderen Winkelschleifern vergleichbarer Größe. Auch in der Dauerprüfung hält er locker durch.

Chemie mit Krebsgefahr

Vor zwei Wochen fand das test-Labor in den Kunststoffgriffen eines bei Aldi-Nord angebotenen Hammer-Sets hohe Konzentrationen Polyzyklischer Aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK). Anlass für die Untersuchung: Die Griffe rochen intensiv nach Chemie. Tatsächlich fand das Labor krebserzeugende Substanzen. Nach dem alarmierenden Ergebnis musste auch der Winkelschleifer aus dem Aldi-Angebot ins Chemielabor. Wiederum fanden die Wissenschaftler dort einen Cocktail aus verschiedenen gefährlichen Chemikalien. Die Stiftung Warentest wird in Zukunft Produkte mit PAK-verdächtigen Kunststoffen regelmäßig auch im Chemie-Labor überprüfen.

Hautreizungen möglich

Die Kabelführung enthält fast zwei Promille PAKs. Rund 1 850 Milligramm der Chemikalie enthält ein Kilo des Gummis, aus dem die Schutzhülle für das Stromkabel hergestellt ist. 142 Milligramm je Kilogramm entfallen auf Benzo[a]pyren. Diese Chemikalie ist krebserzeugend, fruchtschädigend, erbgutverändernd und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit. Im Griff und im Gehäuse wies das Labor außerdem Naphthalin nach. Auch diese Chemikalie steht unter dem Verdacht, Krebs zu erzeugen. Nachgewiesen ist es ist allerdings nur bei Tieren. Fest steht allerdings: Menschen nehmen Naphthalin bei Kontakt über die Haut auf. Die Substanz kann Reizungen hervorrufen.

Keine Grenzwerte

Grenzwerte für die Chemikalien gibt es - noch jedenfalls - nicht. Verboten ist ihr Einsatz nur in bestimmten Produkten wie etwa Holzschutzanstrichen. Das besonders gefährliche Benzo[a]pyren ist zuweilen auch in Parkettklebern zu finden. Sie würden bei einer Konzentration, wie sie das test-Labor in der Kabelführung am Aldi-Winkelschleifer nachwies, als belastet gelten. Unklar ist, wie und warum diese Chemikalien in die Kunststoffteile am Aldi-Winkelschleifer geraten sind. Auch ohne solche Substanzen lässt sich ohne weiteres Kunststoff mit den gewünschten Eigenschaften herstellen.

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