Wingame Meldung

Das ist dreist: Das „Wingame-Team“ gratuliert in einer unbekannten Anzahl Schreiben Verbrauchern zur Entscheidung für den „exklusiven Eintragungsdienst in 200 Gewinnspiele pro Monat“. Die Schreiben enthalten persönliche Daten inklusive Bankverbindung. Der „Servicebeitrag“ von 49 Euro monatlich wird vom Konto abgebucht. test.de sagt, wie Sie sich gegen unseriöse Forderungen wehren.

Angebliche Telefonbestellung

Susanne G. staunte nicht schlecht: „Vielen Dank für das freundliche Telefonat!“, beginnt das Wingame-Schreiben. Sie versichert: Weder sie noch ihre Kinder haben mit Wingame telefoniert. Dennoch enthält das Schreiben zur Bestätigung des angeblichen Vertragsschlusses sämtliche persönliche Daten und sogar Susanne G.s Kontonummer und Bankleitzahl. Das Unternehmen kündigt an, 49 Euro monatlich abzubuchen. Inzwischen hat Wingame die erste Lastschrift über 49 Euro tatsächlich eingereicht. Gegenleistung: die „automatische Teilnahme an 200 Gewinnspielen monatlich“ inklusive „450 Euro Gewinngarantie innerhalb von sechs Monaten“, „Geld zurück-Garantie“ und einem „Reisegutschein im Wert von 100 Euro“. Kundennummer, Benutzername und Passwort fürs Login im Internet werden gleich mitgeliefert. Dafür findet sich ein Hinweis aufs Widerrufsrecht und die vollständige Bezeichnung des Anbieters erst im Kleingedruckten auf der Rückseite des Schreibens. „Wingame ist eine Dienstleitung von CCT Iletisim Organizasyon ltd. sti., (...) Istanbul“, heißt es dort

Bankeinzug stornieren

Ärgerlich für Betroffene: Wer den Service nicht bestellt hat, muss spätestens aktiv werden, wenn Wingame wie bei Susanne G. tatsächlich Gebühren vom Konto abbucht, und den Lastschrifteinzug bei seiner Bank stornieren lassen. Das geht mindestens 6 Wochen ab Buchung und oft auch noch sehr viel länger. Die Stornogebühren muss derjenige zahlen, der die Lastschrift veranlasst hat. Bei den meisten anderen Abzockereien reicht es aus, nichts zu unternehmen. Wenn ein Unternehmen ohne Möglichkeit zum Lastschrifteinzug Geld will, muss es vor Gericht ziehen. Davor schrecken unseriöse Geschäftemacher in der Regel zurück. Erst wenn trotzdem Post vom Gericht kommen sollte, ist eine Reaktion nötig. Bis dahin gilt: Wer überhaupt nicht reagiert, macht nichts falsch und spart Zeit und Nerven ohne eine Risiko einzugehen.

Keine Pflicht zum Widerruf

Wer die Wingame-Abbuchung von vorneherein verhindern will, sollte per E-Mail oder Brief an das Unternehmen schreiben. Textempfehlung: „Ich habe entgegen Ihrer Behauptung nicht mit jemandem aus dem Wingame-Team telefoniert und erst recht keinen Vertrag mit Ihnen abgeschlossen. Hilfsweise widerrufe ich etwaige Willenserklärungen, erkläre ggf. die Anfechtung und schließlich für alle Fälle noch die Kündigung zum nächstmöglichen Termin. Unterlassen Sie die angekündigten Abbuchungen von meinem Konto. Ich werde etwaige Abbuchungen ohne weitere Ankündigung zu Ihren Lasten stornieren lassen.“ Bitten Sie um Eingangsbestätigung und kündigen Sie an, das Schreiben per Einschreiben mit Rückschein zu schicken, falls die Bestätigung Sie nicht bis zu einem bestimmten Tag nach Ablauf einer angemessenen Frist von etwa drei Wochen ab Versand erreicht.

Kontoauszüge unter Kontrolle

Vor allem Menschen, die ihre Kontonummer oder Kreditkartendaten öfter zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen einsetzen, sollten ihre Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnung sorgfältig kontrollieren. Inzwischen sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Daten bis hin zur Bankverbindung in falsche Hände gelangt sind. Solche Fälle werden in Zukunft sicher nicht seltener. Tauchen Abbuchungen auf, die der Konto- oder Kreditkarteninhaber nicht veranlasst hat, kann und sollte er sie sobald wie möglich stornieren lassen. Das geht sowohl bei Banken als auch bei Kreditkartenunternehmen ohne jede Begründung. Allerdings: Sollte sich herausstellen, dass die Buchung doch legitim war, muss sich der Kontoinhaber auf Schadenersatzforderungen einstellen. Beim Storno berechtigter Abbuchungen muss der Kontoinhaber die Gebühren zahlen und läuft noch dazu Gefahr, dass Bank oder Kreditkartenunternehmen ihm kündigen.

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