Windenergiebeteiligungen Meldung

Mit Windkraftfonds kann man viel Geld verdienen ­ vor allem die Betreiber. Anleger sollten sich gründlich informieren, damit ihr Kapital nicht vom Winde verweht wird.

Ob er Aktien habe, wurde im Sommer dieses Jahres Jürgen Trittin gefragt. Derzeit nicht, sagte der Bundesumweltminister. Wer Geld anlegen wolle, für den habe er einen anderen Tipp: Fonds mit erneuerbaren Energien. Der Grüne denkt vor allem an einen ganz bestimmten Energieträger. "Windenergie ist eine ausgereifte Technologie, und die Papiere haben sichere Renditen."

Bei so viel Werbung ist es nicht verwunderlich, dass Beteiligungen an Windparks derzeit weggehen wie warme Semmeln, zum Beispiel Beteiligungen am neuen Windpark im nordrhein-westfälischen Viersen: "In nur einer Woche konnten wir den Eigenkapitalanteil in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro voll platzieren", sagt Tim Warnke, Leiter der Abteilung Finance beim Initiator des Projekts, der Umweltkontor Renewable Energy. Anleger haben also für 1,6 Millionen Euro Beteiligungen gekauft.

Nicht viel länger brauchte die Windwärts Energie GmbH aus Hannover, um das Kommanditkapital von rund 3,3 Millionen Euro für 13 geplante Windturbinen im niedersächsischen Bassum einzusammeln. "Wir haben noch mehrere Leute auf der Warteliste, wenn jemand abspringen sollte", erzählt Projektleiterin Monika Richter.

Damit setzt sich der Run auf die geschlossenen Windparkfonds fort. Vor allem in den Herbstmonaten, wenn viele Bundesbürger nach Steuervorteilen für ihr Geld suchen, rechnen Branchenkenner mit einer neuen Beteiligungsrallye.

Denn Beteiligte können die Anfangsinvestitionen der Windparks steuerlich als Verluste in den ersten ein bis drei Jahren in ihrer Steuererklärung geltend machen. Besonders wer in diesen Jahren eine hohe Abfindung kassiert oder sein Einkommen zum Beispiel unter die kritische Einkommensgrenze für die Eigenheimzulagen drücken will, kann dadurch Vorteile haben.

Rückenwind durch Gesetzgebung

Windenergiebeteiligungen Meldung

Die Fondsanbieter tun alles, um bei der derzeitigen Börsenflaute die Windkraft als handfeste Alternative zu verkaufen. Werbesprüche wie "Windkraft ­ so attraktiv wie nie" oder "ein aktiver Beitrag zum Klima- und Umweltschutz" pflastern nicht nur die Fachpresse, sondern sind auch zunehmend in Publikumsmedien. Nicht selten werden jährliche Ausschüttungen von über 20 Prozent in Aussicht gestellt.

An dem Windboom sind Jürgen Trittin und die rot-grüne Koalition nicht ganz schuldlos. Im vergangenen Frühjahr trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft, das die Förderung für die Ökoenergien auf eine neue Basis stellte. In den Jahren zuvor waren die Erlöse von Windmüllern oder Biogasbauern an das allgemeine Strompreisniveau gekoppelt. Der Strompreisverfall nach der 1998 einsetzenden Liberalisierung stellte die Wirtschaftlichkeit vieler Ökokraftwerke infrage. Das ließ Investoren vor der Beteiligung an neuen Solar-, Wasser- oder Windkraftwerken zurückschrecken. Der politisch gewünschte Ausbau der Alternativenergien drohte zu stagnieren.

Mit dem EEG legten die Regierungsfraktionen deshalb feste, über 20 Jahre leicht fallende Preise für den Ökostrom fest. Den Strom muss jeder Netzbetreiber, abhängig vom Standort, abnehmen und mit bis zu 17,8 Pfennig je Kilowattstunde vergüten ­ beste Voraussetzungen für gesicherte Einnahmen.

Kein Wunder, dass die Zahl der Photovoltaik- und Biogasanlagen deutlich gestiegen ist. Am stärksten profitierte die Windkraft von dem neuen Gesetz. So gingen bereits im vergangenen Jahr 1.600 Turbinen mit einer Leistung von rund 1.667 Megawatt neu ans Netz ­ ein Rekordwert.

Branche im Aufwind

Und ein neues Wind-Hoch ist schon in Sicht: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres nahmen 637 neue Anlagen mit einer Leistung von 821 Megawatt den Betrieb auf. Damit drehen sich bundesweit über 10.000 Windturbinen.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) rechnet, dass bis zum Jahreswechsel bundesweit erstmals mehr als 2.000 Megawatt Windkraftleistung neu installiert sein werden. Damit wäre zwischen deutsch-dänischer Grenze und Alpenvorland ein Windpark mit über 8.000 Megawatt Gesamtleistung entstanden. Das entspricht der Kapazität von vier modernen Atomkraftwerken.

BWE-Präsident Peter Ahmels sieht die Entwicklung dennoch mit gemischten Gefühlen: "Klar freue ich mich über den Aufschwung der Windbranche, gleichzeitig registrieren wir immer mehr schwarze Schafe bei den Anbietern von Windkraftfonds, die das positive Image der Windenergie gnadenlos ausnutzen und es mit unseriösen Versprechen kaputtmachen." Gutgläubige Anleger liefen Gefahr, mit leeren Händen dazustehen.

Windige Geschäftsmodelle

Die Negativbeispiele häufen sich: Im oberpfälzischen Windischeschenbach wurden Ende August zwei Windkraftwerke nach rund zweieinhalbjährigem Betrieb abgebaut. Der Grund: Der Wind blieb um bis zu 60 Prozent hinter den Prognosen zurück. Den "Super-Gau" für die 30 Kommanditisten des Windkraftfonds der betroffenen Aufwind Windenergie GmbH meint Geschäftsführer Bernhard Gubo aber verhindert zu haben: "Alle bekommen einen nennenswerten Anteil ihrer Einlagen zurück."

Ob Klaus Hagebusch seine "mehreren Zehntausend Mark", die er in drei Windparks investiert hat, jemals wiedersehen wird, ist hingegen offen. Der Berliner Architekt und Spezialist für ökologisches Bauen ist erschrocken über den "technischen Dilettantismus und die Kaltschnäuzigkeit, mit der sich manche Fondsanbieter zu ihrem eigenen Vorteil bedienen".

Hagebusch hat schlechte Erfahrungen mit der Frankfurter Ökologik Ecovest AG gemacht. Der von ihr aufgelegte Energiewende-Fonds III im thüringischen Geisleden mit sieben Frisia-Turbinen hat bislang noch keine Gewinne erwirtschaftet. Ganz im Gegenteil: Der frühere Geschäftsführer "lieh" sich Geld des Fonds für andere Projekte seiner Aktiengesellschaft. Kommanditist Hagebusch: "Da ist Stoff genug für den Staatsanwalt."

Frustriert hat den Windkraft-Fan auch "die personelle Verquickung zwischen Fondsgesellschaft, Betreiber und dem Anlagenhersteller". In Geisleden etwa rankte sich dieses Geflecht um Rainer Bökmann. Der frühere Geschäftsführer der Frisia Windkraftanlagen Produktion GmbH, dessen Anlagen in Geisleden aufgestellt wurden, stand nicht nur dem Aufsichtsrat der Ökologik Ecovest AG vor, sondern hatte auch die Betreibergesellschaft, die Enersys GmbH, gegründet. Klaus Hagebusch: "Eine effektive Kontrolle des Windparks fand so nie statt."

Doppeltes Pech hatten er und die anderen Geisleden-Investoren, als noch massive Schäden in den Frisia-Maschinenhäusern hinzukamen. Die Konstruktion der Maschinenrahmen, die alle wesentlichen Komponenten tragen müssen, ist so schwach ausgelegt, dass sie komplett ausgetauscht werden müssen. Deshalb steht der Windpark seit Anfang April still ­ die Beseitigung der Mängel lässt seitdem auf sich warten.

Auch die Erfahrungen von Thomas Hansch mit seinen Windpark-Beteiligungen sind nicht gerade ermutigend. Mitte der neunziger Jahre hatte sich der IT-Consultant an einem halben Dutzend Projekten beteiligt. Schlechtestes Erlebnis: Die Bremer Energiekontor AG bot im nordniedersächsischen Nordleda Beteiligungen an einem Windpark an (Fondsname: Energiekontor Windkraft GmbH & Co. WP NL KG), verschwieg aber, dass die Maschinen inmitten eines bestehenden Windparks mit mehr als 40 Propellern stehen.

Die unvermeidlichen Abschattungseffekte gehen zulasten der Winderträge: "Hätte ich das gewusst, wäre ich der Gesellschaft nicht beigetreten. Die Winderträge liegen weit unter den Prognosen, und die Rendite wird bestenfalls Sparbuchniveau erreichen." Energiekontor hat, so Hansch, den Fauxpas eingeräumt ­ allerdings nach Verjährung der Prospekthaftung. Der Anbieter haftet längstens drei Jahre für alle Angaben, die er gemacht hat, beispielsweise zu den Investitionskosten in den Windpark. Werden sie um 30 bis 40 Prozent überschritten ­ mit entsprechend negativen Folgen für die Ausschüttungen ­, können die Anleger ihr Geld zurückfordern.

Hansch ärgert es zunehmend, dass die Planungsbüros ihre Windparks zu möglichst hohen Preisen an Betreibergesellschaften verkaufen. Angesichts dieser Margenmaximierung fällt die Rendite der Anleger immer geringer aus.

Nicht nur Hansch mahnt zur Vorsicht, da viele Prospekte viel zu niedrige Wartungs- und Instandhaltungskosten aufweisen. Eine 20-jährige Lebensdauer versprechen die Hersteller, doch die vorliegenden Erfahrungen stimmen skeptisch. Der Erhaltungsaufwand für extrem belastete Teile wie Blätter, Getriebe oder Lager ist nämlich sehr hoch. Das geht zulasten der Renditen. Auch der Bundesverband Windenergie spricht davon, "dass sich manche Fondsinitiatoren mit zu niedrig angesetztem Wartungs- und Reparaturaufwand ihre Projekte schönrechnen."

Der BWE kann auf ein Gutachten des Deutschen Windenergie-Instituts DENI in Wilhelmshaven verweisen. Demnach summieren sich die Kosten, die im Laufe der Jahre für Wartung und Instandhaltung anfallen, noch mal auf fast 60 Prozent des ursprünglichen Anlagenpreises. "Das gehört für uns zu seriösen Ertrags- und Kostenprognosen, da sich mit Steuervorteilen allein eine Windpark-Beteiligung nie rechnet", betont BWE-Präsident Ahmels, der selbst auf seinem Hof in Friesland zwei kleinere Anlagen betreibt.

Ob ein Fondsanbieter seriös arbeitet, lässt sich an einer Leistungsbilanz früherer Projekte ablesen. Deshalb rät Peter Ahmels: "Fragen Sie gezielt danach, ob die Prognosen bei älteren Parks auch realisiert worden sind." Das kostet aber Zeit und Mühe. "Wenn Projekte innerhalb kürzester Zeit ausgebucht sind, haben sich nur die wenigsten Anleger vernünftig informiert", wundert sich Ahmels über die Naivität vieler Geldgeber. Schließlich gingen die Kommanditisten eine 20-jährige Windehe ein.

Der BWE sieht seine jüngst veröffentlichte Broschüre "Mit einer grünen Anlage schwarze Zahlen schreiben" als Beitrag zum Anlegerschutz. Das mag für einen Interessenverband der Windkraft auf den ersten Blick überraschen. "Wir haben kein Interesse daran, dass Ökoidealisten ihr Geld verlieren", betont Präsident Ahmels. Lieber ein Windpark weniger als Negativschlagzeilen, die der Windkraft schaden, lautet das Motto.

Windkraft für die Börse

Vorsichtig taxieren die BWE-Experten die Renditen bei Windpark-Beteiligungen zwischen 5 und 10 Prozent. Wem diese Verzinsung seiner Einlage nicht ausreicht, der kann sein Geld mittlerweile in mehrere börsennotierte Windkraftanbieter investieren und auf höhere Renditen spekulieren.

An der Börse sind Firmen wie Umweltkontor (Wertpapierkennnummer: 760810), Plambeck (WKN: 691032), Energiekontor (WKN: 531350), P&T Technology (WKN: 685280) oder Windwelt (WKN: 635253). Bei ihnen handelt es sich durchweg um Planungs- und Betreibergesellschaften von Windparks. Mit den beiden dänischen Unternehmen Vestas Wind (WKN: 913769) und NEG Micon (WKN: 897922) sowie dem deutsch-dänischen Hersteller Nordex (WKN: 587357) gibt es aber auch Papiere klassischer Windschmieden zu kaufen.

Die Tendenz der Windaktien ist uneinheitlich: Profitierten im vergangenen Jahr viele dieser Unternehmen von den Ölpreissteigerungen, so bröckelten die Kurse seitdem wieder ab. Bei P&T und Windwelt liegen die Notierungen unter dem Ausgabekurs. Weltmarktführer Vestas konnte dagegen sein Kursniveau zunächst bis zur Jahresmitte vergleichsweise stabil halten.

Mit hohen Kursschwankungen müssen Ökoinvestoren aber allemal leben. Oft sind die Tagesumsätze der gehandelten Aktien sehr gering. Außerdem spüren auch Windfirmen die flaue Börsenkonjunktur. Und das, obwohl eine Firma wie Plambeck durchaus eine ordentliche Halbjahresbilanz vorgelegt hat. "Beteiligungen in die Windkraft sind grundsätzlich mit einem unternehmerisches Risiko verbunden", gibt BWE-Präsident Ahmels zu bedenken. Wichtig sei, sich umfassend zu informieren, um das Risiko zu mindern.

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