Volumen-Mascaras versprechen einen besonders eindrucksvollen Augenaufschlag. Die Erfahrungen unserer Testerinnen machen allerdings skeptisch.

Schöner, länger, dichter, schwungvoller – wenn es um ihre Wimpern geht, können Frauen nicht genug bekommen. Viele würden nicht einmal vor die Tür gehen, ohne die 90 bis 180 Härchen am Oberlid und die etwa 80 am Unterlid mit Wimperntusche auf Vordermann gebracht zu haben. Schließlich wirkt der getuschte Blick gleich ausdrucksstärker, tiefgründiger und aufregender – verspricht jedenfalls die Werbung. Doch in der Praxis klappt es mit den Superwimpern nicht immer. Wer hat sich noch nie über tuscheverschmierte Bürstchen geärgert, über Trauerränder, Klümpchen und verklebte Wimpern? Manchmal trocknet die Tusche zu langsam oder zu schnell, deckt nicht genug oder lässt sich nur schwer entfernen. Auf der Suche nach der optimalen Wimperntusche hat schon manche Frau viel Geld ausgegeben.

Auch wir haben die ideale Mascara in unserem Test nicht gefunden. Doch immerhin konnten wir überwiegend „gute“ und „befriedigende“ Qualitätsurteile vergeben. Nur die Tuschen von Aldi und von Rossmann waren „ausreichend“. Sie konnten in der mikrobiologischen Prüfung nicht überzeugen.

Eine gute Wimperntusche muss auch kein Vermögen kosten. Die beste im Test, Nivea Beauté Max Volume Waterproof, kostet nur 8,50 Euro (8 Milliliter). Wer auf Luxusmarken nicht verzichten möchte, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Für die „gute“ Mascara von Dior (nur 6,2 Milliliter Inhalt) sind immerhin etwa 23,50 Euro zu bezahlen.

Beim Kauf einer Wimperntusche spielen Erfahrung und Geschmack eine große Rolle. So kommen manche Frauen mit geraden Bürstchen besser zurecht, andere schwören auf geschwungene. Manche mögen eher kleine dicke, andere große schlanke Hülsen. Mehr Einigkeit herrscht hingegen bei der Farbwahl: Obwohl es Wimperntusche in allen Regenbogenfarben gibt, der Favorit heißt: Schwarz.

Vorzugsweise schwarz

So haben auch wir für unseren Test diese Farbe gewählt und 16 Mascaras – wasserfeste und nicht wasserfeste – unter die Lupe genommen. Allen gemeinsam: Sie versprechen mehr Volumen für die Wimpern.

Darauf freuten sich auch unsere 450 Probandinnen, je 30 pro Mascara, die sich eine Woche lang für uns die Wimpern tuschten und ihre Erfahrungen in ausführlichen Fragebögen festhielten. Sie sollten während der Prüfzeit ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen, also keinesfalls nur mit den Wimpern klimpern. Zusätzlich wurden die Tuschergebnisse von Profitestern begutachtet.

Auch wenn die Mascaras im test-Qualitätsurteil recht nahe beieinander liegen, zeigten sich doch deutliche Unterschiede im Detail. Sie bestätigen die Erkenntnis von Experten: Die Qualität einer Wimperntusche ergibt sich nicht allein aus der Rezeptur der Mascara, sondern aus dem Zusammenspiel von Rezeptur, Bürstchen, Hülse und Abstreifer. Das zeigte sich besonders an der Manhattan-Tusche. Sie erntete schon beim Auftragen Kritik. Vielen war sie zu dünnflüssig, das Bürstchen zu klein, sodass lange getuscht werden musste, um zu einem akzeptablen Ergebnis zu kommen. Dementsprechend wurde auch die Deckkraft als nicht überzeugend eingestuft. So reichte es auch im Gruppenurteil „Aussehen“ nur zu einem „Befriedigend“. Doch die Konkurrenten waren nicht viel besser. Ein „gutes“ Aussehen konnte nur den mit der Mascara von Nivea getuschten Wimpern bescheinigt werden. Für Deckkraft, Trennung der Wimpern (Verkleben) und Haltbarkeit erhielt diese wasserfeste Mascara jeweils die Bestnote.

Volumen oft nur „ausreichend“

Getuschte Wimpern sehen schon deshalb länger aus, weil Mascara die oft hellen Wimpernspitzen anfärbt und sie so sichtbar macht. Und Tusche auf den Wimpern vermittelt zwangsläufig auch einen etwas voluminöseren Eindruck. Doch von einer Mascara, die ausdrücklich mit Volumen wirbt, erwartet man mehr. Offensichtlich zu viel. Unsere Testerinnen waren jedenfalls enttäuscht über die erzielten mageren Effekte und urteilten im besten Fall mit „befriedigend“, oft aber auch mit „ausreichend“. Der zwar nicht extra ausgelobte, aber doch erhoffte neue Schwung für die Wimpern war ebenfalls eher kümmerlich: „Ausreichend“ – eine bessere Note ließen die Urteile der Testerinnen nicht zu.

Bei all diesen Urteilen aus den Anwendungsprüfungen ist zu bedenken, dass es sich um Durchschnittsnoten handelt, die wir aus den Bewertungen unserer jeweils 30 Testerinnen ermittelt haben. Für die Praxis heißt das: Hinter einem „befriedigenden“ Urteil verbergen sich neben „sehr guten“ und „guten“ in der Regel auch einige „mangelhafte“.

Doch die Tendenzen aus den Einzelbewertungen sind eindeutig: Nach Abschluss der Prüfungen hätten sich fast alle Testerinnen gern den Spitzenreiter, die wasserfeste Mascara von Nivea Beauté, gekauft. Bei der Wimperntusche von Manhattan, Schlusslicht im „Aussehen“, lehnten mehr als zwei Drittel der Probandinnen einen Kauf ab.

Wasserfest oder nicht?

Hierzulande werden überwiegend die nicht wasserfesten Wimperntuschen gekauft. Sie lassen sich abends leicht mit einer Reinigungsmilch und Wasser entfernen. Kontaktlinsenträgerinnen sollten in jedem Fall nicht wasserfeste Tuschen wählen. Denn falls beim Schminken doch einmal etwas daneben geht, lässt es sich von den Kontaktlinsen leichter entfernen als Reste eines wasserfesten Produkts.

Von diesen Mascaras, die sich nur mit speziellen Make-up-Entfernern oder Öl entfernen lassen, wird erwartet, dass sie auch bei Sport, Sauna oder einem rührseligen Film nicht „abrutschen“ und Trauerränder hinterlassen. Auf sehr fettiger Haut kommen sie jedoch an ihre Grenzen und können „ins Schwimmen“ geraten. Insgesamt hatten wir an der Wasserfestigkeit der entsprechend ausgelobten Wimperntuschen nichts auszusetzen.

Nicht immer genügend konserviert

Die Testerinnen vertrugen die Wimperntuschen meist problemlos. Nur ganz vereinzelt kam es zu schnell vorübergehenden Reaktionen, wie leichtem Augenbrennen oder Augenrötungen. Das kann im Einzelfall übrigens auch bei Produkten passieren, die mit Aufschriften wie „augenärztlich geprüft“ oder „geeignet für empfindliche Augen“ werben. Wenn es zu Irritationen kommt, werden meist die Konservierungsstoffe dafür verantwortlich gemacht. Doch die sind gerade bei Wimperntuschen unverzichtbar. Schließlich machen sie die Tusche haltbar und sollen verhindern, dass bei der Benutzung eingeschleppte krank machende (pathogene) Keime in Kontakt mit der empfindlichen Augenschleimhaut kommen und dort zu Entzündungen führen. Solche Keime fanden wir nach Gebrauch in den Tuschen von Aldi und Rossmann. Der daraufhin durchgeführte mikrobiologische Belastungstest ergab, dass diese beiden Produkte unzureichend vor Keimbefall geschützt waren. Deshalb das test-Qualitätsurteil „ausreichend“.

Bedauerlich, dass die Anbieter es Interessierten so schwer machen, sich über die Inhaltsstoffe zu informieren. Nur selten findet man die Auflistung in lesbarer Größe direkt am Produkt oder auf dem Umkarton. Manchmal weist ein Emblem darauf hin, dass die Deklaration an anderer Stelle im Verkaufsregal zu suchen ist. Die muss man dann nur noch finden.

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