Wimpernserum Wachs­tums­mittel mit Tücken

08.07.2019
Wimpernserum - Wachs­tums­mittel mit Tücken
Riskant. Wimpernbooster können dem Auge schaden. © shutterstock

Sie versprechen lange dichte Wimpern in wenigen Wochen: Seren, die, einmal täglich am Lid­rand aufgetragen, die Haare sprießen lassen sollen. Oft werden die „Booster“ online verkauft. Viele enthalten Prosta­glandin-Analoga – Stoffe, die medizi­nisch wirk­sam sind, aber auch zu Jucken und Bindehaut­entzündung führen können.

Hormon­wirk­same Stoffe

Der Effekt dieser hormon­wirk­samen Stoffe wurde zufäl­lig entdeckt – als nicht bezweckte Wirkung von Augen­tropfen zur Glaukom-Behand­lung. Von hundert Patienten würden sich bei einem bis zehn die Wimpern „dunkel färben“, „dichter und länger werden“, so unsere Arznei­experten.

Experten empfehlen Verbot

Die Kosmetik-Kommis­sion des Bundes­instituts für Risiko­bewertung (BfR) empfiehlt, Prosta­glandin-Analoga in Kosmetika zu verbieten – auch wegen möglicher Neben­wirkungen wie Jucken, Bindehaut­entzündung und verschleiertem Sehen. Ein zusätzliches Problem: Solche Hinweise sind bei Kosmetika nicht Pflicht.

Recht­liche Grauzone

Die kosmetische Nutzung der Prosta­glandin-Analoga ist auch recht­lich problematisch: Wirk­stoffe aus der Medizin sind in Kosmetika zwar nicht per se verboten, sie dürfen aber weder therapeutischen Nutzen noch medizi­nische Wirkungen haben, sonst gelten sie als Arznei­mittel mit Zulassungs­pflicht. In den USA wurde das Wimpernserum Latisse als Arznei einge­stuft – zur Behand­lung von Wimpern­wachs­tums­störungen. Die EU-Kosmetik­ver­ordnung regelt Prosta­glandin-Analoga bislang nicht gesondert. Die Schön­heits­mittel bewegen sich also in einer Grauzone.

Prosta­glandin-Analoga falsch deklariert

Die BfR-Kommis­sion stützt sich bei ihrer Empfehlung auf Unter­suchungs­ergeb­nisse des Chemischen und Veterinär­unter­suchungs­amts in Karls­ruhe. In 7 von 17 untersuchten online gekauften Wimpernseren fanden sich Prosta­glandin-Analoga, dreimal in arzneilich wirk­samer Konzentration. Bei knapp einem Drittel waren sie falsch oder nicht gekenn­zeichnet.

Tipp: Fehlen beim Kauf Details zu Inhalts­stoffen, lassen Sie erst Recht die Finger von dem Wimpernserum.

08.07.2019
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