Wildunfälle Meldung

Tierliebe steht bei den Versicherern nicht hoch im Kurs. Für Autofahrer kann sie deshalb ziemlich teuer werden.

Die Kaskoversicherung versichert Fahrzeuge und keine Tiere, tönt es immer wieder vonseiten der Versicherungsunternehmen. Sie verlangen: Draufhalten, wenn Hase, Fasan, Marder oder Fuchs plötzlich vor dem Wagen auf der winterlichen Landstraße auftauchen. Wer ausweicht und dabei einen Unfall baut, sieht trotz Kaskoversicherung kein Geld.

Zwar kommen Teil- und Vollkaskoversicherung generell für Wildschäden auf - aber eben nicht für alle. Der Schutz gilt für Schäden durch Haarwild. Deshalb scheiden der Fasan und anderes Federvieh von vornherein aus. Zum Haarwild gehört aber auch nicht jedes Tier mit Haaren, sondern nur wilde Tiere. Pferde, Kühe, Ziegen und Schafe sind damit auch schon einmal draußen - zumindest bei den meisten Versicherungsunternehmen.

Doch auch beim eigentlichen Haarwild - zum Beispiel Rehen, Wildschweinen, Luchsen, Füchsen, Dachsen, aber auch Seehunden und Fischottern - hängt es von der Größe des Tiers ab, ob ein Ausweichmanöver von der Versicherung gedeckt wird. Immer dann, wenn der Zusammenstoß mit dem Tier dem Fahrzeug nicht allzu viel anhaben kann, sollte der Autofahrer aus rein finanziellen Gründen den Tod des Tiers in Kauf nehmen, fordern die Versicherungsgesellschaften.

Es geht aber nicht allein ums Geld. Denn ein riskantes Ausweichmanöver kann sehr viel größere Opfer fordern, als einen toten Fuchs. Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rät allenfalls bei einem kapitalen Hirsch zum Ausweichversuch. Den Hasen überfährt man am besten ungebremst. Bei einem Wildschwein wiederum sollte man zwar bremsen, aber nicht auf die Gegenfahrbahn oder in den Graben ausweichen.

Beweise müssen her

Für die Schadensabwicklung unproblematisch sind nur die Wildunfälle, bei denen ein Zusammenprall zwischen Tier und Auto eindeutig erwiesen ist. Die Sache ist also klar, wenn das Wildschwein unbestreitbar die Motorhaube verbeult hat.

Weicht der Fahrer dem Keiler aber aus und landet er dabei im Straßengraben, wird es schwierig. Denn in diesem Fall wird der Versicherer erst einmal die Aussage des Fahrers anzweifeln, wenn nicht zumindest ein paar Wildschweinhaare am Nummernschild hängen geblieben sind. Auch Zeugenaussagen können helfen, vor allem wenn auch noch ein Forstamt bestätigt, dass ein Wildwechsel zum Zeitpunkt des Unfalls wahrscheinlich sei.

Autofahrer, die einem kleineren Tier wie Hase oder Fuchs ausweichen und dabei zu Schaden kommen, haben kaum eine Aussicht auf Erstattung. Hier helfen weder Beweise noch Zeugen. Der Fahrer verletzt nach Ansicht der Gerichte seine Sorgfaltspflicht in ungewöhnlich hohem Maße, wenn er das mit einer plötzlichen Richtungsänderung verbundene hohe Risiko in Kauf nimmt, um einem Tier das Leben zu retten (Oberlandesgericht Köln, Az. 9 U 204/97; OLG Köln, Az. 9 U 125/99; OLG Köln, Az. 9 U 112/95; OLG Hamm, Az. 20 U 121/97).

Anders sieht es für Motorradfahrer aus. Da diese viel schneller ins Rutschen geraten, hat das Oberlandesgericht Hamm (Az. 6 U 209/00) entschieden, dass ein Motorradfahrer, der in einer Kurve einem kleinen Tier auszuweichen versucht, nicht fahrlässig handelt.

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