Urteile: Für Tiere bremsen kann teuer werden

  • Zu klein. Nach einem Auffahr­unfall bekam die Fahrerin des vorderen Autos 25 Prozent vom Schaden­ersatz abge­zogen, weil sie für ein Eichhörn­chen gebremst hatte. Der Unfall wäre vermeid­bar gewesen, so das Amts­gericht München, „auch wenn dies eventuell zulasten des Eichhörn­chens gegangen wäre“ (Az. 331 C 16026/13).
  • Groß genug. Einen Biber sah das Amts­gericht Nördlingen als groß genug an. Die Teilkasko­versicherung musste zahlen, als jemand einem Biber auswich, der aus einem Mais­feld kam und über die Straße lief (Az. 5 C 29/05).
  • Rettung. Bei einem Ausweichmanöver ersetzt die Teilkasko­versicherung manchmal sogenannte Rettungs­kosten. Voraus­setzung: Der Fahrer ist ausgewichen, um größeren Schaden am Auto zu vermeiden. Diese Absicht müssen Auto­fahrer beweisen. Das Amts­gericht Lörrach glaubte einem Fahrer, dass er einem Reh ausweichen wollte und dabei sein Auto aufs Dach gelegt hat. Mitfahrende konnten es bezeugen (Az. 4 C 1368/13).
  • Grob fahr­lässig. Einem Fuchs auszuweichen, fand der Bundes­gerichts­hof grob fahr­lässig. Die Versicherung musste nicht zahlen. Das Risiko eines Ausweichmanö­vers sei höher als der mögliche Schaden bei einer Kollision (Az. IV ZR 276/02). Nach neuerem Recht wird bei grober Fahr­lässig­keit die Leistung nicht komplett gestrichen. Die Versicherung durfte die Zahlung aber um 60 Prozent kürzen, weil jemand einem Fuchs ausgewichen war (Land­gericht Trier, Az. 4 O 241/09).
  • Reflex. Anders bewerten es Gerichte, wenn Auto­fahrer im Schreck reflexhaft das Lenk­rad verreißen. Im Fall einer Fahrerin, die über­reagierte, als sich ein Reh dem Fahr­bahnrand näherte, musste die Versicherung deshalb zahlen (Land­gericht Limburg, Az. 2 O 137/09).
  • Falscher Hase. Ein Versicherer ließ die Haare des über­fahrenen Tieres per Gentest analysieren. Ergebnis: Es war kein Hase – der zum versicherten Haarwild gehört –, sondern ein Eichhörn­chen. Der Fahrer bleibt auf 7 000 Euro Schaden sitzen (Land­gericht Coburg, Az. 23 O 256/09).
  • Schaf statt Reh. Bei Unfällen mit Nutztieren zahlt die Teilkasko nicht. Für sie ist der Halter der Tiere verantwort­lich. Der Besitzer einer Schafherde, die nachts ausbrach und auf die Land­straße lief, muss 80 Prozent des Unfall­schadens ersetzen. Der Auto­fahrer hat 20 Prozent Mitschuld, weil er unaufmerk­sam fuhr, befand das Schleswig-Holsteinische Ober­landes­gericht (Az. 7 U 71/12).

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