Pilze und Strahlung

Wildpilze sammeln und zubereiten Special

Wildpilze können radio­aktiv belastet sein.

Auch 30 Jahre nach der Reaktor­katastrophe von Tschernobyl gibt es in Deutsch­land radio­aktiv belastete Pilze. Ursache: das radio­aktive Cäsium 137. Das ist besonders lang­lebig. Erst jetzt, nach 30 Jahren, ist es zur Hälfte zerfallen. Wie stark Pilze belastet sind, ist abhängig von Sorte und Stand­ort.

Höchste Belastung in Bayern

Bei land­wirt­schaftlichen Nutz­flächen spielt die radio­aktive Belastung kaum eine Rolle. Da Cäsium 137 in Wiesen- und Ackerböden fest gebunden wird, können es die Pflanzenwurzeln kaum aufnehmen. Wald­boden ist anders zusammengesetzt, er speichert Cäsium 137. Die unter­irdischen Pilz­pflanzen nehmen das Caesium 137 seit Jahren auf und reichern es in ihren Frucht­körpern an. Süddeutsch­land ist davon besonders betroffen, vor allem Südbayern und der Bayerische Wald. Diese Regionen wurden zehnmal höher kontaminiert als etwa der Norden Deutsch­lands. Ursache sind die lokal ausgiebigen Regenfälle nach der Reaktor­katastrophe im April 1986. Durch die lange Halb­wert­zeit von 30 Jahren nimmt der Cäsium-137-Gehalt bei Wildpilzen nur lang­sam ab.

Stark und gering belastete Pilzsorten

Das Bundesamt für Strahlenschutz untersucht die radio­aktive Belastung wild wachsender Pilze im Süden Deutsch­lands. Die Höhe der Caesium-137-Kontamination schwankt je nach Pilzart und Stand­ort erheblich. Bis 2011 maßen die Behörden noch bei mehreren Pilzarten Cäsium-137-Gehalte von mehr als 1 000 Becquerel (Bq) pro Kilogramm. Im Zeitraum 2012 bis 2014 war laut aktuellstem Bericht (Stand: 29.9.2015) lediglich eine Sorte namens Semmel­stoppelpilz mit mehr als 1 000 Becquerel pro Kilogramm belastet. Der Grenz­wert für Wildpilze, die im Supermarkt verkauft werden, liegt bei 600 Becquerel pro Kilogramm.

Mit Mess­werten unter 2 Becquerel je Kilogramm waren 2014 folgende Arten nur gering kontaminiert:

  • Blutender Wald­champignon
  • Braunschuppiger Riesen­champignon
  • Flaschen­stäubling
  • Schiefknol­liger Anisegerling
  • Fleisch­farbener Halli­masch
  • Milder Milchling
  • Riesen­schirmpilz
  • Riesen­porling
  • Küchen­schwindling
  • Schiefknol­liger Anisch­ampignon

Online können aktuelle Strahlen­mess­werte aus Bayern beim Bayerischen Landesamt für Umwelt abge­fragt werden.

In besonders belasteten Gebieten lieber aufs Sammeln verzichten

Laut Bundes­amt für Strahlen­schutz ist die zusätzliche Strahlenbelastung durch wild wachsende Speisepilze vergleichs­weise gering, wenn sie in üblichen Mengen verzehrt werden. Wer die Strahlen­exposition so gering wie möglich halten möchte, sollte jedoch in den höher belasteten Gebieten Deutsch­lands auf den Verzehr selbst gesammelter Pilze verzichten. Das unabhängige Umwelt­institut München rät Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern, Wildpilze vom Speiseplan zu streichen – neben der möglichen radio­aktiven Belastung auch aufgrund möglicher Belastung mit Schwer­metallen. Übrigens: Bei gezüchteten Pilzen wie etwa dem Austern­saitling besteht bezüglich Caesium-137 kein Grund zur Sorge. Wie der Zucht­champignon wird er auf speziellen Substraten in geschlossenen Räumen gezüchtet – solche Pilze sind laut Bundes­amt für Strahlen­schutz ähnlich nied­rig kontaminiert wie Lebens­mittel aus land­wirt­schaftlicher Produktion.

Kostenlose Messung

Das Umwelt­institut München e.V. untersucht Wildpilze, Beeren und Wild auf radio­aktive Belastung. Wer Klarheit sucht, kann dort seine Pilze prüfen lassen. Benötigt wird eine Mindest­menge von 250 Gramm und ein beigefügtes Probenblatt. Die Proben werden per Post einge­schickt oder zu den Öffnungs­zeiten abge­geben und das Ergebnis nach der Messung per E-Mail mitgeteilt. Die Unter­suchung ist kostenlos. Das Angebot gilt von August bis Oktober.

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