Pilze und Strahlung

Wildpilze sammeln und zubereiten Special

Wildpilze können radio­aktiv belastet sein.

Auch 32 Jahre nach der Reaktor­katastrophe von Tschernobyl gibt es in Deutsch­land noch radio­aktiv belastete Pilze. Ursache: das radio­aktive Cäsium 137. Das ist besonders lang­lebig. Jetzt ist es erst zur Hälfte zerfallen. Wie stark Pilze belastet sind, ist vor allem abhängig von Sorte und Stand­ort.

Höchste Belastung in Bayern

Nach der Reaktor­katastrophe von Tschernobyl im April 1986 spielte die radio­aktive Belastung auf land­wirt­schaftlichen Nutz­flächen kaum eine Rolle. Da Cäsium 137 in Wiesen- und Ackerböden fest gebunden wird, können es die Pflanzenwurzeln kaum aufnehmen. Wald­boden setzt sich anders zusammen, er speichert Cäsium 137. Die unter­irdischen Pilz­pflanzen nehmen es auf und reichern es in ihren Frucht­körpern an. Die Wald­böden in Süddeutsch­land, vor allem in Südbayern und im Bayerischen Wald, waren nach der Reaktor­katastrophe von Tschernobyl etwa zehnmal höher kontaminiert als etwa im Norden Deutsch­lands. Ursache waren die lokal ausgiebigen Regenfälle. Durch die lange Halb­wert­zeit von 30 Jahren nimmt der Cäsium-137-Gehalt bei betroffenen Wildpilzen nur lang­sam ab.

Stark und gering belastete Pilzsorten

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) untersucht seit Jahren die radio­aktive Belastung wild wachsender Pilze im Süden Deutsch­lands. Die Höhe der Caesium-137-Kontamination schwankt je nach Pilzart und Stand­ort erheblich. Von hohen Mess­werten sind vor allem Gegenden in Südbayern und dem Bayerischen Wald betroffen: „Trompetenpfifferlinge und Mohren­kopf­milchlinge aus dem Bayerischen Wald sowie Braunscheibiger und Orangefalber Schneck­linge oder Semmel­stoppelpilze aus dem Berchtesgadener Land können beispiels­weise noch bis zu einige tausend Becquerel pro Kilogramm Cs-137 in der Frisch­masse aufweisen“, schreibt das BfS nach seiner jüngsten Auswertung von 2017. Seit einigen Jahren bezieht die Behörde auch Stand­orte im südlichen Sachsen mit in die Prüfung ein. Online können aktuelle Strahlen­mess­werte aus Bayern auch beim Bayerischen Landesamt für Umwelt abge­fragt werden.

In besonders belasteten Gebieten lieber aufs Sammeln verzichten

Laut Bundes­amt für Strahlen­schutz ist die zusätzliche Strahlenbelastung durch wild wachsende Speisepilze vergleichs­weise gering, wenn sie in üblichen Mengen verzehrt werden. Wer die Strahlen­exposition so gering wie möglich halten möchte, sollte jedoch in den höher belasteten Gebieten Deutsch­lands auf den Verzehr selbst­gesammelter Pilze verzichten. Das unabhängige Umwelt­institut München rät Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern, Wildpilze vom Speiseplan zu streichen – nicht nur wegen der möglichen radio­aktiven Belastung, sondern auch aufgrund einer etwaigen Belastung mit Schwer­metallen. Übrigens: Bei gezüchteten Pilzen wie etwa dem Austern­seitling besteht bezüglich Caesium-137 kein Grund zur Sorge. Wie der Zucht­champignon wird er auf speziellen Substraten in geschlossenen Räumen gezüchtet – solche Pilze sind laut Bundes­amt für Strahlen­schutz ähnlich nied­rig kontaminiert wie Lebens­mittel aus land­wirt­schaftlicher Produktion. Einige Pilze, zum Beispiel Pfifferlinge, gibt es nicht aus der Zucht. Sie dürfen in Deutsch­land allerdings nicht in den Handel, wenn sie eine Strahlenbelastung von mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm aufweisen.

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