Wildpilze sammeln und zubereiten

Das größte Lebewesen der Welt

17.10.2019
Wildpilze sammeln und zubereiten - Tipps für den sicheren Genuss
Was wir als „Pilz“ bezeichnen, ist nur die Frucht. Das eigentliche Pilz­geflecht wächst unter der Erde. © Fotolia / E. Kumpf

Sie sind weder Pflanze noch Tier: Pilze sind Pilze – eine eigene Gruppe im Gefüge aller Lebewesen. Biologen sprechen von einem Reich. Noch vor 40 Jahren wurde der Pilz zu den Pflanzen gezählt. Heute gilt ein Pilz sogar als größtes Lebewesen der Welt: In Oregon (USA) gibt es einen Halli­masch so groß wie 1 200 Fußball­felder. Der größte Teil davon befindet sich aber unter der Erdoberfläche.

Inhalt

Pilze wachsen unter­irdisch

Das, was wir als Pilz essen, ist nur seine Frucht. Der Pilz selbst wächst unter der Erde. Er besteht aus einem Geflecht feiner wurzelähnlicher Fäden, dem Myzel. Das Pilz­geflecht breitet sich oft über mehrere Quadrat­meter aus. Einige Arten werden über 100 Jahre alt. Das Myzel ernährt sich von abge­storbenen organischen Substanzen: Laub, Nadel­streu, Holz und Tierkada­vern. Damit erfüllen Pilze eine wichtige Funk­tion. Sie recyceln das organische Material für den Kreis­lauf der Natur.

Der Riesen­pilz von Oregon

Der größte Pilz der Erde wurde erst im Jahr 2000 entdeckt. Es ist ein Halli­masch mit essbaren Früchten. Sein unter­irdisches Pilz­geflecht erstreckt sich über neun Quadratkilo­meter. Das ist die Fläche von etwa 1 200 Fußball­feldern. Gen-Analysen belegen, dass das Pilz­geflecht zu ein und demselben Pilz gehört. Seit 2 400 Jahren wächst er in der Erde des Malheur National Forest in Oregon, USA.

Killerpilz befällt Bäume

Der Riesen-Halli­masch bildet nur wenige Frucht­körper aus. Wahr­scheinlich hat er deshalb keine Ableger bekommen. Ohne die Konkurrenz anderer Pilze breitet sich der Riesen-Halli­masch ungehindert aus. Das trockene Klima in Oregon scheint sein Wachs­tum zu beflügeln. Etliche Tannen und Douglasfichten sind dem Pilz bereits zum Opfer gefallen. Er durch­dringt den Boden und die befallenen Bäume mit seinen milli­meterdi­cken Fäden. Dadurch entzieht der Pilz den Bäumen die Nahrung. Ein Extrem, denn für gewöhnlich stehen Pilze und Bäume in einer frucht­baren Beziehung.

Gemeinschaft mit Bäumen

Pilze leben mit Bäumen sozu­sagen in einer Ehe. Das Myzel umschlingt den Baum und versorgt ihn mit Wasser und Aminosäuren. Dafür erhält es seiner­seits Kohlenhydrate. Biologen sprechen von einer Symbiose. Selbst hoch­giftige Pilze können für einen Baum lebens­wichtig sein, zum Beispiel der grüne Knollenblätterpilz für Eichen und Buchen.

Bis zu 10 000 Pilzarten

Auch wenn alles gezählt wird: Bei Pilzen ist auf die Statistik kein Verlass. Schon die Frage, wie viele Pilzarten es in Europa gibt, führt zu unterschiedlichen Ergeb­nissen. Einige Quellen sprechen von etwa 2 500 Wald- und Wiesenpilzen. Andere gehen von über 5 000 Pilzarten in Europa aus. Wieder andere zählen allein in Deutsch­land 10 000 verschiedene Pilzarten. Sicher ist: Die Zahl steht nicht fest. Immer wieder werden neue, bisher unbe­kannte Pilzarten entdeckt. Viele davon sind freilich mikroskopisch klein. Welt­weit soll es etwa 100 000 verschiedene Pilze geben. Diese Arten­vielfalt ist fast einmalig. Nur bei Insekten werden noch mehr Spezies gezählt.

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