Wildpilze sammeln und zubereiten Special

Steinpilze heißen so, weil ihr Frucht­fleisch fester ist als das der meisten anderen Pilze.

Nach dem diesjäh­rigen Ausnahme­sommer fällt die Pilz­saison in einigen Gegenden mau aus. Vor allem im Nord­osten, wo es monate­lang kaum geregnet hat, rechnen Experten mit einem Pilz-Rück­gang von bis zu 90 Prozent gegen­über 2017. In Süddeutsch­land hingegen sprießen die Pilze wieder, insbesondere die Röhr­linge. Doch wer auf Pilz-Pirsch gehen möchte, braucht neben Finderglück auch Sachkennt­nis. Wir sagen, worauf Pilze­sammler achten sollten, und geben Tipps für den unbe­schwerten Genuss.

Trockenheit bremst Frucht­körper aus

Wenn Pilzlieb­haber von Pilzen schwärmen, dann meinen sie streng genommen den Frucht­körper des Myzels, eines weit verzweigten Organismus‘ im Wald­boden. Es ist oft Jahr­zehnte alt und kann Dürrephasen wie den Sommer 2018 unter der Erde über­leben, treibt dann aber weniger Frucht­körper an die Erde. „Besonders wenige Frucht­körper bilden alle Arten, die feuchte Sommer bevor­zugen, so zum Beispiel die Pfifferlinge“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Gesell­schaft für Mykologie (DGfM) die schlechte Pfifferlings­saison. Über­all dort, wo es mindestens drei Monate kaum geregnet hat, wachsen laut DGfM derzeit bis zu 90 Prozent weniger Pilze als im vergangenen Jahr. In Süddeutsch­land hingegen – vor allem zwischen Schwarz­wald und Bayerischem Wald – gebe es reichlich Pilze, speziell Röhr­linge wüchsen mancher­orts in Massen.

Wildpilze sind leicht, vitaminreich, gesund – und aromatisch

Wer auf eine gesunde Ernährung achtet, für den sind Wildpilze eine gute Wahl: Sie sind extrem kalorien­arm – 100 Gramm haben durch­schnitt­lich 10 bis 20 Kilokalorien – und bestehen zu etwa 90 Prozent aus Wasser. Ihr Fett­gehalt liegt bei unter einem Prozent, der Eiweiß­anteil bei zwei bis vier Prozent. Viele Pilze liefern größere Mengen an Vitaminen der B-Gruppe, vor allem B1 und B2, einige sind außerdem eine gute Vitamin-D-Quelle. Pilze sind zudem ein Mineral­stoff­lieferant und enthalten reichlich Kalium und Phosphor sowie Ballast­stoffe und gesund­heits­fördernde Eiweiß­bausteine. Und nicht zu vergessen: Essbare Wildpilze sind herr­lich aromatisch.

Nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche essen

Doch Wildpilze können – im Vergleich zu anderen Pflanzen – relativ hohe Mengen an Schwer­metallen aus dem Boden aufnehmen und im Frucht­körper anreichern. Das gilt vor allem für Kadmium und Queck­silber. Zuviel Kadmium schädigt Leber und Nieren, zuviel Queck­silber kann das Nerven­system beein­trächtigen. Die Konzentration im Pilzkörper kann vier- bis fünf­mal höher sein als im Wald­boden. Erwachsenen wird deshalb empfohlen, nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen. Schwangere, Stillende und Klein­kinder sollten ganz auf Wildpilze verzichten. Pilze aus Zucht hingehen weisen in der Regel keine deutlich erhöhten Mengen an Schwer­metallen auf. Allerdings können nicht alle Pilze gezüchtet werden. Pfifferling und Steinpilz zum Beispiel wachsen nur wild.

Jede vierte heimische Pilzart gefährdet

Intensive Land- und Forst­wirt­schaft bedrohen die Pilze. Vor allem Pfifferlinge und Wiesenchampignons finde man deutlich weniger als noch vor 50 Jahren, teilt die Deutsche Gesell­schaft für Mykologie (DGfM) mit. Die Flächen mit offenem Grün­land seien drastisch zurück­gegangen. Der Einsatz von Stick­stoff­dünger schwäche Pilzmy­zelien, so dass weniger Pilze sprießen. Das passiert laut DGfM auch in Wäldern, die alle 20 bis 30 Jahre durch­forstet werden. Die Pilze brauchen in der Regel mehrere Jahr­zehnte, um sich in einer veränderten Umge­bung wieder zu etablieren. Sie sind auch als Nahrungs- und Lebens­raum für Insekten äußerst wichtig.

Maximal 1 Kilogramm Pilze pro Person und Tag sammeln

Über­mäßiges Sammeln von Wildpilzen stört das sensible ökologische Gleichgewicht im Wald. Daher ist es zum Beispiel in Natur­schutz­gebieten gänzlich verboten, Pilze mitzunehmen. In Deutsch­land sind zudem einige beliebte Speisepilzarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“: Steinpilz, Schweins­ohr, Brätling, Birkenpilz, Rotkappe und Morchel dürfen nur in „geringen Mengen“ und nur für den Eigenbedarf gesammelt werden. Erlaubt sind in vielen Regionen Deutsch­lands maximal ein Kilogramm pro Person und Tag. Andere Pilze dürfen gar nicht in den Sammelkorb: alle heimische Trüffel-Arten, Semmel-Porlinge, Saftlinge sowie Schaf-Porling, Kaiserling, Weißer Bronze-Röhr­ling, Erlen-Grübling, März-Schneck­ling, Grünling. Der Grünling kann bei bestimmten empfindlichen Personen auch zum Abbau und Zerfall von Muskel­zellen führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb vom Verzehr des Grünlings ab.

Wer viel sammelt, zahlt

Der Pilzsommer 2018 war nicht über­all mager: Im Land­kreis Wald­shut nahe der Schweizer Grenze zahlten zwei Männer 1 700 Euro Strafe für 19 Kilo im Wald geerntete Steinpilze im Kofferraum. Die Arten­schutz­ver­ordnung gestattet „geringe Mengen für den eigenen Bedarf“, die vor Ort zuständige Natur­schutz­behörde erlaubt ein Kilo pro Person, jedes weitere kostet 100 Euro. Bundes­weite Limits gibt es zwar nicht – aber mehr als ein Kilo Pilze könnten vieler­orts zu viel sein.

Vorsicht Doppelgänger!

Die wichtigste Regel beim Sammeln lautet: Hände weg von Pilzen, die Sie nicht sicher bestimmen können. Ob ein Pilz giftig ist oder nicht, sieht man ihm nicht an. Zudem besteht bei einigen Sorten auch die Gefahr der Verwechs­lung mit giftigen oder zumindest unver­träglichen Doppelgängern. Der Anis- oder Schafs-Champignon etwa kann von ungeübten Samm­lern leicht mit dem giftigen weißen Knollenblätterpilz verwechselt werden. Bei Unsicherheiten sollten Pilz­freunde ihre gesammelten Pilze vom Fachmann auf Essbarkeit prüfen lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V. führt eine Liste geprüfter Pilzsach­verständiger.

Hand­buch Pilze

Wildpilze sammeln und zubereiten Special

Ausführ­liche Porträts vieler Pilze und ihrer Doppelgänger finden Sie im Handbuch Pilze der Stiftung Warentest. Ob köstlicher Speisepilz, tückischer Doppelgänger oder möglicher Giftpilz: Deutliche Tableau- und Detailfotos ermöglichen eine klare Zuordnung einheimischer Pilze. So gehen Sie sicher, dass kein falscher Pilz in Ihren Korb wandert. Das Buch ist in Zusammen­arbeit mit einem Fachberater der Deutschen Gesell­schaft für Mykologie entstanden. Es hat 256 Seiten und ist für 29,90 Euro im test.de-Shop erhältlich.

Dieses Special wurde erst­mals am 22. August 2001 auf test.de veröffent­licht und seitdem regel­mäßig aktualisiert, zuletzt am 26. September 2018.

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