Pilze sammeln: Nicht einfach rausreißen

Das, was wir als Pilz verzehren, ist eine Frucht. Die eigentliche Pflanze ist unterirdisch. Sie besteht aus einem oft Quadratmeter großen Geflecht feinster wurzelähnlicher Fäden, das bei einigen Arten über 100 Jahre alt werden kann. Dieses Myzel ernährt sich – anders als grüne Pflanzen – von abgestorbenen organischen Substanzen. Tote Holz- und Tierteile, Laub- und Nadelstreu werden zersetzt und wieder in den Kreislauf der Natur eingebracht. So leben Pilze in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit der Natur. Mit bestimmten Bäumen gehen sie eine regelrechte Ehe ein: Das Myzel umschlingt den Baum und versorgt ihn mit Wasser und Aminosäuren. Dafür erhält es seinerseits die Kohlenhydrate. Selbst hochgiftige Pilzarten können so für einen Baum lebenswichtig sein, zum Beispiel der grüne Knollenblätterpilz für Eichen und Buchen.

Da der Artenrückgang bei Pilzen besorgniserregend ist, hier einige Regeln für die naturfreundliche Pilzjagd:

• Reißen Sie nie einen Pilz samt Geflecht aus dem Boden, schneiden Sie ihn ab.

• Wer sich seiner Sammelobjekte nicht richtig sicher ist, wendet sich an eine Pilzberatungsstelle. Die Adressen stehen in den Tageszeitungen. Auch die Verbraucherzentralen geben Auskunft.

• Legen Sie bei Pilzberatungsstellen nicht eine wahllos gesammelte Beute vor. Um eine Pilzart zu begutachten, reicht ein einziges, vorsichtig mit Stiel und Knolle herausgedrehtes Exemplar.

• Sammeln Sie nur so viel, wie Sie kurzfristig verzehren können. Versagen Sie sich allzu üppige Steinpilzbeute. Steinpilze fallen ­- wie Pfifferlinge -­ teilweise unter das Artenschutzgesetz. Bedenken Sie: Es bleiben immer weniger Pilze übrig, die bis zur arterhaltenden Sporenbildung reifen können. Lassen Sie deshalb kleine, junge Pilze stehen, aber auch alte wurmstichige oder regennasse Exemplare.

• Beim Sammeln nicht einfach auf unbekannten oder ungenießbaren Pilzen herumtreten. Auch sie sorgen mit ihren Sporen dafür, dass die Art -­ zum Wohle des Waldes ­- erhalten bleibt.

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