Wildpilze Meldung

Giftig: Der Königs-Fliegenpilz ist Pilz des Jahres 2000. Die seltene Art wächst nur unter Fichten.

Aromatisch sind sie allemal. Doch Wildpilze reichern giftige Schwermetalle und radioaktive Substanzen an. Da heißt es maßhalten.

Pilzsaison: Im Wald und auf der Wiese sprießen die Schwammerln. Doch Sammler- und Tafelfreuden sind getrübt. Gerade die aromatischen Wildpilze haben es in sich ­- neben bekömmlichen Nährstoffen auch jede Menge Schwermetalle. Und immer noch gibt es radioaktiv stark belastete Exemplare. Bei den Schwermetallen sind es vor allem Kadmium und Quecksilber, die einzelne Pilzarten unterschiedlich stark speichern. Allen voran: Morcheln, Röhrlinge, Riesenchampignons. Im Pilzkörper kann die Konzentration fünfmal so hoch sein wie im Waldboden.

Schwermetalle

Wildpilze Meldung

Austernseitlinge kommen meist aus der Zucht, genau wie fast alle Champignons und Shii-Take-Pilze im Handel. Zuchtpilze können Sie ganz ohne gesundheitliche Bedenken genießen. Sie werden im Großanbau in Hallen oder an Baumstämmen gezüchtet und sind arm an Schwermetallen und Radioaktivität.

Schwermetalle aus der Nahrung werden zu einem großen Teil im Körper deponiert und in bestimmten Organen angereichert. Von gewissen Mengen an sind Gesundheitsschädigungen nicht mehr auszuschließen. So beeinträchtigt ein Übermaß an Kadmium die Leber- und Nierenfunktion, ein Zuviel an Quecksilber schädigt das Nervensystem. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb "wöchentlich duldbare Aufnahmemengen" ermittelt: Etwa 0,5 Milligramm Kadmium und 0,3 Milligramm Quecksilber können für einen rund 70 Kilogramm schweren Menschen toleriert werden. Im ungünstigen Fall kann diese "Wochenration" mit einer einzigen Wildpilzmahlzeit ausgeschöpft sein.

Bis zu 15 Milligramm Kadmium und 9 Milligramm Quecksilber hat man nach Auskunft des Bundesamts für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV) in einem Kilogramm Pilze schon ermittelt. Wenn auch die Werte für das Gros der schmackhaften Sammelobjekte weit darunter liegen -­ solche Extreme sind nicht auszuschließen. Und außerdem nicht zu vergessen: Auch andere Lebensmittel ­- vor allem Fisch und Innereien ­ können beträchtliche Mengen dieser Schadstoffe enthalten.

Die WHO empfiehlt deshalb, nicht mehr als etwa 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen. Mit dieser Portion ist man dann auch hinsichtlich der immer noch möglichen radioaktiven Belastung der Pilze auf der sicheren Seite. Kleinkinder, Schwangere und Stillende sollten allerdings Zuchtpilze bevorzugen.

Strahlenbelastung

Der Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahre 1986 hat es deutlich gemacht: Pilze sind auch in puncto Radioaktivität ausgesprochen speicherfreudig ­- vor allem, wenn es um Cäsium 137 geht. Der Grund: Die stark wasserhaltigen Fruchtkörper benötigen, um die Flüssigkeit in ihren Zellen zu binden, große Mengen an Kalium. Doch das System, das diesen Mineralstoff transportiert, vermag nicht zwischen Kalium-Ionen und den gleich geladenen Cäsium-Ionen zu unterscheiden ­ beim Pilz genauso wenig wie bei Mensch und Tier. Und deshalb wurde das durch das Reaktorunglück freigesetzte Cäsium anstelle von Kalium von den Pilzen aufgenommen.

Cäsium 137 ist besonders langlebig. Erst nach 30 Jahren (Halbwertzeit) ist es zur Hälfte zerfallen. Das heißt, auch heute noch, 14 Jahre nach Tschernobyl, muss man mit verstrahlten Pilzen rechnen. Und zwar vor allem dort, wo es unmittelbar nach dem Unfall größere Mengen Niederschlag gab, das waren in Deutschland vor allem der Bayrische Wald und Südbayern.

Die radioaktive Belastung ist aber auch abhängig von der Pilzart. Relativ gering belastet sind Steinpilze, Pfifferlinge, wildwachsende Champignons. Stärker belastet sind Maronen. Noch im vergangenen Jahr teilte das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter mit, dass in Maronen und in Semmelstoppelpilzen aus Süddeutschland noch Aktivitäten bis zu einigen 1.000 Becquerel pro Kilogramm Pilze gemessen wurden. Zum Vergleich: Der Handelsgrenzwert für Lebensmittel liegt laut Strahlenschutzverordnung bei 600 Becquerel pro Kilogramm. Nur für Milchprodukte gelten geringere Werte. Kontrollen an den Grenzen sollen sicherstellen, dass dieser Wert eingehalten wird. Bei Pilzen aus Polen und Litauen liegt er sogar deutlich darunter.

Nährstoffe

Pilze speichern aber auch Gesundes und Bekömmliches. Zum Beispiel Eiweiß. Bis zu drei Prozent sind enthalten. Das Spektrum der Vitamine umfasst im Wesentlichen die Vitamine der B-Gruppe, und zwar in vergleichsweise hoher Konzentration. So richtig prallvoll sind Pilze mit Mineralstoffen. Neben Kalium sind auch Phosphor und Eisen reichlich vorhanden. Dazu die Spurenelemente Kupfer, Mangan, Zink, Chrom, Selen. Kalorisch sind Pilze ein Leichtgewicht: 100 Gramm enthalten rund 15 Kilokalorien.

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