Pilze und Strahlung

Wildpilze Special

Wildpilze können radio­aktiv belastet sein.

Auch 28 Jahre nach der Reaktor­katastrophe von Tschernobyl gibt es in Deutsch­land radio­aktiv belastete Pilze. Ursache: das radio­aktive Cäsium 137. Das ist besonders lang­lebig. Erst nach 30 Jahren ist es zur Hälfte zerfallen. Wie stark Pilze belastet sind, ist abhängig von Sorte und Stand­ort.

Höchste Belastung in Bayern

Bei land­wirt­schaftlichen Nutz­flächen spielt die radio­aktive Belastung kaum eine Rolle. Da Cäsium 137 in Wiesen- und Ackerböden fest gebunden wird, können es die Pflanzenwurzeln kaum aufnehmen. Wald­boden ist anders zusammengesetzt, er speichert Cäsium 137. Die unter­irdischen Pilz­pflanzen nehmen das Caesium 137 seit Jahren auf und reichern es in ihren Frucht­körpern an. Süddeutsch­land ist davon besonders betroffen, vor allem Südbayern und der Bayerische Wald. Diese Regionen wurden zehnmal höher kontaminiert als etwa der Norden Deutsch­lands. Ursache sind die lokal ausgiebigen Regenfälle nach der Reaktor­katastrophe im April 1986. Durch die lange Halb­wert­zeit von 30 Jahren nimmt der Cäsium-137-Gehalt bei Wildpilzen nur lang­sam ab.

Belastete Pilzsorten

Das Bundesamt für Strahlenschutz untersucht die radio­aktive Belastung wild wachsender Pilze im Süden Deutsch­lands. Höhere Cäsium-137-Gehalte von mehr als 1 000 Becquerel (Bq) pro Kilogramm wurden in den Jahren 2010 bis 2012 in Mohren­kopf­milchlingen, Rotbraunen Semmel­stoppelpilzen, Semmel­stoppelpilzen, Trompetenpfifferlingen und Wohl­riechenden Schneck­lingen gemessen. Zum Vergleich: Der Grenz­wert für Wildpilze, die in den Handel gelangen, liegt bei 600 Bq pro Kilogramm. Die beliebten Steinpilze und Pfifferlinge können laut Bundes­amt für Strahlen­schutz einige 100 Bq pro Kilogramm aufweisen. Online können aktuelle Strahlen­mess­werte aus Bayern beim Bayerischen Landesamt für Umwelt abge­fragt werden.

In besonders belasteten Gebieten lieber aufs Sammeln verzichten

Laut Bundes­amt für Strahlen­schutz ist die zusätzliche Strahlenbelastung durch wild wachsende Speisepilze vergleichs­weise gering, wenn sie in üblichen Mengen verzehrt werden. Wer die Strahlen­exposition so gering wie möglich halten möchte, sollte in den höher belasteten Gebieten Deutsch­lands auf den Verzehr selbst gesammelter Pilze verzichten. Das unabhängige Umwelt­institut München rät Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern, Wildpilze vom Speiseplan zu streichen – neben der möglichen radio­aktiven Belastung auch aufgrund möglicher Belastung mit Schwer­metallen.

Kostenlose Messung

Das Umwelt­institut München e.V. untersucht Wildpilze, Beeren und Wild auf radio­aktive Belastung. Wer Klarheit sucht, kann seine Pilze prüfen lassen. Benötigt wird eine Mindest­menge von 250 Gramm. Die Proben werden per Post einge­schickt oder zu den Öffnungs­zeiten abge­geben und das Ergebnis nach der Messung per E-Mail mitgeteilt. Die Unter­suchung ist kostenlos. Das Angebot gilt von August bis Oktober.

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