Wiesenhof in der Kritik Meldung

Ein konventioneller Stall mit zigtausend Hühnern. Personal ist kaum nötig: Fütterung, Beleuchtung, Temperatur sind computergesteuert.

Tierquälerei, mangelnde Hygiene, Lohndumping – Ende August 2011 zeigte die ARD die Reportage „Das System Wiesenhof“. Die Vorwürfe darin richten sich gegen die PHW-Gruppe, einen der größten Produzenten von Geflügel in Europa. Die Stiftung Warentest hat im vergangenen Jahr 17 Hähnchenbrust­filets vom Teller bis zum Küken zurückverfolgt. Dabei haben die Tester nicht nur das Fleisch geprüft, sondern auch die Verantwortung der Firmen – darunter Wiesenhof – für Tier- und Umweltschutz unter die Lupe genommen.

Schwere Vorwürfe von TV-Reportern

In dem ARD-Film mit dem Untertitel „Wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“ zeigen die Reporter des SWR verendete Hühner in den Mastbetrieben, kritisieren die Haltungsbedingungen und sprechen mit Billigarbeitern aus Osteuropa. Gegen die Vorwürfe der TV-Reporter – Tierquälerei, mangelnde Hygiene und Lohndumping – wehrt sich Wiesenhof: Der Titel der Sendung würde schon seit zwei Monaten feststehen, die Recherche sei nicht fair gewesen. Der Geflügelproduzent hat eine Programmbeschwerde beim zuständigen Sender SWR eingelegt und mit einem eigenen Internetvideo auf die Vorwürfe reagiert.

Öfter schwache Noten beim Tierschutz

Bilder und Berichte von konventioneller Massentierhaltung schockieren Verbraucher immer wieder. Im Oktober 2010 hat die Stiftung Warentest 17 Anbieter von Hähnchenbrustfilets hinsichtlich ihrer sozialen und ökologischen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, kurz: CSR) untersucht. Resultat dieses Tests Hähnchenbrustfilets Unternehmensverantwortung mit insgesamt 43 Kriterien: Die meisten konventionellen Anbieter wie Wiesenhof, der auch für Discounter herstellt, aber auch einige andere wie Friki erhielten hier nur die CSR-Bewertung „Ansätze“ – das ist die zweitschlechteste Bewertung in der CSR-Skala. Tatsächlich reizen viele konventionelle Anbieter die Gesetze oft bis zum Limit aus, kritische Massentierhaltung ist an der Tagesordnung.

Was Kunden tun können

Mehr Engagement für das Wohl der Tiere zeigten im CSR-Test nur Bioanbieter: Chiemgauer Naturfleisch, Kaiser`s Tengelmann/Naturkind, Rewe/biofam und Schröder`s Bioland bekamen von der Stiftung Warentest die Bewertung „Stark engagiert“. Diese Unternehmen produzieren nach EG-Öko-Verordnung oder den strengeren Naturland- oder Bioland-Regeln. Dabei haben die Ställe Tageslicht, die Hühner mehr Platz und Auslauf ins Freie. Die Biomast ist für den Landwirt aber aufwendiger und kostspieliger. Wer auf konventionelle Massentierhaltung verzichten will, muss daher für Biohähnchenbrustfilets drei- bis fünfmal so viel ausgeben wie für Filets vom Discounter. Übrigens: Bei drei der vier im Tierschutz engagierten Bioanbietern stimmte im Warentest Frische Hähnchenbrustfilets auch die Qualität des Fleisches. Insgesamt gab es hier Qualitätsurteile von „gut“ bis „mangelhaft“.

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