Legende. Dass Frösche das Wetter vorher­sagen können, ist ein Mythos. Meteorologen werden trotzdem so genannt.

Alle reden vom Wetter. Wir auch – von Wetter-Apps für das Smartphone. Acht haben wir untersucht. Wir sagen Ihnen, welche die genauesten Prognosen liefern.

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Viele Nutzer ahnten, was der Test jetzt zeigt. Die auf Smartphones vorinstallierten Wetter-Apps sind nicht die besten. Die Programme stammen meist von amerikanischen Firmen – bei Apples iOS von Yahoo!, bei Android von AccuWeather. Nach Expertenmeinung geben die dort verwendeten Modelle die europäischen Gegebenheiten nicht optimal wieder. Auch im Test ist die Vorher­sage nur befriedigend. Wer genauere Prognosen wünscht, sollte sich eine andere Wetter-App zulegen.

Zu viel Sendungs­bewusst­sein

Wir haben acht Wetter-Apps für das iPhone untersucht. Sie stehen auch für das weit­verbreitete Betriebs­system Android zur Verfügung. Neben der Vorher­sagegen­auigkeit interes­sierte uns die Hand­habung und der Daten­schutz. Viele Apps haben ja bekannt­lich die unangenehme Eigenschaft, mehr Daten zu versenden, als sie für die Erfüllung ihrer Aufgabe brauchen. Der Nutzer merkt davon nichts. Sechs der acht geprüften Wetter-Apps senden unnötiger­weise die Geräte-Identifikations­nummer, teil­weise auch an Dritt­firmen. Die auto­matische Stand­ort­erkennung mittels GPS ist zwar praktisch, wenn die Daten aber regel­mäßig gefunkt werden, erlaubt das sogenannte Tracking eine nahezu lückenlose Aufzeichnung der Aufenthalts­orte des Hand­ynutzers. Wer das nicht will und auf Daten­schutz Wert legt, sollte das Tracking in iOS unter Einstel­lungen/Daten­schutz/Ortungs­dienste ausschalten.

Als unkritisch konnten wir nur die auf iPhones vorinstallierte Wetter-App und die Wetter­Online-App einstufen. Für die Android-Versionen gilt das aber nicht. Sie senden zu viele Daten.

Schwierige Vorher­sage

Vorher­sagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, sagte Mark Twain. Die Meteorologen sind jedoch vor allem bei Prognosen von zwei bis sieben Tagen immer besser geworden. So erfüllt mehr als die Hälfte der getesteten Apps ihre Aufgabe recht ordentlich. Um die Qualität der Wetter­vorhersage zu über­prüfen, haben wir zwei Monate lang an neun welt­weiten Stand­orten die von den Apps vorhergesagten Höchst- und Tiefst­temperaturen sowie die Nieder­schläge mit den tatsäch­lichen Werten verglichen.

Bei den Stand­orten handelt es sich um große Städte in benach­barten Zeitzonen: von London über Berlin und Istanbul bis Johannes­burg. Als Stand­ort wählten wir jeweils den Flughafen.

Temperatur­angaben sind einfach zu über­prüfen. Bei Vorher­sagen zum Nieder­schlag ist das viel schwieriger – auch wegen der unterschiedlichen Darstellung. Die einen geben Regen, Schnee und Co. mit Piktogrammen, also Symbolen an, andere sagen eine Wahr­scheinlich­keit in Prozent voraus. Beides ist oft nur von begrenzter Aussagekraft. Außerdem muss der Nutzer die Symbole interpretieren.

Die Prognosen sind schwierig, weil Nieder­schläge zeitlich und örtlich sehr unterschiedlich ausfallen können. Im Extremfall geht an einem sonnigen Tag auf der einen Straßenseite ein kurzer Schauer nieder, während es auf der anderen trocken bleibt. Je nach Definition des Wetter­dienstes könnte das Vorher­sagesym­bol für den Tag eine Regenwolke, eine Sonne oder eine Sonne mit Regenwolke zeigen.

Was „30 Prozent Regen“ bedeutet

Nicht viel besser ist es um die Angabe der Nieder­schlags­wahr­scheinlich­keit bestellt. Wer weiß schon, ob er bei einer Regenwahr­scheinlich­keit von 30 Prozent den Regenschirm mitnehmen sollte oder nicht. Die Meteorologen wollen damit sagen: Die Wahr­scheinlich­keit, dass am Vorher­sageort in einem bestimmten Zeitraum Nieder­schlag fällt, beträgt 30 Prozent. Dafür genügt schon die winzige Menge von einem Regen­tropfen oder einer Schnee­flocke.

Während der Unter­suchungs­zeit von Januar bis März 2013 waren die Verhält­nisse für eine Vorher­sage teil­weise besonders schwierig. So litt zum Beispiel Berlin unter dem sonnen­schein­ärmsten Winter seit Beginn der Wetter­aufzeichnungen. Es herrschte häufig Hoch­nebel, aus dem zeit­weise sehr geringer Nieder­schlag fiel. Deshalb ist die Angabe der Nieder­schlags­menge wichtig. Das Wetter­symbol beschreibt den Nieder­schlag oft nur grob.

Nieder­schlags­radar hilf­reich

Einen brauch­baren Hinweis darauf, ob man für die geplante Fahr­radtour einen Regen­schutz benötigt oder nicht, liefert das Nieder­schlags­radar. Es zeigt für einen bestimmten Zeitraum anschaulich, wie sich die Regenwolken ausbreiten. Aber nur fünf der geprüften Wetter-Apps bieten ein Nieder­schlags­radar an (Tabelle).

Die einfachste Vorher­sage lautet so: Das Wetter wird morgen genauso sein wie heute. Meteorologen sprechen von einer Erhaltungs­neigung des Wetters oder von Persistenz. Das funk­tioniert aber nur bei einer stabilen Wetterlage. Im Test hätte diese Prognose ein Mangelhaft bedeutet.

Viele nützliche Funk­tionen

Links Weather­Pro: Start­seite mit vielen Infos. Mitte Wetter.info: Wetter-App der Telekom. Rechts Wetter.com: Über­sicht­liche Start­seite.

Links Weather­Pro: Start­seite mit vielen Infos. Mitte Wetter.info: Wetter-App der Telekom. Rechts Wetter.com: Über­sicht­liche Start­seite.

Alle Wetter-Apps sind einfach zu laden und zu bedienen. Ihr Informations­angebot unterscheidet sich aber deutlich. Am spar­samsten ist es bei der vorinstallierten App von Yahoo!. Viel mehr bietet Weather­Pro. Dieses Programm ist zwar nicht kostenlos, dafür punktet es aber mit einer ganzen Reihe von nützlichen Funk­tionen. Zum Beispiel gibt es hier Wasser­temperaturen, Satelliten­bilder und grafische Darstel­lungen, die die Entwick­lung des Wetters während einer Woche anschaulich präsentieren.

Die Bedienung der Apps haben wir auch mit der Android-Version geprüft. Die Unterschiede zu Apples Betriebs­system iOS sind insgesamt gering, allerdings ist die iOS-App oft einen Tick besser. Zumindest bei der Hand­habung lässt keine Wetter-App den Nutzer im Regen stehen.

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