Der Fall: Schadenersatz für Börsenlaien

Heute weiß Manfred Schubert*, dass ihn der Telefonverkäufer der Wagner Finanz in Kleve um den Finger gewickelt hat, um ihn abzuzocken. Doch sein Hinweis auf die Professionalität der Firma und die enormen Gewinne fast ohne jedes Risiko, die angeblich bei Termin- und Währungsgeschäften drin seien, hatten den Erstanleger überzeugt. Er überwies rund eine halbe Million Mark in mehreren Beträgen. Nur wenige Monate später war das Geld weg. Gerade mal 6.300 Mark blieben Schubert von seinen eingezahlten 530.000 Mark.

Der Einsatz Schuberts reduzierte sich zunächst durch etwa 27.000 Mark Aufschlag (Agio), den die Firma von den eingezahlten Beträgen für ihre Bemühungen abzog. Schließlich wickelte der von der Wagner Finanz beauftragte Broker ED & F Man International Ltd. in London mit Schuberts Geld 260 Termingeschäfte ab, so genannte Optionskontrakte. Jedes Mal wurde eine Kommission von 120 US-Dollar fällig. Summa summarum zahlte Schubert satte 85.000 Mark allein für Gebühren. Der große Rest des Geldes ging für verlustreiche Termingeschäfte drauf.

Schubert wollte sich das nicht gefallen lassen. Er wandte sich an die Münchener Rechtsanwaltskanzlei Marzillier und Meier und verklagte die Wagner Finanz auf Schadenersatz. Die Richter am Landgericht Kleve gaben ihm Recht. Weder Manfred Wagner, Chef der Wagner Finanz in Kleve, noch seine Telefonverkäufer hätten den unerfahrenen Anleger vor dem Abschluss der Geschäfte ausreichend aufgeklärt (Az. 3 O 244/00, nicht rechtskräftig). Die vorvertragliche Aufklärungspflicht werde nicht durch die erst später durch den Broker erfolgte ordnungsgemäße Belehrung nach dem Börsengesetz erfüllt. Vielmehr müsse der Anleger vor Vertragsabschluss über die wesentlichen Grundlagen, die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Risiken der Geschäfte bereits vom Vermittler schriftlich aufgeklärt werden. Dem Anleger müsse der Umfang des ihm aufgebürdeten Verlustrisikos vermittelt werden. Dazu müsse vor allem auf die hohen Kosten hingewiesen werden, die die Gewinnchancen des Anlegers deutlich verschlechtern. Wagner erhält jetzt sein eingesetztes Kapital zurück.

* Name von der Redaktion geändert

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