Wertpapierdepot Test

Etwas umständlich: Gabriele Hänsel aus Berlin musste nach dem Depotübertrag noch die Reste im alten Depot aufräumen. Andere Banken erledigen das für ihre Neukunden.

Anleger, die ihr Depot zu einer neuen Bank übertragen wollen, können einiges tun, damit der Wechsel reibungslos abläuft.

Mit so viel Aufwand hatte Gabriele Hänsel aus Berlin nicht gerechnet. Sie war mit der Anlageberatung bei der Volksbank unzufrieden und wollte deswegen ihre Wertpapierdepots zu einer anderen Bank übertragen.

Sie und ihr Mann hatten zwei Depots, eines bei der Fondsgesellschaft Union Investment, die zum Verbund der Volksbanken gehört, und ein weiteres bei der Berliner Volksbank. In letzterem lagen vor allem Aktien und Anleihen.

Für Gabriele Hänsel war klar, zu welcher Bank sie wechseln wollte. Sie folgt einer Empfehlung aus dem Bekanntenkreis und eröffnet ihr neues Depot bei der Deutschen Bank. Gleichzeitig erteilte sie der Bank eine Vollmacht, alle Wertpapiere aus den alten Depots einzuziehen. Der Übertrag ist kostenlos. „Mit der Neueröffnung hat alles gut funktioniert. Geärgert habe ich mich aber über die Abwicklung der alten Depots“, sagt Frau Hänsel. „Als ich die Abrechnung von der Fondsgesellschaft erhalten hatte, merkte ich, dass nur ganze Anteile übertragen wurden. Dass die Nachkommastellen im Depot bleiben, hatte mir niemand gesagt.“

Diese Nachkommastellen – auch Bruchstücke genannt – entstehen zum Beispiel, wenn Anleger feste Beträge anlegen wollen, egal wie viel die ganzen Fondsanteile gerade kosten. So zahlten Hänsels feste Raten in einen Sparplan ein und bekamen dafür je nach Kurs mal ganze Fondsanteile und mal auch noch Bruchstücke dazu. Auch Anleger, die einen festen, größeren Betrag auf einen Schlag investieren, kaufen oft neben den ganzen Fondsanteilen noch Bruchstücke.

Auf die Bruchstücke achten

Bei einem Depotübertrag werden Bruchstücke nicht berücksichtigt. Die meisten Banken verfahren so. Nur einige wenige wie Cortal Consors, ING-Diba oder die DAB bank bieten einen „Umzugsservice“ an. Wechselt ein Kunde zu ihnen, veranlassen sie für ihn nicht nur die Löschung des alten Depots, sondern auch den Verkauf der Bruchstücke.

Der Anleger muss sich hier nach Eröffnen des Depots um nichts mehr kümmern. Das Geld aus dem Verkauf der Bruchstücke wird ihm überwiesen.

Bei Banken ohne solch einen Umzugsservice beauftragt der Anleger seine alte Bank selbst mit dem Verkauf der Bruchstücke.

Gabriele Hänsel wusste nicht, dass sie sich darum kümmern sollte, und stellte erst später fest: „Ich muss noch ein Verkaufsformular für die Bruchstücke von drei Fonds ausfüllen und an die Fondsgesellschaft schicken. Einmal handelt es sich um 0,8 und zweimal um 0,4 Anteile.“

Weil ihr Depotübertrag 2009 stattfand, sie die Bruchstücke aber erst nach dem Jahreswechsel verkauft, zahlt sie jetzt noch einmal eine Jahresgebühr von 10,12 Euro für das alte Depot. Überrascht war Frau Hänsel auch darüber, dass sich der ganze Depotübertrag ziemlich lange hinzog. „Es dauerte über einen Monat. Die Wertpapiere wurden auch nicht auf einen Schlag ins neue Depot eingebucht“, erzählt sie.

Beides ist normal. Ein vollständiger Depotübertrag kann mehrere Wochen dauern. Die Wertpapiere treffen manchmal außerdem peu à peu ein. Der Anleger kann über seine Wertpapiere erst wieder verfügen, wenn sie in seinem neuen Depot gutgeschrieben sind.

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