Steuern für Einsteiger Special

Sparen will jeder, doch was können Steuerzahler über­haupt angeben und wie? In unserer Serie “Steuern für Einsteiger“ erläutern wir die wichtigsten Fach­begriffe für die Steuererklärung. Diesmal geht es um Werbungs­kosten. Darunter versteht das Finanz­amt Ausgaben, die irgendwie mit dem Beruf zu tun haben. Doch welche Kosten zählen und wie viel erkennt der Fiskus an? Die Finanztest-Experten haben die wichtigsten Regeln zusammen­gestellt.

Was sind Werbungs­kosten?

Das Wort Werbungs­kosten hat wenig mit Werbung oder Bewerbung zu tun. Der Blick in den Duden zeigt, dass es sich um eine Kurz­form handelt – es heißt eigentlich Erwerbungs­kosten. Es geht um Ausgaben rund um Erwerb und Einkommen. Vereinfacht gesagt: In seiner Steuererklärung kann ein Steuerzahler als Werbungs­kosten alle Ausgaben absetzen, die irgendwie mit dem Beruf zu tun haben, darunter Fahrt­kosten, Ausgaben für Arbeits­mittel und Weiterbildungen. Die wichtigsten Posten nennen wir im Unter­artikel Das können Sie absetzen. Werbungs­kosten wirken sich indirekt auf die Steuer aus. Sie verringern den Brutto­lohn. Das hat zur Folge, dass entsprechend weniger Steuern anfallen.

Finanztest Serie: Steuern für Einsteiger

Sonderausgaben, Finanztest 9/2017

Der Staat unterstützt Berufs­tätige

Dass es so etwas wie Werbungs­kosten über­haupt gibt, ist den Preußen zu verdanken. Der Begriff taucht erst­mals im preußischen Einkommensteuergesetz von 1906 auf. Damals wurde vor allem an Unternehmer gedacht, sie sollten ihre Einnahmen mit ihren Ausgaben – etwa für Maschinen – verrechnen können. Inzwischen werden Angestellte und Unternehmer steuerlich getrennt behandelt, dennoch wirkt der Ursprungs­gedanke bis heute: Beide sollen – zumindest teil­weise – nicht mit Einkommensteuern für Ausgaben belastet werden, die sie für den Erhalt ihres Einkommens aufwenden mussten.

Die Werbungs­kostenpauschale

Jeder Arbeitnehmer bekommt auto­matisch monatlich einen Steuer­abzug, wenn der Arbeit­geber den Lohn auszahlt. 1 000 Euro im Jahr gewährt der Staat pauschal als Werbungs­kosten – einmal für jeden Steuerzahler. Beim Zweit- oder Neben­job wird aber nicht auto­matisch gekürzt. Die Pauschale hat Folgen für die Steuererklärung: Berufliche Ausgaben müssen über 1 000 Euro liegen, damit ein Arbeitnehmer seine Steuerlast weiter senken kann.

Beispiel: Wer für sein Bahnti­cket im öffent­lichen Nahverkehr 100 Euro im Monat zahlt, kommt im Jahr auf 1 200 Euro Fahrt­kosten und hat die Hürde schon über­sprungen: 200 Euro, die sich steuerlich auswirken.

Immer in voller Höhe

Es ist egal, ob der Arbeitnehmer das ganze Jahr über einen Job hatte oder nicht, die Pauschale gibt es immer in voller Höhe. Auch wenn der Berufs­tätige über­haupt keine beruflichen Ausgaben hatte, gibt es 1 000 Euro Abzug vom Einkommen. Die Pauschale gilt für alle Jobs insgesamt. Für einen Zweitjob gibt es keine weiteren 1 000 Euro. Ehepartner bekommen jeweils eine eigene Pauschale.

Werbungs­kosten eintragen

In der Steuererklärung gehören die Werbungs­kosten für Arbeitnehmer in die Anlage N für Einkünfte aus nicht­selbst­ständiger Arbeit. Drei der vier Seiten beschäftigen sich allein mit den beruflichen Ausgaben. Für viele wichtig: die Arbeits­wege, die auf Seite 2 ab Zeile 31 einge­tragen werden. Aufpassen heißt es ab Zeile 35: Dort müssen Arbeitnehmer eintragen, ob sie mit dem Auto oder mit öffent­lichen Verkehrs­mittel zur Arbeit fahren. Jeder kann 30 Cent pro Kilo­meter als Entfernungs­pauschale angeben, sogar Mitfahrer. Bahnfahrer sollten aber ihre tatsäch­lichen Ticket­kosten eintragen, wenn dieser Betrag höher ist. Ebenfalls auf Seite 2: Ausgaben für Arbeits­zimmer und Reise­kosten.

Doppelte Haus­halts­führung

Viel Geld zurück gibt es für Kosten einer doppelten Haus­halts­führung, etwa wenn Pendler eine Zweit­wohnung in Arbeits­platz­nähe benötigen. Die Kosten dafür können sie auf Seite 3 der Anlage N eintragen.

Zahlungs­zeit­punkt wichtig

Ein Arbeitnehmer setzt seine Ausgaben für das Jahr an, in dem diese entstanden sind. Bei Bezahlung mit Girocard oder Kreditkarte zählt der Tag, an dem er Arzt­kittel oder Lehr­buch gekauft hat und nicht der Tag, an dem das Geld dafür vom Konto abge­bucht wurde. Bei einer Last­schrift ist es umge­kehrt: Hier zählt, wann abge­bucht wurde. In der Regel halten sich Finanz­ämter an das Rechnungs­datum, falls sie einen Nach­weis fordern.

Ausnahme: Regel­mäßige Ausgaben und teure Anschaffungen

Anders ist das bei regel­mäßigen Ausgaben oder teuren Arbeits­mitteln. So gehört zum Beispiel der Jahres­beitrag der Gewerk­schaft für 2017 in die Steuererklärung für 2017 – selbst wenn er bereits im Dezember 2016 gezahlt wurde. Und pro Arbeits­mittel gilt eine jähr­liche Höchst­grenze: Maximal 487,90 Euro darf jemand für ein Gerät angeben. Kostet der neue Computer oder Drucker mehr, muss der Steuerzahler die Kosten über mehrere Jahre verteilen.

Von Beruf Rentner

Für manch einen über­raschend: Auch wer nicht mehr arbeitet, kann Werbungs­kosten geltend machen. Ein Rentner trägt seine Ausgaben in der Anlage R für Rentner ein. Ohne Nach­weis bekommt er pauschal nicht 1 000 Euro wie ein Arbeitnehmer, sondern nur 102 Euro abge­zogen. Es spielt dabei keine Rolle, in welchem Monat die Rente beginnt. Die 102 Euro gibt es immer in vollem Umfang.

Auch kleinere Beträge bringen was

Der geringe Pausch­betrag hat zur Folge, dass es sich lohnt, auch kleinere Beträge in der Steuererklärung anzu­geben. Die Hürde ist schnell über­sprungen. Rentner tragen Gewerk­schafts­beiträge, Steuerberatungs­kosten, Ausgaben für den Rentenberater oder Prozess­kosten im Zusammen­hang mit Renten­ansprüchen ab Zeile 52 der Anlage R ein.

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