Berufstätige sparen jetzt viel eher Steuern mit ihren Reisekosten und einem doppelten Haushalt. Dafür hat der Bundesfinanzhof gesorgt.

Berufliche Reisekosten darf das Finanzamt jetzt nicht mehr streichen, bloß weil die Reise mit privatem Vergnügen verbunden ist. Auch die Kosten für einen beruflich bedingten zweiten Haushalt können die Beamten kaum noch ablehnen. Diese neuen Sparchancen erstritten Berufstätige, die gegen ihren Steuerbescheid klagten. Jetzt muss das Finanzamt ihre Jobkosten anerkennen. Sie haben vor dem höchsten deutschen Finanzgericht, dem Bundesfinanzhof in München, gewonnen. Ihr Sieg bringt Berufstätigen höhere Abzüge für Werbungskosten, sodass sie weniger Einkommensteuer zahlen müssen.

Steuerabzug für die zweite Wohnung

Pendler, die eine Zweitwohnung wegen ihres Jobs haben, dürfen ihre Fahrt- und Mietkosten geltend machen. Selbst wenn sie aus privaten Gründen vom Arbeitsort weggezogen sind, muss jetzt das Finanzamt die Kosten abhaken. Für diese Wende hat der Bundesfinanzhof gesorgt (Az. VI R 58/06, VI R 23/07). Daran muss sich das Finanzamt halten, legte das Bundesfinanzministerium in einem Schreiben fest (IV C 5 - S 2352/0). Entscheidend ist, dass Pendler den zweiten Haushalt aus beruflichen Gründen haben. Dafür müssen sie diese drei Dinge belegen:

Beruflicher Anlass. Die zweite Wohnung ist nötig, weil Pendler von dort ihre Arbeit schneller erreichen.

Lebensmittelpunkt. Die erste Wohnung bleibt weiterhin ihr Lebensmittelpunkt. Entweder weil sie dort mit dem Ehepartner, Lebensgefährten und/oder den Kindern zusammenleben. Oder weil sie als Single sich in der ersten Wohnung – abgesehen von der Arbeit oder dem Urlaub – immer aufhalten.

Eigener Haushalt. Am Lebensmittelpunkt führen Pendler ihren eigenen Haushalt und kommen für die Kosten selbst auf oder nutzen und gestalten den Haushalt zumindest gleichberechtigt mit. Ein Single darf sich sogar Sanitär- und Küchenräume mit anderen teilen, wenn er seinen Haushalts selbst unterhält (BFH, VIII R 13/09). Als wichtiges Indiz für den eigenen Haushalt gilt, dass er sich an den Kosten beteiligt. Ob das Finanzielle aber unabdingbare Voraussetzung ist, muss der Bundesfinanzhof noch klären (AZ. VI R 26/09).

8 868 Euro für den doppelten Haushalt

Bärbel Drechsler pendelt seit Juli am Wochenende von Köln zu ihren Eltern nach Berlin. Sie hat in Berlin eine Wohnung gemietet, weil sie ihren Eltern helfen will. In Köln ist sie in eine kleinere Wohnung in die Nähe ihrer Arbeit gezogen. Das kann sie 2010 geltend machen:

Miete für die Wohnung am Arbeitsort: 3 600 Euro
(6 x 600 Euro (Juli bis Dezember))
Kosten für ihre Heimfahrten nach Berlin: + 3 888 Euro
(24 Fahrten x 0,30 Euro x 540 Entfernungskilometer)
Arbeitsweg: + 1 380 Euro
(20 Kilometer x 230 Arbeitstage x 0,30 Euro)
Werbungskosten gesamt: 8 868 Euro
Steuererstattung bei 30 % Grenzsteuersatz: 2 660 Euro

Verpflegungspauschalen kann die Frau derzeit nicht abziehen, weil sie schon mehr als drei Monate in Köln lebt. Die Speditionskosten für den Umzug nach Berlin kann sie zwar nicht als Werbungskosten geltend machen, aber als haushaltsnahe Dienstleistung (siehe Artikel Handwerker und Haushaltshilfen aus Finanztest 07/2010).

Neue Aufteilung der Reisekosten

Berufstätige dürfen jetzt auch das Nützliche mit dem Angenehmen auf Dienstreisen verbinden, ohne dass es steuerschädlich ist. Sie können den beruflichen Anteil aus den Gesamtkosten rausrechnen, wenn eine Reise mit Privatprogramm verknüpft ist. Der Bundesfinanzhof hat das bisherige Aufteilungs- und Abzugsverbot gekippt (Beschluss des Großen Senats, Gr S 1/06). Dafür müssen Reisende klar belegen, wie viel Zeit sie beruflich unterwegs waren.

894 Euro Reisekosten

IT-Fachmann Walter Paul ist in Hamburg angestellt. Er fuhr für eine Woche zum IT-Kongress nach München. Dort nutzte er die Gelegenheit, um Freunde zu besuchen. Während des Kongresses von Montag bis Freitag übernachtet er im Hotel und am Wochenende bei Freunden. So rechnet er beim Finanzamt ab:

Anteilige berufliche Kosten:

Flugticket: 400 Euro
Davon 5/7: 286 Euro
(5 Arbeitstage von 7 Tagen Gesamtzeit):
Hotelkosten für 5 Kongresstage: + 500 Euro
Verpflegungspauschale für 5 Tage: + 108 Euro
Werbungskosten gesamt: 894 Euro
Steuererstattung bei 30 % Grenzsteuersatz: 268 Euro

Freibetrag auf der Steuerkarte

Für die Jobkosten, sei es für den doppelten Haushalt oder die Reisekosten, können im Jahr schnell über 1 000 Euro zusammenkommen. Welche Kosten das Finanzamt anerkennen muss, steht in der Tabelle unten. Dafür können sich Arbeitnehmer auf ihrer Lohnsteuerkarte beim Finanzamt einen Freibetrag eintragen lassen, wenn nach Abzug von 920 Euro Arbeitnehmerpauschbetrag mindestens 600 Euro zusammenkommen. Die 920 Euro müssen sie abziehen, weil der Betrag schon beim Abzug der Lohnsteuer berücksichtigt wird.

Ab dem nächsten Monat mehr Netto

Walter Paul bezahlt voraussichtlich 2 000 Euro Reisekosten aus eigener Tasche. Dafür lässt er einen Freibetrag auf seiner Lohnsteuerkarte eintragen, sodass er weniger Lohnsteuer zahlt und sein Chef ihm ab August mehr Netto auszahlt.

Berufliche Reisekosten: 2 000 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag: – 920 Euro
Freibetrag auf der Steuerkarte: 1 080 Euro
Monatlich mehr Netto ab August bei 30 % Grenzsteuersatz: 65 Euro

Für dieses Jahr ist der Mann dann verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Denn das Finanzamt muss seine Ausgaben noch endgültig prüfen.

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