Werbungs­kosten Meldung

Tüll und Glitzer: Helene Fischers Kostüme sind als Berufs­kleidung absetz­bar.

Pfarrer, Richter, Arzt oder Künst­lerin – manche Berufe setzen eine eigene Berufs­kleidung voraus. Dem Arbeitnehmer entstehen hier aufgrund seiner Arbeit zusätzliche Ausgaben. Diese Werbungs­kosten sind in einigen Fällen steuerlich absetz­bar. Grund­sätzlich gilt: Erkennt man den Beruf an seiner Kleidung, beteiligt sich das Finanz­amt an den Kosten.

Was gilt als Berufs­kleidung?

Wenn die Schlagerikone Helene Fischer in glitzerndem Kostüm über die Bühne schwebt, trägt sie Berufs­kleidung. Doch sind auch Tropenhelm und Khakihemd absetz­bar, wenn der Mitarbeiter dienst­lich in die Tropen reist? Finanztest sagt, wann sich das Finanz­amt an den Kosten für Berufs­kleidung beteiligt.

Bühnen­kostüm problemlos absetz­bar

Berufs­kleidung ist Kleidung, die ausschließ­lich in der Arbeits­zeit getragen wird wie die Uniform oder Amts­tracht bei Soldaten, Polizisten, Köchen oder Geist­lichen. Zahlt der Chef weder einen steuerfreien Zuschuss für den Kauf noch stellt er die Kleidung kostenlos, können alle Kosten als Werbungs­kosten abge­setzt werden. Dazu gehören neben dem Kauf­preis Reinigungs- und Instandhaltungs­kosten. Zu typischer Berufs­kleidung zählen neben Blaumann, Schorn­steinfegerk­luft, Sicher­heits­schuhen und Warn­weste eben auch Bühnen­kostüme für Künstler.

Wichtig: Als Berufs­bekleidung zählt nur Kleidung, bei der es so gut wie ausgeschlossen ist, dass sie privat angezogen wird. Ein dunkler Anzug, den ein Banker oder Anwalt im Büro tragen muss, geht beim Finanz­amt nicht durch. Schließ­lich könnte er privat getragen werden. Keine Rolle spielt, ob er tatsäch­lich privat angezogen wird. Aber es gibt Ausnahmen, die Gerichte akzeptieren:

  • Schwarzer Anzug für einen katho­lischen Geist­lichen (Bundes­finanzhof [BFH], Az. VI R 159/86).
  • Schwarzer Anzug und schwarze Hose bei einem Oberkellner, nicht aber schwarze Schuhe, weiße Hemden und Krawatten (BFH, Az. VI R 171/77).
  • Schwarzer Anzug bei einem Leichen­bestatter (BFH, Az. I R 33/69).
  • Sport­bekleidung bei Sport­lehrern, wenn sie zu weniger als 10 Prozent der Zeit privat getragen wird (BFH, Az. VI R 149/87).

Normale Kleidung für Job zählt nicht

Selbst wenn Berufs­tätige Anziehsachen für den Job kaufen, scheitert der Abzug, wenn die Sachen privat getragen werden könnten wie Hosen, Sakkos, Strümpfe und Schuhe. Vor Gericht gescheitert ist deshalb zum Beispiel eine Schuh­verkäuferin. Sie hatte den Kauf­preis ihrer Schuhe absetzen wollen, weil ihr Chef sie dazu verpflichtet hatte, diese in seinem Laden zu kaufen (Finanzge­richt Münster, Az. 9 K 3675/14 E). Ebenfalls abge­lehnt hat ein Gericht die Kosten einer Schauspielerin und TV-Moderatorin für besonders modische Kleidung (BFH, Az. IV R 91-92/87). Und auch ein Außen­dienst­mit­arbeiter, der beruflich in die Tropen reiste und sich dafür Tropenhelm und Khakihemd kaufte, verlor vor Gericht (BFH, Az. VI R 94/89).

So sind Ausgaben absetz­bar

Zählt die Kleidung als typische Berufs­kleidung, gibt es zwei Wege, die Anschaffungs­kosten abzu­setzen:

  • Das Kleidungs­stück kostet inklusive Mehr­wert­steuer weniger als 487,90 Euro. Dann kann der Betrag in voller Höhe abge­setzt werden. Die Kosten werden dazu in Anlage N der Steuererklärung einge­tragen.
  • Kostet das Stück mehr als 487,90 Euro, muss es abge­schrieben werden. Dabei wird der Preis auf mehrere Jahre aufgeteilt und jeweils in der Steuererklärung angegeben. Bei einer Nutzungs­dauer von fünf Jahren wird der Betrag monats­weise je nach Kauf­datum für diese Zeit aufgeteilt.

Reinigungs­kosten einfach schätzen

Wer seine Berufs­kleidung selbst wäscht, darf die Kosten schätzen. Dafür wird die Zahl der Wasch- und Trocken­vorgänge pro Jahr geschätzt. Was ein Wasch­gang kostet, kann bei Verbraucher­verbänden erfragt werden. Ein Lauf Bunt­wäsche bei 60 Grad kostet danach im Drei-Personen-Haushalt beispiels­weise 41 Cent pro Kilo Wäsche. Die Wasch­gänge pro Jahr multipliziert mit den Kosten pro Lauf ergeben die anzu­setzenden Kosten. Natürlich kann die Kleidung auch in die Reinigung gegeben werden. Dann werden in der Steuererklärung die Belege aus der Wäscherei oder dem Wasch­salon einge­reicht. Auf Nummer sicher geht, wer neben Datum und Betrag auch das gereinigte Kleidungs­stück vermerkt.

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