Hohe Zinsen sind oft an Bedingungen geknüpft. Wir zeigen die Fußangeln solcher Angebote.

Das klingt verlockend. 4,5 Prozent Zinsen bietet Cortal Consors für ein täglich verfügbares Konto. Dieses „SuperzinsAngebot“ ist sogar für sechs Monate festgeschrieben. Der Spitzenreiter aus unserem monatlichen Dauertest bietet dagegen nur 4,0 Prozent pro Jahr (siehe Infodokument Tagesgeldkonten und Festgelder).

Doch die Freude über das Cortal-Consors-Angebot wird schnell getrübt. Wer vom Top-Zins profitieren will, muss sich auf viele Bedingungen einlassen:

  • Der Sparer muss Neukunde sein.
  • Der Zins ist auf 20 000 Euro begrenzt. Für Beträge darüber hinaus gibt es nur 3,0 Prozent Zinsen pro Jahr.
  • Der Sparer muss gleichzeitig ein Depot eröffnen, das 1,95 Euro im Monat kostet.
  • Die Depotkosten werden ihm nur erlassen, wenn er mindestens durchschnittlich 2 500 Euro auf dem Konto hat oder einen Fondssparplan eröffnet oder einmal im Quartal Wertpapiere kauft oder verkauft.

Solche Koppelprodukte sind kein Einzelfall. Finanztest hat bei 67 Banken und Sparkassen elf Angebote mit Fußangeln gefunden (siehe Tabelle „Lockangebote“).

Die Strategie der Banken ist klar. Der Topzins soll Kunden anlocken. Sie rechnen damit, dass die neuen Sparer das Konto auch nach Ablauf des Superzinses aus Bequemlichkeit behalten und weitere Angebote der Bank nutzen.

Top-Zins nur gegen Werbeflut

Am aggressivsten verfolgt diese Strategie derzeit die KarstadtQuelle Bank. Sie bietet für das „Traum-Zins-Konto“ 4,25 Prozent Zinsen pro Jahr (effektiv 4,33 Prozent). Der Zins gilt für maximal 5 000 Euro. Wer nur einen Euro mehr auf dem Konto hat, erhält für die gesamte Anlagesumme nur 2,0 Prozent pro Jahr.

Das kann schnell passieren, weil die Bank die Zinsen monatlich gutschreibt. Zwar wird der Kunde ab einem Kontostand von 4 800 Euro per E-Mail an eine drohende Zinssenkung erinnert. Fair wäre aber, den Top-Zins für Anlagebeträge bis 5 000 Euro immer zu zahlen, und nur Beträge darüber hinaus anders zu verzinsen.

Diese Geschäftspolitik verfolgt die comdirect Bank (siehe Infodokument Tagesgeldkonten und Festgelder). Sie zahlt Kunden bis 30 000 Euro 3,6 Prozent pro Jahr. Für Beträge darüber hinaus müssen sie sich mit 0,5 Prozent pro Jahr zufriedengeben.

Beim Traum-Zins-Konto gibt es aber noch mehr Fallstricke: Bei der Kontoeröffnung müssen Anleger auch 15 Fragen zu ihren Lebensumständen beantworten. Darunter persönliche Fragen wie beispielsweise „Gehen Sie in ein Fitness-Studio?“, „Versuchen Sie Ihr Glück mit Lotto / ­Losen / Casino?“ oder „Planen Sie in den nächsten 12 Monaten den Erwerb einer Immobilie?“. Anschließend wird der Kunde außerdem zu mindestens fünf konkreten Konsumwünschen befragt. Wer nur ­eine dieser Fragen nicht beantwortet, kann das Konto nicht eröffnen.

Mit dem Akzeptieren der allgemeinen Geschäftsbedingungen erklärt der Kunde auch, alle Kundenfragen „wahrheitsgemäß“ beantwortet zu haben. Außerdem ist er ­damit einverstanden, vom Kooperationspartner der Bank, der Sparschwein AG, per SMS, E-Mail, Telefon und Post Werbung zu erhalten. Beim genauen Hinsehen entpuppt sich das Angebot der KarstadtQuelle Bank als Kombination aus Tagesgeldkonto und Rabattsystem. Bis zu 6 ­Prozent Rabatt gibt es beispielsweise für Einkäufe und Reisebuchungen bei Partnern der Bank. Viele Kunden, die auf der Suche nach einem guten Tagesgeldkonto sind, erwarten jedoch von einer seriösen Bank ­keine Kombiprodukte dieser Art.

Weitere Hürden

Häufig werden kurzfristige Zinsangebote mit einer falschen Zinstreppe oder einer bei Abschluss nicht absehbaren Gesamtverzinsung kombiniert. Viele Angebote gelten außerdem nur für Neukunden.

Eine unklare Gesamtverzinsung haben die Angebote der Hypo­vereinsbank und der Postbank. Ihre Verzinsung hängt von Ereignissen ab wie dem Bundesligaerfolg des FC Bayern oder dem Verlauf des Dax.

Mit einer falschen Zinstreppe ärgern die Berliner Sparkasse und die Berliner Bank ihre Kunden. Die Treppe hat drei beziehungsweise vier Stufen, gestaffelt nach dem Anlagebetrag. Je höher der Betrag, desto höher der Zins. Doch die höheren Zinsen werden nicht auf die Gesamtsumme gezahlt, sondern nur für die Differenz zwischen den einzelnen Anlagestufen. Ein Sparer, der 10 000 Euro bei der Berliner Sparkasse anlegt, erhält für die ersten 5 000 Euro 2,1 Prozent und für die weiteren 5 000 Euro 2,2 Prozent pro Jahr. Eine Bank mit ­einer echten Zinstreppe würde den Gesamtbetrag mit 2,2 Prozent verzinsen.

Lockangebote fallen durch

Lock- oder Kombiangebote wie das der KarstadtQuelle Bank oder von Cortal Consors nehmen wir nicht in unsere Top-20-Tagesgeldliste auf, die wir im Marktplatz in jeder Finanztest-Printausgabe veröffentlichen.

Auch Anbieter wie beispielsweise Meridio Direkt, die in einigen Top-Listen von ­Tageszeitungen oder Magazinen vorkommen, erfüllen nicht unsere strengen Kriterien. Das Tagesgeldkonto der Vermögensverwaltung ist nur für Neukunden und der Zins von 3,75 Prozent pro Jahr für drei Monate festgeschrieben. Danach fällt er auf 2,5 Prozent. Meridio Direkt ist bei diesem Angebot nur der Vermittler, das Konto führt die DAB Bank. Auch diese Masche ist beliebt. Statt einer Werbekampagne subventioniert Meridio Direkt lieber den Tagesgeldzins und gelangt über die Top-Listen in die Medien. Bei uns jedoch fällt Meridio damit durch.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1359 Nutzer finden das hilfreich.