Werbung mit Test­urteilen Was sich ändert und warum

Werbung mit Test­urteilen - Was sich ändert und warum

Vertrag statt Nutzungs­bedingungen, Befristung auf zwei Jahre, höhere Gebühren – zum 1. Juli stellt die Stiftung Warentest das System für die Werbung mit Test­urteilen komplett um. Das gab Stiftungs­vorstand Hubertus Primus heute auf der Jahrespressekonferenz bekannt. Im Interview mit test.de erklärt er, was sich im Detail ändert – und warum.

Wieso ändert die Stiftung Warentest die Regeln für die Werbung mit Test­urteilen?

Primus: Wir stellen fest, dass in der Vergangenheit mit unserem Logo immer wieder Missbrauch betrieben wurde. Da wurden positive Urteile auf andere Produkte über­tragen, es wurde mit uralten Noten geworben oder Produkte nach dem Test sogar verändert. Bisher konnten wir das nur schwer unterbinden. Das soll sich ändern.

Vertrag statt Nutzungs­bedingungen

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Vorstand Hubertus Primus

Was ändert sich konkret?

Primus: Anbieter müssen in Zukunft Logolizenz­verträge abschließen. In den Verträgen ist genau fest­gelegt, was erlaubt ist und was nicht. Damit soll garan­tiert werden, dass der Verbraucher nur noch Werbung erlebt, die lauter ist.

Nutzungs­bedingungen für das Logo gab es bisher auch schon, was ändert sich durch einen Vertrag?

Primus: Die bisherigen Bedingungen unterlagen allein dem Wett­bewerbs­recht. Wenn ein Hersteller dagegen verstoßen hat, konnte also nur die Konkurrenz dagegen vorgehen oder der Verbraucherzentrale Bundes­verband als Vertretung der Verbraucher. Die Stiftung Warentest konnte das nicht. In Zukunft können auch wir oder unser Dienst­leister direkt bei Vertrags­verstößen tätig werden.

Befristung auf 2 Jahre

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2005 noch gut, aber heute?

Ganz neu ist die zeitliche Befristung der Werbung auf zwei Jahre. Wieso?

Primus: Veraltete Werbung war bisher eines der größten Probleme. In der Matratzenwerbung etwa findet man zum Teil noch Urteile aus den 90er Jahren. Die haben natürlich keine Aussagekraft mehr. Ein „gutes“ Handy aus dem Jahr 2005 bekäme heute auch eine ganz andere Note. Unsere Prüf­programme verändern wir regel­mäßig, die aktuellen Tests sind häufig strenger.

Die Nutzung des Logos wird auch deutlich teurer als bisher …

Primus: Richtig, wer das Logo zwei Jahre auf seinen Produkten, in Printmedien und im Internet nutzen möchte, muss zum Beispiel 10 000 Euro bezahlen.

Kein Kontakt zu Anbietern

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Wickelt alles komplett ab: Das gemeinnützige RAL

Gefährdet die Stiftung Warentest damit nicht ihre Unabhängig­keit?

Primus: Nein, wir haben ganz bewusst die Konstruktion gewählt, die Lizenzvermarktung über eine gemeinnützige GmbH des RAL laufen zu lassen. Das ist das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kenn­zeichnung, das unter anderem auch das Umwelt­zeichen „Der Blaue Engel“ lizensiert. Es gibt hier also keinen Kontakt zwischen der Stiftung Warentest und den Herstel­lern. Auch bleibt es beim bewährten Ablauf: Die Hersteller erfahren erst vom Qualitäts­urteil, wenn es auf test.de, in test oder Finanztest veröffent­licht wird. Ob jemand später mit dem Logo wirbt oder nicht, hat daher keinen Einfluss auf den Test.

Mehr Kontrolle und Nachtests

Was soll mit den Einnahmen geschehen?

Primus: Im Vordergrund steht der Verbraucher­schutz. Die RAL gGmbH organisiert eine systematische Miss­brauchs­kontrolle. Dienst­leister gehen durch Supermärkte, Drogerieketten und Baumärkte und kontrollieren – das ist sehr teuer. Auch Werbung in Broschüren, Zeitungen, TV-Sendern, im Kino und Internet wird über­wacht. Zudem wollen wir verstärkt Nachtests organisieren. Bei Produkten, die sich schnell verändern lassen, wollen wir prüfen, ob unser Qualitäts­urteil noch zu Recht auf der Packung klebt.

Bleiben da noch Einnahmen übrig für die Stiftung?

Primus: Das ist schwer absehbar. In jedem Fall wird es nur eine ganz geringe Rolle spielen, wenn man unseren Gesamt­umsatz ansieht. Falls doch, investieren wir das natürlich in neue Tests oder in die erwähnten Nachtests.

Neu: Lizenz­nummern-Check

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In Zukunft Pflicht: Die Lizenz­nummer (rechts)

Der Miss­brauch mit dem Logo wird erschwert, aber sicher nie ganz verhindert. Was kann der Verbraucher tun, wenn er verdächtige Werbung mit Test­ergeb­nissen entdeckt?

Primus: Wir haben im Internet Hinweise veröffent­licht, um falsche Werbung mit Testurteilen zu erkennen. Auf test.de kann man auch jeden Test bis zurück ins Jahr 2000 abrufen und so die Werbeaussagen selbst über­prüfen.

Zusätzlich erhält jeder Lizenz­vertrag eine Lizenz­nummer, die bei der Werbung neben dem Logo ange­zeigt werden muss. Der Verbraucher kann dann ab Juli die Nummer auf der RAL-Webseite eingeben und so auf ihre Echt­heit über­prüfen. Gemein­sam mit den Kontrollen der RAL gGmbH im Handel und in den Medien werden wir so sicher die meisten schwarzen Schafe erwischen.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 11.11.2013 um 14:32 Uhr
Befristung auf zwei Jahre

@alle:
Die Werbung mit veralteten Testurteilen und die Missbrauchskontrolle waren bisher die Hauptprobleme bei der Nutzung unserer Testlogos. Aus diesem Grund mussten wir uns auf eine zweijährige Nutzungsdauer festlegen.
Wie von der Nutzung unserer Logos in Zukunft Gebrauch gemacht wird, können wir noch nicht abschätzen. Ein Teil der Einnahmen ist für aufwändige Nachtests vorgesehen.
(TK)

wahrik am 08.11.2013 um 13:16 Uhr
2 Jahre sind zu kurz - Abzocke durch StiWa???

Auch ich bin der Meinung das 2 Jahre für viele langlebigen Produkte zu kurz sind. Vor 2 Jahren z.B. haben wir uns eine neue Heizung mit Solarunterstützung gekauft, dabei auch die Testberichte zu Rate gezogen. Interessant war es das einige Hersteller auf Tests aus dem Jahr 2003 hingewiesen haben. Nach Recherche der Alten und der Neuen Testberichte, konnten wir eine klare Entscheidung treffen und sind bis heute höchst zufrieden. Die alten Tests waren uns sehr hilfreich. Bei solchen Produkten gibt es ja auch nicht häufig neue Tests. Würden alle Hinweise entfernt, fehlt eine Orientierung.
Außerdem kommt mir ein bitterer Beigeschmack von Abzocke hoch. Wenn ein Unternehmen alle 2 Jahre 10.000,- € bezahlen soll, sehe ich hier eine unterschwellige Bereicherung.
Meiner Meinung nach ist dies sicherlich nicht im Sinne der Gründungsväter der StiWa.
Ich plädiere dafür, dass eine Testlizenz nach einmaliger Zahlung solange gültig bleibt bis ein aktueller Test der selben Produkte durchgeführt ist !

nils1896 am 08.10.2013 um 20:12 Uhr
Zwei Jahre in vielen Fällen zu kurz

Wie von mir eben schon an anderer Stelle geschrieben, finde ich die Nutzungsdauer von nur zwei Jahren in vielen Fällen zu kurz. Als Beispiel werden im Artikel ja Handys genannt, was für mich nachvollziehbar ist. Hier macht die zeitliche Einschränkung Sinn.
Wie sieht es aber bei Dingen des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Shampoo oder Zahnpaste etc.? Wenn sich hier am Produkt nichts ändert, ist es nach meinem Empfinden auch nach zwei Jahren noch genauso gut wie vor zwei Jahren. Wenn sich an der Zusammensetzung nichts ändert, fänd ich es gut, wenn hier auch das Testurteil länger beworben werden dürfte. Im Umkehrschluss entwertet die neue Vorgehensweise ja auch alle Tests, die älter als zwei Jahre sind, da die Anbieter im Hinblick auf das Testergebnis so keine Motivation mehr haben, das Produkt danach noch unverändert zu belassen. Damit wird das Test-Archiv für mich praktisch nahezu wertlos.

Antefix am 16.05.2013 um 19:16 Uhr
Aufwändig ?

Zum Platzbedarf für (noch lesbare) QR-Codes: Lizenznehmer können ja entscheiden, ob sie neben dem Test-Logo auf der Verpackung weiteren oder integrierenden Platz finden. @rutti vergisst aber, dass Vieles von seiner Oma oder deren Großnichte in Hinteroberdorf eingekauft wird, und die laufen bei Tante Emma noch lange nich mit'm Smartphone rum. - Und @saatweber: Nu lass mal, StiWa verschmerzt solchen 'Betrug'. -- Aber überlegen kann die Test-Redaktion ja nochmal, ob sie besonders gute Testergebnisse kleiner Hersteller zur Vermarktung anbietet, indem sie diese zunächst um Angabe standartisierter Geschäftszahlen (z.B. Jahresumsatz, ggf. auch über deren IHK) bitten und Logo-Gebühren z.B. gestaffelt ab 3.000 € bis zu gewissen Umsatz-Untergrenzen anbieten. Zusammen mit einem 'Herzlichen Glückwunsch'-Brief als StiWa-Imagewerbung wäre das wenig Aufwand, aber allen wäre gerecht geholfen.

rutfli am 15.05.2013 um 22:23 Uhr
Leichtere Überprüfung der Lizenznummer mit QR-Code

Hallo! Sicherlich haben Sie diese Idee verworfen, weil der QR-Code verglichen mit der Lizenznummer am Rand deutlich mehr Platz im Logo verbraucht.
Die Überprüfung jedenfalls wäre sogar noch einfacher als die Lizenznummer abzutippen. In der Printversion böte sich das an.
Freundliche Grüße.