Werbung mit Test­urteilen

So wird geschummelt

24.03.2011
Inhalt

Test­urteil nicht korrekt: Nicht jeder angebliche Testsieger ist wirk­lich einer. Die Elektronikkette Saturn vergab diese Auszeichnung auf eigene Faust an eine Kamera. In unserer Unter­suchung hingegen hatten zwei andere besser abge­schnitten. Media-Markt hübschte das Test­urteil fürs Samsung Smartphone S8000 ein wenig auf. Gut (2,3) stand im Prospekt. Das Test­ergebnis lautete aber gut (2,4).

Test veraltet: Der Discounter real warb für eine Wasch­maschine, die ihr Gut schon im Jahr 2002 erhalten hatte. In der Zwischen­zeit hatte es aber längst einen neuen Test mit verschärften Prüfkriterien gegeben.

Andere besser: Wer mit dem Test­urteil wirbt, muss auch dazu sagen, wenn andere Produkte besser waren. So pries ein Versand­haus eine von uns mit gut benotete Fotokamera an, verschwieg aber, dass im selben Test zehn Kameras sogar mit sehr gut abge­schnitten hatten und zehn andere ebenfalls mit gut.

Datum fehlt: Häufig prangt unser Sehr gut oder Gut werbe­wirk­sam auf der Verpackung. Doch Titel, Monat und Jahr der Veröffent­lichung fehlen völlig oder werden unleserlich klein gedruckt. Das ist nicht erlaubt: Der Verbraucher muss die Unter­suchungs­ergeb­nisse nach­prüfen können.

Geändertes Nach­folgemodell

Werbung mit Test­urteilen - So tricksen die Anbieter

Penny setzte unser Gut neben einen Fahr­radhelm, der gar nicht das getestete Modell war, sondern dessen Nach­folger. Der Discounter über­trug das Qualitäts­urteil auf das neue Produkt, weil es nun ein Insektennetz hatte und daher vermeintlich besser war. Das Netz jedoch veränderte Trage­komfort und Belüftungs­eigenschaften – und wohl auch das Test­ergebnis.

Nicht unsere Aussage

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Unüber­sehbar prangt das test-Logo in der Werbung des Versenders Bader. Und direkt daneben wird der Staubsauger „mit bestem Preis/Leistungs­verhältnis“ angepriesen. Das sieht aus, als sei das unsere Bewertung – ist sie aber nicht. Wir haben dem Gerät das Qualitäts­urteil gut (2,3) bescheinigt. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis war in unserer Veröffent­lichung keine Rede.

Über­tragung auf Modell­reihe

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Die blend-a-dent-Haft­creme Extra stark hat in unserer Unter­suchung tatsäch­lich als Testsieger mit gut (1,8) abge­schnitten. Der Hersteller pappte das test-Logo dann aber auch bei den Haft­cremes Extra stark neutral und Extra stark frisch auf die Verpackung. Doch diese Produkte weisen eine andere Zusammenset­zung auf und waren nicht getestet worden.

Keine Baugleichheit

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Für dieses Bügel­schloss warb Lidl mit unserem Gut, weil es angeblich baugleich mit dem zwei Jahre zuvor getesteten „Sekura KB 302“ war. Eine Nach­prüfung zeigte aber, dass dies nicht stimmte. Im Prüf­labor knackten unsere Ingenieure das Stahlbügel­schloss in deutlich weniger als drei Minuten – und die waren im Test die Vorgabe für ein mit gut benotetes Fahr­radschloss.

Ein guter Kinder­wagen?

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Nein, eher ein Fall von unlauterer Werbung. Unser Test­urteil gilt gar nicht für den Kinder­wagen, sondern für die Babyschale „Zero Plus“, die der Discounter real hier im Paket mit dem Kinder­wagen verkauft.

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