Werbung mit Test­ergeb­nissen Meldung

Werbung mit unseren Test­ergeb­nissen ist nur für Produkte erlaubt, die auch wirk­lich getestet wurden. Klingt eigentlich selbst­verständlich, doch Kauf­land zog bis vor den Bundes­gerichts­hof.

Spül­maschinentabs und Nudeln

Nur was getestet wurde, darf auch das Logo der Stiftung Warentest tragen. Die Kauf­land-Gruppe platzierte in Anzeigen für ihr Werbeblatt „Tip der Woche“ unser test-Logo „Gut“ über vier Spül­maschinentabs – ganz so, als würde das „Gut“ für alle vier Produkte gelten. Getestet hatten wir aber nur eines davon, die anderen drei nicht. Zu allem Über­fluss wieder­holte das Blatt die miss­verständliche Aufmachung später mit Nudeln. Da prangte das „Gut“ und der Hinweis „Testsieger“ der Stiftung Warentest auf einer Anzeigenseite mit drei verschiedenen Packungen von Nudel­produkten. Auch hier hatte die Stiftung Warentest nur eines der Produkte untersucht.

Verbraucher werden getäuscht

Diese Aufmachung fand der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) irreführend und erhob Klage. Das Land­gericht Heilbronn und das Ober­landes­gericht Stutt­gart gaben den Verbraucherschützern Recht. Nun hat auch der Bundes­gericht­hof (BGH) klar­gestellt: Diese Art von Werbung ist unzu­lässig. Es werde ein Test­ergebnis auf nicht getestete Produkte über­tragen. Verbraucher könnten fälsch­licher­weise davon ausgehen, dass ein beworbenes Produkt getestet und mit gut bewertet wurde (Az. I ZR 136/13).

Durch­schnitts­kunde maßgebend

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Das Test-Logo der Stiftung Warentest hier als Muster. Es enthält genaue Angaben dazu, welches Produkt getestet und wann das Test­ergebnis veröffent­licht wurde.

Es reicht nämlich nicht, so die Richter, wenn nur Verbraucher, die genau hinschauen, bemerken können, für welches Produkt das Test-Logo gilt. Zwar steht in den Test-Logos der Stiftung Warentest immer das jeweils geprüfte Produkt genau bezeichnet, hier eben „Spiralnudeln“. Aber neben den Spiralen war auch eine Packung Gnocchi abge­bildet. Zwar kann ein aufmerk­samer Kunde theoretisch aus der Angabe „Spiralnudeln“ im Testlogo schließen, dass sich das „Gut“ nur auf diese abge­bildete Packung bezieht und nicht auf die direkt daneben platzierten Gnocchi. Doch das ist lebens­fremd. Es kommt nicht auf den aufmerk­samen Leser an, der ein Werbeblatt sorgfältig studiert. Vielmehr ist für die Frage, wie eine Werbung verstanden wird, die Sicht­weise des durch­schnitt­lich informierten und verständigen Verbrauchers maßgebend, erklärte der BGH.

Verbraucher liest Anzeigen nur flüchtig

Der Durch­schnitts­kunde blättere das Werbeblatt nur beiläufig durch und nehme die Werbeanzeigen lediglich flüchtig wahr. Der Grad seiner Aufmerk­samkeit sei nicht nur von seiner jeweiligen Situation abhängig, sondern auch von der Bedeutung, die die beworbenen Waren für ihn haben. Und die sei bei gering­wertigen Gegen­ständen des täglichen Bedarfs wie Geschirr­spültabs oder Nudeln eher gering, führten die Richter aus. Solche Anzeigen nehme der Normal­kunde nur flüchtig zur Kennt­nis.

„Tip der Woche“ reines Werbeblatt

Kauf­land hätte daher deutlicher heraus­stellen müssen, auf welche Produkte sich die Werbung mit dem Test-Logo bezieht. Das Unternehmen konnte sich nicht damit heraus­reden, für den „Tip der Woche“ gelte die einge­schränkte Haftung der Presse. Demnach haften Verlage nur, wenn sie bei der Veröffent­lichung von Anzeigen, die Fremde bei ihnen aufgeben, gegen ihre Prüfungs­pflicht verstoßen. Beim „Tip“ handle es sich nicht um ein klassisches Presseer­zeugnis, sondern um ein Werbeblatt, das einem Werbe­prospekt gleich­steht.

vzbv verfolgt Miss­brauch

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Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest.

Die Stiftung Warentest begrüßt das Urteil. „Um solchen Miss­brauch bei der Werbung mit Test­ergeb­nissen zu verhindern, haben wir das Logolizenz­system einge­führt“, erklärt Vorstand Hubertus Primus: „Wer werben will, muss bei einer gemeinnützigen GmbH des RAL, dem Institut für Gütesicherung und Kenn­zeichnung, eine Lizenz erwerben. Miss­bräuche werden vom RAL und vom vzbv verfolgt.“

Details zum Thema Werbung mit Testergebnissen der Stiftung Warentest

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