Heil­mittel­werbegesetz: Weniger Schutz für den Patienten

Werbung in Apotheken Test

Trick. Beratung lockt Kunden an. Hier wird aber das teure Ginkgo-Präparat Tebonin beworben. Dass es die Konzentration verbessert, ist jedoch nicht ausreichend belegt.

Trick. Beratung lockt Kunden an. Hier wird aber das teure Ginkgo-Präparat Tebonin beworben. Dass es die Konzentration verbessert, ist jedoch nicht ausreichend belegt.

Gesetzlich geregelt. Für Arznei­mittel darf nicht einfach so geworben werden. Es gibt Vorschriften. Das wichtigste Gesetz für die Werbung in Apotheken ist das Heil­mittel­werbegesetz. Es regelt die öffent­liche Werbung für Arznei­mittel und Medizin­produkte wie Blut­druck­mess­geräte. Was viele Patienten nicht wissen: Werbung für Medikamente ist nur für Mittel zulässig, die nicht verschreibungs­pflichtig sind.

Ausnahmen von der Regel. Ganz klar verboten ist Irreführung der Verbraucher durch nach­weislich falsche Angaben. Werbung für Arznei­mittel muss außerdem eine Reihe von Pflicht­angaben enthalten, darunter die Anwendungs­gebiete, Gegen­anzeigen und Neben­wirkungen. Für diese verbraucherfreundliche Regel gibt es jedoch Ausnahmen. Und die werden meist genutzt: Die Pflicht­angaben können entfallen, wenn die Werbung nur den Namen des Mittels, des Herstel­lers und den Wirk­stoff aufführt. Das gilt als „Erinnerungs­werbung“, die sich an Kunden wendet, die das Produkt schon kennen und daher keine Informationen mehr brauchen. Doch selbst wenn die Werbung zusätzlich Anwendungs­gebiete benennt, können sich Hersteller und Apotheker von den Pflicht­angaben befreien – mit dem aus der Fernsehwerbung berühmten Satz: „Zu Risiken und Neben­wirkungen lesen Sie die Packungs­beilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Gelo­ckerte Neufassung. Seit Oktober gilt das Gesetz in einer neuen Fassung. Sie lässt mehr Spielraum und wurde außerdem an EU-Recht angepasst. Kritisch: Emotional ansetzende Werbung mit Kranken­geschichten, Dankes­schreiben, Bildern oder Vorher-nachher-Vergleichen ist jetzt leichter möglich. Auch das Verbot, auf Angst­gefühle zu setzen und zur Selbst­diagnostik anzu­regen, gilt nicht mehr. Mit Gutachten und Studien darf nun geworben werden – obwohl Laien die Qualität nicht beur­teilen können. Werbung für rezept­freie Schlaf- und Beruhigungs­mittel ist jetzt erlaubt, wenn die Wirk­stoffe nicht körperlich abhängig machen.

Fazit: Das Gesetz lässt nicht nur viele Schlupf­löcher für Geschäfts­tüchtige. In seiner neuen Fassung schützt es den Patienten auch noch weniger als vorher. Kunden sollten kritisch sein.

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