Werbetricks Meldung

Sieht aus wie eine Paketben­achrichtigung – ist aber eine Verbraucher­täuschung. Solche Karten sollen zum Anruf in einem Call­center locken. Die Werbe­masche ist verboten.

Sieht aus wie eine Paketben­achrichtigung – ist aber eine Verbraucher­täuschung. Solche Karten sollen zum Anruf in einem Call­center locken. Die Werbe­masche ist verboten.

Die Firma „GIW West­fälische Immobilien- und Grund­besitzgesell­schaft mbH und Co. KG“ wirbt mit irreführenden Methoden. So fanden Verbraucher Benach­richtigungs­karten in ihren Briefkästen, die der klassischen Paketben­achrichtigung ähnelten. Auf den Karten stand der Hinweis: „Bitte rufen Sie uns an!“

Anrufer landeten aber nicht bei einem Paket­dienst, sondern im Call­center. Dort wurden sie nach ihrem Interesse an Immobilien­geschäften gefragt und bekamen ein Beratungs­gespräch angeboten.

Einem Konkurrenten der GIW schmeckte das nicht, und er ließ die Masche gericht­lich untersagen. Dagegen wehrte sich die GIW, allerdings ohne Erfolg.

Das Ober­landes­gericht Hamm bewertete den Kartentrick der Firma als unzu­lässige Täuschung. Anrufern werde nicht klar, warum sie die Nummer anrufen sollen (Az. I-4 U 66/10).

[Update 09.03.2011 Auch Heinrich Bauer Verlag wirbt mit fragwürdiger Methode]

Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass auch Produkte aus dem Heinrich Bauer Verlag mit diesem Werbetrick vertrieben werden. Auf der Internetseite Nicewor(l)ds – My Digital Life berichten Verbraucher, dass sie Benach­richtigungs­karten einer vB Medien­service GmbH mit Sitz in Heilbronn bekommen würden. Diese Firma vertreibt Zeit­schriften des Heinrich Bauer Verlages. In diesem Verlag erscheinen Zeit­schriften wie TV Movie, Bravo oder Wohnidee. Die Benach­richtigungs­karten über eine „Warensendung“ ähneln stark der Werbe­masche, die das Ober­landes­gericht Hamm für unzu­lässig erklärt hat:

Werbetricks Meldung

Auf die umstrittene Werbe­methode will die Bauer Media Group trotz des Urteils aber nicht verzichten. Sie sei in Ordnung, erklärte ein Firmen­sprecher auf Anfrage von test.de. Der Anruf bei der Vertriebs­firma koste den Verbraucher nichts, außerdem erhalte ein Anrufer auf jeden Fall ein Gratis­exemplar einer Zeit­schrift, auch wenn er kein Abo abschließe. Das mag so sein. Es ändert aber nichts daran, dass Verbraucher durch den Einwurf einer solchen Karte in ihren Brief­kasten an der Nase herum­geführt werden. Durch die Aufmachung und den Wort­laut der Karte („Warensendung“), entsteht der Eindruck, dass es sich um Post eines echten Zustell­dienstes handelt. Der Verbraucher bekommt das Gefühl, dass es um etwas Wichtiges geht und sieht sich genötigt, anzu­rufen. Schön für den Vertrieb des Heinrich Bauer Verlages: Auf diesem Wege hat er viele Anrufer, die er in ein Werbegespräch verwickeln kann.

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