Schnarchen und Schlaf­apnoe Wenn der Partner nicht mehr atmet

Schnarchen und Schlaf­apnoe - Wenn der Partner nicht mehr atmet
Von lästig bis lebens­bedrohlich. Der Über­gang vom Schnarchen zur Schlaf­apnoe kann fließend sein. © Getty Images / B. BOISSONNET

Lautes Schnarchen nervt, ist aber meist harmlos. Setzt die Atmung aus, wird es dagegen gefähr­lich. Lästiger Lärm oder lebens­bedrohliche Schlaf­apnoe: Beides ist behandel­bar.

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Schnarchen – die möglichen Ursachen

Betroffene fragen sich oft, warum und wie Schnarchen entsteht. Die Ursachen sind vielfältig. Im Schlaf erschlaffen sämtliche Muskeln des Körpers – auch die im Mund. Das Gewebe vibriert dann leichter und verursacht die ungeliebten Töne.

Von schlaffem Gewebe bis Überge­wicht

Schnarchen und Schlaf­apnoe - Wenn der Partner nicht mehr atmet
So entsteht der Lärm. © Stiftung Warentest

Häufig ist es das erschlaffte Gaumensegel, das im Rachen die Geräusche erzeugt, weil es beim Atmen hin und her flattert. Mit dem Alter wird das Gewebe generell schlaffer. Aber auch zu viel Gewebe kann Atemlärm verursachen. Rutscht in Rückenlage etwa eine zu große Zunge in den Rachen, sucht sich die Luft einen Weg an ihr vorbei. Der Atem­zug wird stärker und versetzt das umliegende Gewebe in Mund und Rachen in laut­starke Schwingungen.

Dasselbe kann auch eine geschwollene Schleimhaut bei Schnupfen oder Allergien bewirken. Besonders häufig ist Schnarchen bei Menschen mit Übergewicht: Zum einen erschwert ihr Bauch­fett das Atmen. Zum anderen drückt ein Doppelkinn den hinteren Teil der Zunge gen Rachen. Auch auf dem Rücken zu schlafen, fördert Atem­geräusche.

Welche Symptome für eine Schlaf­apnoe sprechen

Bei manchen Menschen bleibt es nachts nicht beim Schnarchen. Wenn die Atem­geräusche im Schlaf unregelmäßig und immer lauter werden sowie plötzlich sekunden­lange Atemaussetzer auftreten, raten Experten zu Obacht. Denn: Normales Schnarchen kann in ein Schlaf­apnoe-Syndrom münden. Ist das gefähr­lich? Ja, denn die oberen Atemwege kollabieren dann und versperren der Luft den Weg in die Lunge.

Für den Körper bedeutet der Atem­stopp Stress. Er verursacht einen Abfall von Sauer­stoff im Blut. Das Herz pumpt kräftiger, der Blut­druck steigt. Schon allein das begüns­tigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach einigen Sekunden Atem­still­stand im Schlaf schlägt das Gehirn Alarm. Das Stress­hormon Adrenalin schießt durch den Körper. Die Betroffenen wachen auf – ohne es zu merken. Ein Prozedere, das sich zigmal in der Nacht wieder­holen kann und das Immun­system ebenso schwächt wie das Herz. Die Folgen können lebens­gefähr­lich sein: Sekunden­schlaf und rasche Erschöpfung am Tag, aber auch Bluthochdruck, Herz­infarkt oder Herz­still­stand sowie Schlaganfälle.

Schlaf­apnoe? Testen Sie sich selbst

Wer vermutet, an Schlaf­apnoe zu leiden, sollte prüfen, wie häufig er im Alltag einnickt. Anhand der Tages­schläf­rigkeit lässt sich das eigene Risiko für die Erkrankung ablesen.

Wie wahr­scheinlich ist es, dass Sie in einer der folgenden Situationen einnicken oder -schlafen?*

(* Angelehnt an die „Epworth Schläf­rigkeits­skala“(ESS) nach Dr. Murray W. Johns)

  • Beim Lesen im Sitzen
  • Beim Fernsehen
  • Als passiver Zuhörer im Theater oder bei einem Vortrag
  • Als Beifahrer im Auto bei einer sehr kurzen Fahrt
  • In einem Gespräch
  • Beim ruhigen Dasitzen nach dem Mittag­essen
  • Wenn Sie sich nach­mittags zum Ausruhen hingelegt haben
  • Als Auto­fahrer im Stau oder auch wartend an der Ampel

Auswertung: Sind vier oder mehr der folgenden Situationen im Alltag sehr oder mittel wahr­scheinlich, besteht ein Apnoe­verdacht. Betroffene sollten sich dann an den Haus­arzt oder eine Fach­ärztin, etwa im Bereich HNO oder Schlafmedizin, wenden.

Wie Schnarchen und Apnoe behandelt werden

Der Über­gang vom einfachem Schnarchen zur lebens­bedrohlichen Apnoe kann fließend sein. Doch beides ist behandel­bar. Diese Therapie­möglich­keiten gibt es:

Was Schnarchende tun können

Lebens­stil. Abnehmen ist einer der ersten Tipps, die Ärzte überge­wichtigen Schnarchern geben. Fett­polster in Hals und Rachen erschweren die Atmung. Auf Alkohol, Medikamente wie Beruhigungs- und Schlafmittel, aber auch Allergie­tabletten am Abend sollte verzichtet werden. Sie lockern das Muskelgewebe und können das Schnarchen so sogar noch fördern. Auch Rauchen provoziert den Atemlärm. Es reizt die Schleimhaut und verengt die Atemwege.

Hilfs­mittel. Wer die Ursache für sein Schnarchen kennt, kann gezielt nach Hilfs­mitteln suchen. Die Stiftung Warentest hat 23 Mittel gegen Schnarchen geprüft. Hilf­reich können zum Beispiel Produkte sein, die die Rückenlage verhindern. Die Ursache sollte im Zweifel ärzt­lich abge­klärt werden.

Medikamente. Die Wunderpille gegen Schnarchen gibt es nicht. Auch dass Öle und Tropfen aus der Apotheke wirken, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Wer wegen Allergie oder Schnupfen schnarcht, dem kann abschwellendes Nasen­spray helfen. Dauer­haft benutzt, schädigt es aber die Schleimhaut.

Operation. Mediziner entfernen am Gaumen und im Rachen über­schüssiges Gewebe für leichtere Luft­zufuhr oder straffen es, damit es weniger vibriert. Auch eine Korrektur der Nasenscheidewand kann manchmal helfen. Eine Erfolgs­garantie gibt es aber nicht.

Kosten. Gesetzlich Versicherte müssen diese Hilfs­mittel und Maßnahmen meist selbst bezahlen.

Was Menschen mit Schlaf­apnoe tun sollten

Experten aufsuchen. Wer sich tags­über oft matt fühlt und häufig einnickt, obwohl die Schlafdauer in der Nacht ausreichend lang war, sollte sich vom Arzt unter­suchen lassen: Sowohl Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen als auch spezialisierte Schlafmediziner und Lungen­ärzte helfen weiter. Im Zweifel müssen Betroffene in einem Schlaf­labor untersucht werden.

Atemmaske. Gegen Schlaf­apnoe empfehlen Schlafmediziner oft eine Atemmaske für die Nacht. Bewährt hat sich das CPAP-Gerät (Continuous Positive Airway Pressure: kontinuierlicher positiver Atemwegs­druck). Ein Schlauch verbindet die Maske auf der Nase mit einem hand­taschen­großen Gerät auf dem Nacht­tisch. Es führt mit Über­druck Luft in die Atemwege. Der Druck verhindert ein Kollabieren der Atemwege, also Schnarchen und Atemaussetzer.

Durch­halten. Mit einer Atemmaske ins Bett zu gehen, kann zunächst unangenehm sein. Mitunter empfinden Betroffene auch Scham. Das ist nach­voll­zieh­bar, sollte aber nicht dazu führen, dass auf die Maske verzichtet wird. Wer zweifelt, sollte sich klar machen: Guter und erhol­samer Schlaf führt zu einer gesteigerten Lebens­qualität. Sprechen Sie Ihre Sorgen möglichst offen an – etwa beim Arzt oder in der Part­nerschaft.
Tipp: Informieren Sie sich zu Therapiemöglichkeiten und wie erfolg­versprechend sie sind. Manchmal hilft es, die Hintergründe zu kennen, um mit ungewöhnlich anmutenden Lösungen zurecht­zukommen.

Kosten. Die Krankenkasse zahlt bei ärzt­lich diagnostiziertem Apnoe-Syndrom oder möglichem Schaden für die Gesundheit.

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