Wenigermiete.de Schnelltest

Klingt gut: Das Online-Portal wenigermiete.de bietet seinen Kunden an, für sie beim Vermieter auf die Miet­preisbremse zu treten – ohne Kostenrisiko. Die Kunden zahlen nur, wenn es klappt. Ein Drittel der im ersten Jahr ersparten Miete kostet der Dienst. Nachdem test.de wegen miss­verständlicher Klauseln in den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen nachgefragt hatte, besserte das Portal nach. Unser Schnell­test zeigt, wie das Inkasso-Konzept funk­tioniert und wie es um Chancen und Risiken steht.

Angebot vor­erst auf fünf* Groß­städte beschränkt

Wenigermiete.de Schnelltest

Diese beiden Anwälte stehen hinter wenigermiete.de: Daniel Halmer (links) und Frederik Gärtner (rechts).

Das Inkasso-Portal wenigermiete.de gehört der Miet­right GmbH. Das Unternehmen hat die Genehmigung, Verbraucher­forderungen bei Unternehmen zu kassieren. Solches Verbraucherinkasso gibt es bereits bei Fluggastrechten und im VW-Skandal. Zunächst bietet das Unternehmen die Miet­preisbremsung nur für Berlin, Düssel­dorf, Hamburg, Köln und München an. Frank­furt/Main und Stutt­gart sollen demnächst folgen. Voraus­setzung für eine erfolg­reiche Miet­preisbremsung ist nämlich ein effektiver und gut hand­habbarer Mietspiegel. Solche gibt es in allen genannten Städten.

Tipp: Alle wichtigen Infos zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite Mietpreisbremse.

Vieler­orts sind satte Mietsenkungen drin

Die in Immobilien­anzeigen und -portalen geforderten Mieten zeigen: Viele Vermieter in den genannten Städten verlangen wohl mehr als erlaubt; vor allem in innen­stadt­nahen Gegenden mit früher geringen Mieten dürften reihen­weise satte Mietsenkungen drin sein. Beispiel: Ein Mieter aus dem Berliner Stadt­teil Neukölln erzwang vor Gericht eine Senkung der Miete um 221,09 Euro pro Monat und spart damit rund 2 650 Euro pro Jahr (Amts­gericht Neukölln, Az. 11 C 414/15, nicht rechts­kräftig).

Was müssen Interes­sierte tun?

Der Einstieg in die Miet­preisbremse über wenigermiete.de ist leicht und bequem: Interes­senten müssen nur die wesentlichen Daten zu ihrer Wohnung eingeben und erhalten sofort die vorläufige Einschät­zung, wie viel Euro Miet­ersparnis maximal drin ist. Anschließend sind etwas genauere Daten gefragt – mit diesen errechnet wenigermiete.de genau, wie viel Miet­ersparnis möglich ist. Einschränkung: Stellt sich später heraus, dass der Vormieter schon mehr gezahlt hat als heute zulässig, sinkt die mögliche Miet­ersparnis. Was der Vormieter im Rahmen des recht­lich Zulässigen gezahlt hat, darf nämlich der Vermieter auch nach den Miet­preisbrems-Rege­lungen mindestens kassieren. Lag die vor Inkraft­treten der Miet­preisbremse vereinbarte Vormiete schon so hoch oder gar höher als die jetzt fällige, ist über­haupt keine Miet­ersparnis mehr drin.

Tipp: Der Miet­preisbrems-Rechner von wenigermiete.de lässt sich kostenlos nutzen. Exklusiv ist der Service aber nicht. Der Berliner Mieterverein bietet so etwas zum Beispiel auch.

Ab wann greift die Miet­preisbremse?

Soll es wirk­lich losgehen, müssen Mieter das Unternehmen wenigermiete.de verbindlich beauftragen. Das sollten sich Interes­senten allerdings gut über­legen. Erster Schritt: Das Unternehmen schreibt den Vermieter an, weist auf die nach Daten­lage über­zogene Miete hin und verlangt Auskunft darüber, ob die Höhe der Vormiete oder eine grund­legende Sanierung der Wohnung die geforderte Miete ausnahms­weise recht­fertigen. Das ist der Auftakt für die Miet­preisbremse. Alle Mietzah­lungen, die der Vermieter vor Zugang dieses Schreibens erhalten hat, darf er in voller Höhe behalten. Erst danach greift die Miet­preisbremse.

Achtung: Mietern muss klar sein: Sobald der Vermieter das Schreiben erhält, dürfte seine Neigung, auf Mängelmeldungen oder Anfragen (Tierhaltung, Unter­vermietung, etc.) kulant zu reagieren, erheblich abnehmen. Die Miet­preisbremse zu nutzen, ist das gute Recht jedes betroffenen Mieters. Der Vermieter hat von Rechts wegen keine Möglich­keit, dies zu verhindern. Mieter müssen sich aber darauf einstellen, dass Vermieter im Gegen­zug alle ihre tatsäch­lichen und vermeintlichen Rechte zur Geltung zu bringen versuchen.

Gibt es Haken in den AGB?

Die Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) der Miet­right GmbH sind in Ordnung . Aber erst seit Kurzem: Auf Nach­frage von test.de stellte das Unternehmen nun klar, dass Mieter ihren Auftrag jeder­zeit stoppen können. Sie zahlen in solchen Fällen nichts, selbst wenn der Miet­right GmbH schon Kosten entstanden sind. Ausnahme: Führt der Einsatz von Miet­right trotz der Kündigung noch zu einer Mietsenkung, dann steht dem Unternehmen sein Honorar zu. Ansonsten endet der Auftrag erst mit Durch­setzung der Ansprüche oder ihrem Scheitern. Dem Miet­right-Kunden muss klar sein: Geht der Fall vor Gericht und womöglich auch noch über zwei oder drei Instanzen, kann sich das über Jahre hinziehen.

Wie geht Miet­right konkret vor?

Die Miet­right GmbH setzt die Miet­preisbremse entweder durch, indem sie sich die Forderungen des Mieters gegen den Vermieter abtreten lässt oder sie ihm einen Anwalt vermittelt, der den Vermieter im Namen des Mieters in die Pflicht nimmt. Wem sie was anbietet, entscheidet das Unternehmen. Recht­licher Hintergrund: Die gericht­liche Fest­stellung, dass eine Miete von nicht mehr als X Euro (X=Vergleichs­miete plus 10 Prozent) geschuldet ist, kann nur der Mieter selbst beantragen. Nur die Forderung auf Erstattung über­zahlter Miete und auf Auskunft ist abtret­bar. Im Einzel­fall kann der Unterschied aber bedeut­sam sein: Vermittelt Miet­right einen Anwalt und wird das Unternehmen nach Erhebung der Miet­preisbremsenklage insolvent, dann stehen Mieter für die Bezahlung zumindest eines Teils der Gerichts­kosten und der Anwalts­kosten des Vermieters gerade, wenn es nicht gelingt, den Rechts­streit trotz der Insolvenz zu gewinnen. Dieses Risiko besteht indes bei jeder Prozess­finanzierung.

Welche Pflichten haben Miet­right-Kunden?

Es ist Aufgabe der Miet­right-Kunden, das Unternehmen korrekt über die Wohnung und den Miet­vertrag zu informieren. Das liegt in der Natur der Sache. Macht der Kunde infolge grober Fahr­lässig­keit falsche Angaben, durch die der Miet­right GmbH ein Schaden entsteht, muss er Schaden­ersatz leisten. Kaum vermeid­bare Fehler bei der für die Benut­zung des Mietbrems­rechner nötigen Bewertung, ob und welche miet­werterhöhende und -verringernde Umstände vorliegen, sind kein Problem; das Risiko trägt die Miet­right GmbH. Auch das war zunächst nicht ausdrück­lich so geregelt, steht aber jetzt ausdrück­lich in den Geschäfts­bedingungen, nachdem test.de nachgefragt hatte.

Was passiert bei Meinungs­verschiedenheiten?

Für wichtige Entscheidungen ist die Zustimmung sowohl des Mieters als auch der Miet­right GmbH erforderlich. Will der Mieter sich etwa gütlich mit dem Vermieter einigen, geht das nur, wenn Miet­right einverstanden ist. Und umge­kehrt. Können die Beteiligten sich nicht einigen, geht der Streit mit dem Vermieter weiter, so lange die Miet­right GmbH ihn nicht für aussichts­los hält oder der Mieter den Auftrag storniert.

Fazit: Klagen ohne Risiko

Das Angebot von wenigermiete.de ermöglicht tatsäch­lich die Miet­preisbremsung ohne Prozess­kostenrisiko. Allerdings: Auch wer sich selbst einen Rechts­anwalt sucht, hat zumindest dort kein besonders hohes Kostenrisiko, wo ein gut hand­habbarer Mietspiegel gilt. Wer Mitglied im Mieter­ver­ein ist oder eine Rechts­schutz­versicherung mit Mieter­schutz hat, braucht in der Regel auch nichts für die Miet­preisbremse zu zahlen und kann die gesamte Miet­preissenkung in die eigene Tasche stecken. Wer die Sache selbst in die Hand nehmen will: Hilfe­stellung bietet test.de mit dem Special Wie Sie sich gegen zu hohe Mieten wehren.

*Zahl am 9. März 2017 korrigiert. Wir hatten von Anfang an im Text alle fünf Städte richtig genannt, in der Zwischen­über­schrift war aber irrtümlicher­weise von vier Städten die Rede.

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