Welt­sparen, Savedo & Co Test

Null- oder gar Minuszinsen müssen nicht sein. Anleger finden bei Tages- und Fest­geld immer noch akzeptable Angebote. Unsere Zinsvergleiche zeigen, welche Banken die höchsten Zinsen bieten. Über Zinsportale wie Savedo und Welt­sparen lassen sich ebenfalls Spar­angebote abschließen. Wir haben vier dieser Portale unter die Lupe genommen und fest­gestellt: Nur wenige ihrer Angebote sind gut.

1,75 Prozent Zinsen für ein fünf­jähriges Fest­geld

Zinsportale bieten Kunden bequemen Zugang zu attraktiven Tages- und Fest­geld­angeboten vor allem ausländischer Banken. Die wären sonst nicht für sie erreich­bar. So wirbt das Portal Welt­sparen zurzeit mit 1,75 Prozent Zinsen für ein fünf­jähriges Fest­geld bei der portugiesischen Banco BNI Europa aus Lissabon. Für ein Fest­geld mit einem Jahr Lauf­zeit gibt es bei der mit dem Vermitt­lungs­portal Zinspilot koope­rierenden Alpha Bank Romania aus Bukarest 1,6 Prozent.

Finanztest berück­sichtigt nur Angebote ohne Haken und Ösen

Beide Angebote über­treffen alles, was in-und ausländische Banken aktuell in Deutsch­land bieten. Doch wie sicher sind sie und gibt es irgend­welche Haken? Finanztest hat sich alle von den Portalen Welt­sparen, Savedo, Zinspilot und Zins­gold empfohlenen Zins­produkte angeschaut. Sie können einfach online abge­schlossen werden, wenn sich der Kunde einmal identifiziert hat und bei der deutschen Part­nerbank des Portals ein Verrechnungs­konto eröffnet hat. In unsere Zinsvergleiche nehmen wir aber nur sichere Angebote auf, die ohne Haken und Ösen funk­tionieren.

Wirt­schafts­kraft muss top sein

Wichtigstes Kriterium bei Zins­angeboten ist für uns die Sicherheit. Gebets­mühlenhaft vorgetragene Aussagen, dass alle Offerten gemäß EU-Recht bis 100 000 Euro pro Anleger und Bank sicher sind, beein­drucken uns nicht. Eine gemein­same europäische Haftung gibt es nämlich bisher nicht. Viele nationale Sicherungs­systeme befinden sich noch im Aufbau. Ist ein nationaler Sicherungs­topf nicht gut gefüllt, müsste das Land bei einer Bank­pleite mit seiner Wirt­schafts­kraft einspringen.

Noch kein einheitlicher Mindest­stan­dard für die Einlagensicherung

Wir bezweifeln, dass Länder, deren Wirt­schafts­kraft von den großen Rating­agenturen keine Topnoten erhält, Sparer im Schadens­fall zeit­nah entschädigen können. Frühestens 2024 werden die Sicherungs­systeme der EU-Staaten nach einer EU-Richt­linie einen einheitlichen Mindest­stan­dard haben. Bis dahin nehmen wir in unsere Tabellen nur Zins­angebote von Banken aus Ländern auf, deren Wirt­schafts­kraft von den großen Rating­agenturen durch­gehend mit „sicher“ oder „sehr sicher“ bewertet wird. Da weder Portugal noch Rumänien eine solche Bewertung erreichen, gehören die oben genannten Zins­angebote der Banco BNI Europa und der Alpha Bank Romania nicht dazu.

Angebote mit Quellen­steuer sind tabu

Keinen Platz in unseren Tabellen haben auch Angebote aus Ländern, bei denen auf Zins­zahlungen Quellen­steuer erhoben wird. Während in Ländern wie Tschechien und Irland eine Erklärung ausreicht, um den Steuer­abzug zu vermeiden, funk­tioniert das etwa in Portugal, Bulgarien und Polen nicht. Dort lässt sich ein sofortiger Abzug der Quellen­steuer nicht vermeiden. In Portugal werden Sparern ohne Ansässig­keits­bescheinigung 28 Prozent von ihren Zins­erträgen abge­zogen. Mit einer Ansässig­keits­bescheinigung des Finanz­amtes beträgt der Abzug immer noch 15 Prozent. Zwar können Anleger diese Abzüge in der Steuererklärung geltend machen. Das Finanz­amt rechnet die gezahlten Quellen­steuern aber nicht in jedem Fall voll­ständig an. Im güns­tigsten Fall kommen Sparer über die Einkommensteuererklärung erst zeit­versetzt an die voll­ständigen Zins­erträge.

Zahlung von Zinseszins ist Pflicht

Nicht in unsere Zinsvergleiche kommen Angebote, bei denen der Zins für eine mehr­jährige Anlage nicht jähr­lich, sondern erst zum Laufzeit­ende in einer Summe und ohne Zinseszins gutgeschrieben wird. Beim Fünf­jahres-Fest­geld der Banco BNI Europa würde so aus 1,75 Prozent Zins pro Jahr eine jähr­liche Rendite von nur 1,69 Prozent werden.

Dieser Artikel ist eine Zusammen­stellung zweier Print-Veröffent­lichungen aus Finanztest 1/2017 und Finanztest 5/2017. Die PDFs zu den genannten Artikeln erhalten Sie, wenn Sie unsere Zins­vergleiche Tagesgeld oder Festgeld und Sparbrief frei­schalten. Nutzer­kommentare, die vor dem 16. April 2017 gepostet wurden, beziehen sich auf eine frühere Fassung.

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