Weltdiabetestag Meldung

Heute ist Weltdiabetestag. Dieses Jahr lautet das Motto: Handeln Sie jetzt! Das ist auch bitternötig. In Deutschland steigt die ohnehin hohe Rate an Diabetes Typ 2 weiter an. Dabei könnte ein aktiver Lebensstil vielen Menschen die Diagnose ersparen. test.de sagt, wie Sie sinnvoll vorbeugen können.

Erkrankungsrate weiter gestiegen

Die Zahlen sind beängstigend: Sieben bis acht Millionen Deutsche sind derzeit an Diabetes Typ 2 erkrankt. Schätzungen zufolge kommen jährlich Hunderttausende Neuerkrankungen hinzu. Die weit verbreitete Stoffwechselstörung trifft vorwiegend Übergewichtige und Personen ab 50 Jahren. Auch Jugendliche sind aufgrund von Bewegungsmangel und Fehlernährung zunehmend betroffen. Bei Diabetes Typ 2 reagieren die Körperzellen nicht mehr empfindlich genug auf Insulin – jenes Hormon, das der Organismus braucht, um die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in das Zellinnere zu regulieren. Viele der Betroffenen sind langfristig auf Medikamente angewiesen, um den Blutzucker zu senken.

Genaue Ursachen unbekannt

Daneben sind bis zu 800 000 Deutsche an Diabetes Typ 1 erkrankt. Hier greift das körpereigene Immunsystem die Zellen an, in denen Insulin produziert wird und zerstört sie. Die genauen Ursachen für die Fehlregulation sind nicht bekannt. Erbanlagen spielen eine Rolle, meist kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu, um die Erkrankung auszulösen. Diabetes Typ 1 beginnt häufig bereits bei Kindern oder Jugendlichen, kann aber auch später auftreten. Die Bauchspeicheldrüse stellt die Produktion von Insulin ganz ein, Betroffene müssen Insulin spritzen. Auch die Zahl der Diabetes Typ 1-Erkrankungen nimmt jährlich um bis zu fünf Prozent zu. Als Auslöser werden Umweltfaktoren vermutet, etwa die Ernährung im ersten Lebensjahr.

Weitere acht Millionen gefährdet

Hinzu kommt: Geschätzte acht Millionen Deutsche tragen das Risiko in sich, an Diabetes Typ 2 zu erkranken – und wissen es oft nicht. Diese sogenannten „Prädiabetiker“ können aufgenommenen Zucker (Glukose) nur noch eingeschränkt verarbeiten und haben leicht erhöhte Blutzuckerspiegel. Pro Jahr werden zehn Prozent von ihnen tatsächlich zu Diabetikern – es sei denn, sie verändern aktiv ihren Lebensstil. Anders als der Diabetes Typ 1 kann der Typ 2 verhindert oder zumindest verzögert werden: durch Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Auch bei bereits Erkrankten kann mithilfe dieser Maßnahmen der Blutzucker reduziert werden. Etwa ein Viertel der Menschen mit Diabetes Typ 2 kämen so mit der körpereigenen Insulinproduktion aus und müsste keine blutzuckersenkenden Medikamente einnehmen. Nicht zu vergessen: Auch die durch Diabetes Typ 2 verursachten Gesundheitskosten von bis zu 30 Milliarden Euro im Jahr könnten sinken.

Schon leichtes Abnehmen hilft

Oft gehen starkes Übergewicht und Diabetes Hand in Hand. Etwa 80 Prozent der Menschen mit Diabetes Typ 2 sind übergewichtig oder adipös. „Eine nur moderate Gewichtsabnahme von etwa fünf Kilogramm kann bei Patienten bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes (...) die Stoffwechsellage deutlich verbessern“, erklärt Professor Andreas Hamann, Diabetologe an der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Empfohlen wird: mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten Bewegung, etwa Nordic Walking.

Aktiver Lebensstil effektiver als Medikamente

Auch eine groß angelegte Präventionsstudie aus den USA, das Diabetes Prevention Programm, belegt: Ein veränderter Lebensstil – sprich eine gesündere Ernährung, mehr Bewegung – beugt erfolgreicher einer Diabetes-2-Erkrankung vor als Medikamente. Nach 10 Jahren Studienverlauf zeigte sich: Diejenigen, die ihr Leben aktiver gestalteten und keine Medikamente einnahmen, profitierten am meisten. Die Neuerkrankungsrate war bei ihnen um ein Drittel reduziert gegenüber der Gruppe, die ein Scheinmedikament einnahm. Außerdem konnte die Diabetesdiagnose bei ihnen um vier Jahre hinausgezögert werden. Diesen Effekt schaffte selbst Metformin nicht: Dieses häufig verschriebene Antidiabetikum schob die Diagnose lediglich um zwei Jahre auf.

Stiftung Warentest informiert

Die Stiftung Warentest informiert regelmäßig zum Thema Diabetes, gesunde Ernährung und Sport – in Form von Tests, Medikamentenbewertung, Hintergrundreports und Büchern. Natürlich geht sie dabei auch mit der Zeit. In der Oktoberausgabe von test wurde untersucht, ob mobile Multimediageräte wie das iPhone genauso zuverlässig den Blutzucker messen können wie Standardmessgeräte (siehe Medizintechnik für iPhone und Co.).

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