Der Markt der beruflichen Weiterbildung ist im vergangenen Jahr erneut geschrumpft – und auch im Jahr 2005 rechnen die meisten Unternehmen, die Weiterbildungskurse anbieten, mit Umsatzrückgängen. Da passt es ins Bild, dass Verdi die öffentlich geförderte Weiterbildung am Scheideweg sieht. . .

Öffentliche Fördermittel erneut gekürzt

6 Milliarden Euro schwer schätzt das Beratungsunternehmen Lünendonk in seiner „ Marktstichprobe 2005“ den deutschen Weiterbildungsmarkt. Das sind rund 42 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Die Ursachen für die anhaltende Krise seien einmal die Einsparungen der Unternehmen und Behörden an Trainings- und Schulungsausgaben. Hinzu komme, dass „die öffentlichen Fördermittel für Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen weiter gekürzt wurden“, heißt es in der Pressemitteilung zur genannten Stichprobe, einer Untersuchung zu den 20 größten Anbietern beruflicher Weiterbildung in Deutschland.

Laut Studie rechnen die Anbieter für das Geschäftsjahr 2005 mit einem weiteren Umsatzrückgang. Allein ein Blick auf die Förderpolitik der Bundesagentur für Arbeit (BA) legt nahe, dass diese Einschätzung wahrscheinlich ist: Im Mai befanden sich insgesamt rund 114 000 Personen in einer geförderten Weiterbildung oder Umschulung – rund 75 000 Personen weniger als ein Jahr zuvor. Damit sei das „arbeitsmarktpolitische Instrument der Fort- und Weiterbildung (...) nahezu aufgegeben“, ließ die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in einem Bericht zur Situation in der Weiterbildung verlauten.

Die Prognose der Gewerkschaft zu den Chancen, derzeit eine geförderte Weiterbildung zu bekommen, fällt dementsprechend pessimistisch aus: Außer kurzen Trainingsmaßnahmen werde es kaum noch Kurse geben. Längere Maßnahmen und Umschulungen fördere die BA gar nicht mehr.

Diskussion über zukünftige Förderpolitik entbrannt

Die BA sieht das anders: Die Förderung von Kursen zur beruflichen Weiterbildung bleibe ein wichtiges Instrument der aktiven Arbeitsförderung, teilte sie auf Nachfrage mit. Da sie aber in Konkurrenz zu anderen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten stehe, komme eine „Weiterbildungsförderung durch die BA (...) grundsätzlich erst nach vorrangiger Prüfung anderer kostengünstigerer Instrumente (z.B. Trainingsmaßnahmen) mit vergleichbaren Eingliederungserfolgen in Betracht“, so die BA-Pressestelle. Die Arbeitsagenturen haben für das Jahr 2005 knapp 1,1 Milliarden Euro für den Bereich der Weiterbildungsförderung veranschlagt.

Gleichwohl ist auch in Nürnberg, dem Sitz der größten Behörde des Landes, die Diskussion über die zukünftige Förderpolitik der BA entbrannt: Während Vorstandsvorsitzender Frank-Jürgen Weise zum Beispiel jüngst den Erfolg von Umschulungen generell in Frage stellte, trifft das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung als BA-eigene Forschungseinrichtung eine gegenteilige Aussage: „Umschulungen (...) erhöhen die Beschäftigungswahrscheinlichkeit nach mehreren Jahren um durchschnittlich 10 bis 15 Prozent“, steht auf der Hompage des Instituts. Bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung überwögen längerfristig die positiven Effekte auf dem Arbeitsmarkt.

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