Weiterbildungsdatenbanken Test

Wer nach einer Fortbildung sucht, sollte für die Suche ausreichend Zeit einplanen. Denn nur selten bringt der erste Versuch das gewünschte Ergebnis.

Viel Mittelmaß bescheinigten wir 14 Weiterbildungsdatenbanken im Jahr 2003. Beim aktuellen Test schnitten 18 von 25 mit „sehr gut“oder „gut“ ab.

Ob Rhetorikkurs oder MS Office-Training - wer sich beruflich fortbilden will, kann heute nach einem Angebot in knapp 150 Weiterbildungsdatenbanken suchen. Vor vier Jahren waren es erst rund 60. Vor allem regionale und themenspezifische Datenbanken sind dazugekommen, darunter etliche für ganz bestimmte Zielgruppen wie jobvector.com für Naturwissenschaftler, mein-Bistum.de mit den Bildungsangeboten der Bistümer oder hotel-carreer.de für das Hotelgewerbe.

„Viel Mittelmaß“ lautete das Fazit nach unserem ersten Test von 14 Weiterbildungsdatenbanken im Jahr 2003. Das schlechte Testergebnis hat dazu beigetragen, dass Anbieter und Experten seitdem daran arbeiten, die Qualität von Weiterbildungsdatenbanken zu verbessern. Mittlerweile sind Mindeststandards für die Inhalte von Weiterbildungsdaten entwickelt und veröffentlicht worden. Die DIN-PAS 1045 (PAS=Publicly Available Specification) definiert, welche Informationen über Weiterbildungsangebote und -anbieter eine Datenbank enthalten soll. Immer mehr Betreiber orientieren sich daran. Anlass für die Stiftung Warentest, zu untersuchen, ob die Systeme tatsächlich nutzerfreundlicher geworden sind.

Zwei Landesweite siegten

In dem aktuellen Test hat die Stiftung Warentest insgesamt 25 Weiterbildungsdatenbanken untersucht, darunter zehn bundesweite, neun landesweite und drei regionale sowie drei themenspezifische. Dazu kamen zwei Anbieterdatenbanken als Sonderfälle. Unser neuer Test zeigt: Die Bemühungen haben sich gelohnt. 18 von 25 Systemen erzielten diesmal ein „gut“ oder „sehr gut“. Mit der Ausnahme von Seminare.de haben sich alle Systeme im Wiederholungstest um mindestens eine Note verbessert. Nicht nur in Suche und Handhabung sind die Datenbanken inzwischen ausgereifter. Auch wichtige Zusatzinformationen rund um das Thema Weiterbildung bereichern heute häufig das Angebot.

Eindeutige Testsieger sind die landesweiten Weiterbildungsdatenbanken Mecklenburg-Vorpommern und das Hamburger Kursportal Wisy. Beim letzten Test hatten beide noch befriedigend abgeschnitten. Heute erfährt der Nutzer hier nicht nur alle wichtigen Informationen über Datenbank, Angebote und Anbieter. Sie sind auch bedienerfreundlich und ermöglichen eine optimale Suche. Dafür bekamen sie das Qualitätsurteil „sehr gut“. Auffällig ist auch das Gesamtergebnis der landesweiten, nicht-kommerziellen Datenbanken. Acht von neun Systemen haben wir mit „gut“ bewertet. Dagegen konnten wir nur fünf von zehn bundesweiten Systemen eine gute Qualität bescheinigen. Diese sind in der Regel kommerzielle Systeme von Privatabietern. Ausnahmen sind Kursnet der Bundesagentur für Arbeit und Wis der Industrie- und Handelskammern.

Eindeutiger Verlierer ist der private Anbieter eoculus. Hier fehlten sowohl Informationen über die Datenbank und die Anzahl der Anbieter. Außerdem stuften wir das System als wenig nutzerfreundlich ein. Diesem Anbieter bescheinigten wir nur eine „ausreichende“ Qualität.

Zu wenig Infos über Datenbank

Je genauer der Betreiber über Inhalt und Zielgruppen informiert, desto schneller erkennt der Interessent, ob er hier zum Ziel kommt. Deshalb sind auch die Informationen über die Datenbank selbst wichtig. Bei der Datenbank aus Mecklenburg-Vorpommern steht auf der Startseite alles Wesentliche. Am 27. November 2006 etwa erfährt man, dass die Datenbank am selben Tag aktualisiert wurde, 5324 Angebote enthält, davon 478, die man mit einem Bildungsgutschein in Anspruch nehmen kann. 476 Anbieter und ihre regionalen Außenstellen sowie 280 Dozenten lassen sich recherchieren.

Mit 317 000 Angeboten ist Kursnet die größte Weiterbildungsdatenbank. Die Zahl von 600 000 Veranstaltungen auf der Startseite beruht auf einer Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit.

Fünf Anbieter informierten dagegen über sich nur „ausreichend“. Bei eoculus lassen sich weder Zahlen über Anbieter noch das Datum der letzten Aktualisierung finden.

Suche oft ungenau

Wer nach einer Fortbildung sucht, sollte für die Suche ausreichend Zeit einplanen. Denn nur selten bringt der erste Versuch das gewünschte Ergebnis. Das zeigt auch folgendes Beispiel: Bei der Eingabe „Frauen“ und „Rhetorik“ wirft Ende November 2006 Kursnet der Bundesagentur für Arbeit 21 Kurse aus, die fast ausschließlich an Volkshochschulen laufen. Gibt man jedoch die Begriffe in umgekehrter Reihenfolge an - also erst „Rhetorik“ und dann „Frauen“ - spuckt das System nur vier Veranstaltungen aus.

Unter den Stichworten „Frauen“ und „Rhetorik“ findet man im Seminarspiegel immerhin 138 Kurse, darunter jedoch auch inhaltlich so anders ausgerichtete Angebote wie „Zertifizierter Lehrgang Geprüfte Management-Assistentin“ oder „Bogenschießen - Führen mit Zielen“. Noch erstaunlicher sind die Vorschläge des Systems „allekurse.de“, die von „Flirten macht glücklich“ bis zum „Cool Summer Flirt - Flirttraining“ reichen. Die Beispiele zeigen: Längst nicht alle Datenbanken enthalten alle Angebote und filtern auch tatsächlich das gewünschte Training heraus. Deshalb sollte man auf jeden Fall in mehr als einer Datenbank suchen und unter Umständen verschiedene Suchbegriffe oder Kombinationen versuchen.

Antiquiertes System für Fernlerner

Wenig Alternativen hat, wer sich für einen Fernlehrgang interessiert. Denn das System der Zentralstelle für Fernunterricht gibt als einziges einen vollständigen Überblick aller Angebote, doch gerade die Funktionen Suchen und Eingrenzen bemängelten wir. So kann man zum Beispiel einen Kurs nur über die sehr simple Volltext-Suche finden. Negativ fiel hier auch die antiquierte Darstellung und sehr umständliche Handhabung auf.

Datenbank für VHS-Fans

Mehr als 1300 Anhänger von Volkshochschulkursen forschen täglich in der Datenbank meine.vhs.de vor allem nach Englisch-, Spanisch- und Computerkursen. Pro Semester kann man sich hier über etwa 170.000 Kurse informieren. Bisher jedoch stellen nur rund 400 der 1 000 Volkshochschulen ihre Kurse hier online. Wer zum Beispiel in München wohnt, sucht umsonst und muss auf die Website der dortigen VHS zurückgreifen.

In unserem Test ist meine-vhs.de ein Sonderfall, denn sie verlinkt auf Angebote und Anbieter. Wer etwa im Postleitzahlbereich „10“ nach „Rhetorik“ und „Frauen“ sucht, findet drei Kurse bei der VHS des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Vom Ergebnis kann der Bildungssuchende direkt zum Angebot der regionalen VHS klicken. Die Kursinformationen und ihre Darstellung werden durch den Anbieter der Weiterbildung bestimmt, in diesem Fall also durch die VHS Charlottenburg-Wilmersdorf.

Da meine-vhs.de keine weiteren Informationen über das Angebot enthält und wir für diese Kategorie kein Gruppenurteil geben können, fehlt sie in unserer Tabelle. Für Bedienbarkeit, Suche und Eingrenzen gab es hier ein „gut“. Wer also seine Fortbildung nur bei der VHS machen möchte, kann auf diese Weise zumindest einen schnellen Überblick über die Kurse in seinem Wohnort gewinnen.

Bei www.it-fortbildung.com handelt es sich um eine Anbieterdatenbank, die auf Anbieter im IT-Bereich verlinkt. Wer zum Beispiel nach spezieller Software-Schulung sucht, wird hier schnell fündig und kann sofort direkt Kontakt zum Anbieter aufnehmen. Die Information über die Datenbank selbst erzielte ein „befriedigend“, bei Bedienbarkeit, Suche und Eingrenzen ein „gut“ Trotz einiger Nachteile wie fehlender Schlagwortsuche empfehlen unsere Experten das System als eines der besten im IT-Bereich.

Zehn Systeme bieten wichtige Zusatzinfos

Immer mehr Datenbanken informieren auch rund um die Themen und Weiterbildung. Für diesen wichtigen Zusatznutzen haben wir 16 Systeme aufgewertet. Einer der beiden Testsieger, das Bildungsnetz Mecklenburg-Vorpommern, etwa bietet jenseits der Angebots-Datenbank nicht nur Nachrichten, Hinweise auf Veranstaltungen und einen Newsletter. Es gibt auch eine „Infothek“ zu Fragen von Zertifzierung und Bildungsfreistellung und eine „Online-Beratung“ zu Bildungsangeboten.

Auch die Datenbank-Nutzer sind zu 57 Prozent mit den Zusatzinfos ihrer Weiterbildungsdatenbanken zufrieden. Das zeigt eine neue Studie der Meta-Suchmaschine Infoweb Weiterbildung, die folgendes Portrait vom modernen Nutzer entwirft. Wer in diesen Systemen surft, ist im Durchschnitt 37 Jahre alt, bringt eine gute Ausbildung mit, außerdem einen Job und Weiterbildungserfahrung. Fast 60 Prozent der Nutzer sind Frauen. Insgesamt haben elf Prozent der Befragten nach der Suche in einer Datenbank auch eine Weiterbildung belegt. Im Durchschnitt sind die Interessierten bereit, 1 245 Euro für ihre Weiterbildung auszugeben.

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