Weiterbildungs­daten­bank Sprin­gest Schnelltest

Weiterbildungs­daten­banken helfen Lernwil­ligen, im riesigen Angebot beruflicher Qualifikation den passenden Kurs zu finden. Neu auf dem Markt ist die Daten­bank Sprin­gest. Sie verspricht Zusatz­nutzen zur reinen Such­funk­tion. Fach­artikel informieren zu Bildungs­themen, die Nutzer können Fragen stellen und Kurs­bewertungen abgeben. Die Weiterbildungs­experten der Stiftung Warentest haben das Portal einem Schnell­test unterzogen. Fazit: Bei der Kurs­suche, dem Kern­geschäft einer Daten­bank, versagt Sprin­gest kläglich.

In der Kern­kompetenz nicht konkurrenz­fähig

Das Weiterbildungs­portal Sprin­gest, das seit April 2012 in Deutsch­land online ist, steht in Konkurrenz zu etwa 200 weiteren Internet­seiten dieser Art. Das Prinzip dieser Portale: Es präsentiert allen, die nach einem Seminar für Weiterbildungs­zwecke suchen, eine nach ihren Kriterien maßgeschneiderte Auswahl an Kursen. Das macht die Entscheidung im Ideal­fall einfacher. Mehrere Mausklicks genügen meist, um sich mithilfe einer Daten­bank im Dschungel der vielfältigen Weiterbildungs­angebote zurecht zu finden. Ausgerechnet in dieser Kern­kompetenz schneidet Sprin­gest aber schlecht ab. Auf den ersten Klick scheint alles leicht und logisch: In der Suchmaske das Thema der Wunsch-Weiterbildung eingeben und die Auswahl eventuell nach Region und Budget eingrenzen, da sollte der Nutzer schnell fündig werden. Doch die Suche endet oft mit mehr Fragezeichen als sie begonnen hat.

Selbst Adam Riese käme durch­einander

Ein Grund: die wider­sprüchlichen Angaben zu Angebots- und Anbieter­umfang. Sprin­gests Zähl­weise ist nicht schlüssig. Bei der Beispiel­suche zum Kenn­wort „Ernährung“ im November 2012 findet das Portal angeblich insgesamt 138 Seminare. In der linken Leiste werden die Ergeb­nisse aufgeschlüsselt, zum Beispiel nach Region, Start­datum oder Kurs­typ – und lassen sich dank dieser Navigations­hilfe den eigenen Präferenzen entsprechend gezielter ansteuern. Über­schlägt der Hobby-Mathematiker die angegebenen Zahlen spaßes­halber zum Vergleich, kommt er aber auf verwunderliche Werte. Betrachtet er beispiels­weise die Kurse, die nach ihrem Beginn sortiert wurden, kommt selbst Adam Riese nur auf sechs statt auf knapp 140 Angebote: einer beginnt im November, einer im Januar, zwei starten im Mai, einer im August und ein weiterer im September. Spielt er das Rechen­exempel anhand der Regionen durch, beläuft sich das Resultat dagegen auf stolze 190 Kurse. Nach­voll­zieh­bar wird das selbst nach längerem Hin- und Herrechnen nicht. So erscheint auch die Angabe, dass sich bei Sprin­gest zum Stichtag im November 2012 rund 25 000 Kurse in der Daten­bank befanden, nicht besonders vertrauens­erweckend.

Sucher­gebnisse ohne Sinn

Auch die Genauigkeit der Treffer lässt zu wünschen übrig. So findet sich bei der Test-Suche nach „Ernährung“ zwar Stimmiges wie „Berater für Ernährungs­management“ oder „Grund­wissen Ernährungs­lehre“ auf. Allerdings tauchen über­raschender­weise auch „Office Aktiv“ – die Vorbereitung auf den Europäischen Computer­führer­schein –, „Wirkungs­voll und über­zeugend präsentieren“, der Sprach­kurs „English for Nursing“, eine Burnout-Prävention sowie der „Umgang mit Hunden“ in die Liste auf – zum Teil ziemlich weit vorn unter den vermeintlichen Treffern. Mit dem Weiterbildungs­thema der Wahl haben diese Vorschläge wenig zu tun. Absurdes fanden die Weiterbildungs­experten der Stiftung Warentest auch bei vielen der anderen geprüften elf Stich­worte. Probehalber haben sie nach häufig gesuchten Begriffen wie Stress­bewältigungs­seminaren, Buch­führungs­kursen, Schu­lungen für Excel-Anwender oder Eng­lisch-Lehr­gängen gesucht. Doch auch hier ergaben etliche Anfragen Absonderliches.

Gesucht – gefunden – kaum informiert

Haben Nutzer dennoch einen geeigneten Kurs ins Auge gefasst, enttäuschen zuweilen die Informationen zum ausgesuchten Angebot. Bei Sprin­gest können die Weiterbildungs­institutionen die Daten selbst einpflegen. Es bleibt ihnen über­lassen, wie sie sich und ihre Inhalte präsentieren. Deshalb unterscheiden sich die Informationen qualitativ und im Umfang zum Teil erheblich. Sprin­gest selbst scheint fehlende Angaben nicht einzufordern. Nach Ansicht der Weiterbildungs­experten der Stiftung Warentest ist es aber Pflicht des Daten­bank­betreibers, für Voll­ständig­keit und Aktualität der Informationen zu sorgen. Zu den Mindest­stan­dards gehören Kurs­bezeichnung, Angebots­form, eine Inhalts­beschreibung, die Kosten, Dauer und mögliche Zugangs­voraus­setzungen. Selbst die sind mitunter bei Sprin­gest nicht vorhanden.

Kommentieren und Gutes tun

Einen Mehr­wert sollen dem Nutzer die zusätzlichen Features bieten, die über die reine Daten­bank­funk­tion hinaus­gehen. So können Seminar­teilnehmer Bewertungen abgeben – was gut ist. Das kann anderen bei der Auswahl eines Weiterbildungs­angebots helfen. Die Bewertungen spielen aber nicht nur für den User eine Rolle. Viele, insbesondere positive Kommentare bringen die Kurse im Ranking nach vorn. Damit steigen die Chancen, gefunden zu werden. Den Testern ist aufgefallen, dass große, renommierte Anbieter auf Sprin­gest oft noch nicht bewertet wurden, kleinere dagegen oft sehr gut wegkommen – manchmal auch entgegen der Test­ergeb­nisse der Stiftung Warentest.

Manipulation der Bewertungen möglich?

Da stellt sich die Frage: Ist an dieser Stelle eine Manipulation möglich? Sprin­gest versichert, dass das nicht der Fall ist. Kommentare könne nur posten, wer sich über seine Mail-Adresse, seinen Facebook- oder Linkedin-Account identifiziert und angibt, wann er an dem betreffenden Kurs teil­genommen hat. Netter Neben­effekt: Für jedes State­ment spendet Sprin­gest einen Euro an die gemeinnützige Stiftung Edukans, die sich für bessere Bildungs­chancen von Kindern in Entwick­lungs­ländern einsetzt.

Fragen ohne Antworten

Aktiv beteiligen können sich die Portal-Besucher auch über die sogenannte Fragen-Box. Wer Rat braucht, sollte hier richtig sein. Schade ist aber, dass die meisten Fragen offen­bar unbe­antwortet bleiben. Im November 2012 hatten 48 Nutzer etwas von Sprin­gest-Experten oder anderen Bildungs­erfahrenen wissen wollen. Nur 14 haben tatsäch­lich eine Antwort bekommen.

Prüfe dich selbst

Springest präsentiert sich als „Such­maschine für persönliche Entwick­lung“. Nicht jedem ist klar, wo der eigene Karrierepfad hinführen könnte. Folge­richtig können Nutzer auf dem Portal Persönlich­keits­tests absol­vieren, um dem auf die Spur zu kommen. Etwa 25 bis 30 Fragen sind in Sparten wie Lern­stil, Time-Management oder Selbst­erkennt­nis zu beant­worten. Die Auswertung gibt es dann nach Angabe der eigenen Mail-Adresse. Sie ist aber eher dürftig. Beispiel Business-English: Wer die 20 banalen Grammatik-Fragen wie „Ergänze: who/which/what“ in dem Satz „Everyone .... attended the presentation found it very useful“ beant­wortet hat, bekommt am Schluss lediglich seinen Score, also die Anzahl richtiger Antworten, mitgeteilt. Wo lag ich falsch, welche Option wäre richtig gewesen? Fehl­anzeige. Als Hilfe taugen solche Tests daher wohl weniger. Wer den eigenen Fähig­keiten und Talenten auf die Spur kommen will, ist bei wissenschaftlich stärker unterfütterten Persönlich­keits­prüfungen besser aufgehoben. Einige Eignungstests hat die Stiftung Warentest geprüft.

Informationen mit Vorsicht genießen

Das Portfolio neuer Features wird bei Sprin­gest abge­rundet durch Infos zu Fördermöglich­keiten und Fach­artikeln. Die Informationen zu den Fach­artikeln sind aber mit Vorsicht zu genießen sind: Sie stammen oft von Fachleuten, die damit aber auch eigene Marketing­interessen verfolgen. Das sollten Nutzer beim Lesen im Hinterkopf behalten.

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