Erstmals seit Ende der 90er Jahre ist die Teilnahmequote in der Weiterbildung wieder gestiegen. Laut einer Studie im Auftrag des Bildungsministeriums kletterte die Quote auf 43 Prozent. Bis zum Jahr 2015 soll die 50-Prozent-Marke erreicht werden – zum Beispiel mit Hilfe neuer Formen bei der Finanzierung beruflicher Weiterbildung.

Laut der Studie nahm die Teilnahmequote in der Weiterbildung in den vergangenen drei Jahren um zwei Prozentpunkte auf 43 Prozent zu. In der beruflichen Weiterbildung, der Form der Fortbildung also, die im Gegensatz zur allgemeinen und politischen Weiterbildung eindeutig berufliche Kenntnisse ergänzt oder vertieft, stabilisierte sich die Quote bei einem Wert von 26 Prozent. Zuvor sank die Teilnahmequote in der Weiterbildung von 1997 bis 2003 von 48 auf 41 Prozent. Die Studie basiert auf zwei Erhebungen mit insgesamt 10 500 Befragten in der Zeit vom März bis Juli des laufenden Jahres und wird im Dezember vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht.

Neue Finanzierungsformen im kommenden Jahr

Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, nimmt die positive Nachricht zum Anlass, weiter gehende Ziele zu verkünden: „Diesen Schwung wollen wir nutzen und die Beteiligung an Weiterbildung in Deutschland bis zum Jahr 2015 auf 50 Prozent erhöhen.“ Die für das kommende Jahr geplante Einführung des Weiterbildungssparens, der Weiterbildungsdarlehen und der Erweiterung des Vermögensbildungsgesetzes ( test.de berichtete) werde dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen, sagte Storm.

Laut einer weiteren, bereits veröffentlichten Studie im Auftrag des BMBF, die eine Übersicht zu aktuellen Trends im Bereich der Weiterbildungsfinanzierung in ausgewählten europäischen Ländern gibt, liegt die Bundesregierung insbesondere mit dem Instrument des Weiterbildungssparens im internationalen Mainstream. Demnach sei „ein ganz zentraler Trend“ in Europa, unmittelbar Geldleistungen zur Finanzierung von Weiterbildung zu vergeben – meist in Verbindung mit Eigenleistungen der Teilnehmenden. Weitere Formen der Weiterbildungsfinanzierung – ob Darlehen, Fonds, Bildungssparen in Analogie zum Bausparen oder Steuervergünstigungen – seien demgegenüber eher selten und wenig nachgefragt, heißt es in der Studie.

Frage der Teilnahme oder Nichtteilnahme hängt meist am Geld

Wie zentral funktionierende Finanzierungsinstrumente für das Wachsen der Teilnehmerzahlen in der Weiterbildung sind, zeigt ein weiteres inhaltliches Detail der Studie, die vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) erstellt wurde: Demnach sind die Kosten der vorrangige Grund für eine Nichtteilnahme an einer Weiterbildung; familiäre Gebundenheit, fehlende Kooperation des Arbeitgebers und mangelnde Zeit folgen auf den Plätzen.

Insgesamt konstatiert das Fibs dem BMBF, sich mit seiner neuen Strategie zur Weiterbildungsfinanzierung „in den internationalen Modellrahmen und die gewonnenen Erfahrungen“ einzureihen. Für benachteiligte Zielgruppen, namentlich Alte und bildungsferne Milieus, aber auch Mitarbeiter in Klein- und mittelständischen Betrieben, sieht das Institut gleichwohl Nachholbedarf: Es sei davon auszugehen, dass „nicht alle der wichtigsten Zielgruppen damit erreicht werden können, insbesondere die gering qualifizierten und einkommensschwächsten, d.h. die Sozialhilfeempfänger. Dies gilt u.a. aufgrund des begrenzten Finanzbudgets, aber vor allem aufgrund der erwarteten Eigenbeteiligung“, heißt es in der Studie. Das Fibs betont in diesem Zusammenhang die wichtige Rolle von geeignetem Marketing und PR-Strategien sowie von einer adäquaten Information und Beratung. Für Mitglieder bildungsferner Milieus könne zudem die persönliche Ansprache ein Mittel sein, um diese zur Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen zu bewegen.

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