Weiterbildungs-Datenbanken Test

Wer sich beruflich weiterbilden will, brauchtden passenden Kurs. Ihn zu finden, ist aber gar nicht so leicht. Unser Test von 14 Weiterbildungsdatenbanken offenbart viel Mittelmaß.

Seit Anfang 2003 ist die Suche nach einem Kurs für die berufliche Weiterbildung schwieriger geworden. Die Branche befindet sich im Umbruch, ausgelöst durch die Hartz-Reform. Danach dürfen Arbeitsämter Arbeitslose nicht mehr wie früher einfach in eine Weiterbildungsmaßnahme vermitteln. Sie geben dem anspruchsberechtigten Arbeitslosen nun einen Bildungsgutschein. Der berechtigt ihn, an einem Kurs teilzunehmen, verpflichtet ihn aber auch, sich in der Regel innerhalb von drei Monaten selbst ein Seminar zu suchen und den Gutschein dort einzulösen.

Außerdem bezahlt das Arbeitsamt nur Kurse, die den Teilnehmern eine konkrete Perspektive verschaffen, wieder einen Job zu bekommen. Das heißt, mindestens 70 Prozent der Besucher sollten sechs Monate nach Kursende nicht mehr arbeitslos gemeldet sein.

Wer nach einem Anbieter sucht, bei dem er den Gutschein einlösen kann, muss nun viel Eigeninitiative aufbringen. Er hat zwei Möglichkeiten, um das richtige Angebot zu finden: Entweder er besorgt sich beim Arbeitsamt oder in einer Beratungsstelle eine Liste mit entsprechenden Angeboten. Oder er recherchiert selbst im Internet in einer der inzwischen mehr als 60 meist öffentlich geförderten kostenlosen Datenbanken.

Fünf Millionen Besucher jährlich

Weiterbildungs-Datenbanken Test

Das tun jährlich etwa fünf Millionen Nutzer – nicht nur Arbeitslose, sondern auch Arbeitnehmer aus beruflichem Interesse. Etwa die Hälfte der Datenbanken informiert über bundesweite Angebote, dar­unter etliche thematisch so spezialisierte wie für die Speditionsbranche. Die andere Hälfte bietet nur Kurse in einer Region oder in einem Bundesland. Die mit Abstand größte Datenbank mit mehr als 520 000 Angeboten ist KURS von der Bundesanstalt für Arbeit.

Klein oder groß, öffentlich oder privat, regional oder bundesweit – welche Weiterbildungsdatenbank sich für wen am besten eignet, hängt vom Einzelfall ab. Die optimale Datenbank, die für jeden alle Informationen bereithält, gibt es im deutschsprachigen Raum noch nicht.

Wegen Inaktualität am „Gut“ vorbei

Weiterbildungs-Datenbanken Test

Unter den vier besten im Test sind zwei landesweite – die der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg – und zwei bundesweite, kommerzielle Datenbanken: Seminarmarkt und Seminus. Obwohl auch sie noch nicht optimal sind, zeigt sich hier, was der moderne Nutzer braucht: möglichst viele, gut aufbereitete aktuelle Daten. Wer sich auf Inhalte und Termine verlässt, die längst verjährt sind, und nicht beim Anbieter nachfragt, zieht leicht den schwarzen Peter. Zu viele inaktuelle Termine haben zur Abwertung des Fortbildungsnetzes Mecklenburg-Vorpommern geführt, das ansonsten ein „gutes“ test-Qualitätsurteil bekommen hätte.

Fast durchgehend „befriedigend“

Fast alle Weiterbildungsdatenbanken kassierten im wichtigsten Prüfpunkt, bei den Informationen über Bildungsangebote und -anbieter, ein „befriedigend“. Nur Seminus erhielt hier die Note „gut“. Diese Datenbank erlaubt es, sich mit wenigen Klicks zum Beispiel einen Überblick über Kurse in Berlin zum Thema Architektur zu verschaffen. Und der Suchende kann dann zwischen detaillierten Anbieterporträts auswählen. Die meisten für Behinderte wichtigen Details – wie Hinweise auf rollstuhlgerechte Gebäude – liefert KURS.

Zusatzinformationen sparen Zeit

Auch die Informationen über die Datenbank selbst sind wichtig. Je genauer der Betreiber über Inhalt und Zielgruppen informiert, desto schneller erkennt der Interessent, ob er hier zum Ziel kommt. Ein sehr gutes Ergebnis erzielte hier Seminarmarkt, der sich als Datenbank speziell „für die Mitarbeiter- und Führungskräftequalifizierung“ vorstellt. Nützlich kann auch eine Statistik über die Zahl von Anbietern und Kursen sein, wie sie Seminus bereithält: Die Information, am 5. Mai 2003 gab es 2 041 Seminare in Nordrhein-Westfalen, aber nur eins in Schleswig-Holstein, erspart einem Suchenden in Kiel Mühe und Zeit.

Die Suche könnte bequemer sein

Besonders viel zu beanstanden hatten unsere Tester bei den Suchfunktionen. Als zu kompliziert und unverständlich empfanden sie zum Beispiel die Suche bei der Seminarbörse. Dort fanden sie weder eine Einführung noch einen auf Webseiten mittlerweile gängigen FAQ-Bereich (frequently asked questions, also häufig gestellte Fragen). Nicht einmal die Hälfte aller Datenbanken bietet eine erweiterte Suchfunktion. Schwierig gestaltet es sich auch, wenn Verknüpfungsmöglichkeiten fehlen. Beim Marktplatz Berufliche Fortbildung Baden-Württemberg etwa kann man nicht gleichzeitig Ort und Suchbegriff eingeben.

Auf richtige Rechtschreibung achten

Unausgereift ist bei vielen Systemen auch der Umgang mit falscher Rechtschreibung. Ein Beispiel: Fragt der Nutzer in der Seminarbörse nach einem PC-Kurs „ofice“ (anstatt von Office), findet das System keinen Kurs. Denn es hat das falsch geschriebene Wort als ernst zu nehmenden Suchbegriff interpretiert. Viel servicefreundlicher wäre ein Vorschlag wie „Meinen Sie vielleicht ...?“ oder wenigstens „Überprüfen Sie die Schreibweise!“.

Die meisten sind schnell

Geschwindigkeit ist bei den meisten Datenbanken weniger ein Problem als die Barrierefreiheit, also die Zugänglichkeit der Internetseiten etwa für Sehbehinderte und Blinde. Und in einem weiteren Punkt besteht Nachholbedarf: In Zeiten der Wirtschaftsflaute braucht der Nutzer verlässliche Informationen darüber, ob ein Kurs stattfindet oder kurzfristig ausfällt. Doch die sucht er bisher vergeblich.

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