Weiterbildung zum Wellnesstrainer Test

Wer als Wellnesstrainer Massagen und andere Wohlfühldienstleistungen fachgerecht durchführen will, muss sein „Handwerk“ lernen. Ein Kurs von wenigen Tagen ist da kaum geeignet.

Am Morgen steht Aquafitness mit Senioren auf ihrem Programm, mittags verwöhnt sie drei verspannte Mütter mit Massagen und Thalassobädern, abends führt sie Manager mit Qi Gong zur Entspannung – als Wellnesstrainerin im „Ringhotel am See“ im brandenburgischen Sommerfeld bedient Silva Schröder eine ganze Palette von Wohlfühldienstleistungen. „Gefragt sind bei uns Allrounder“, sagt die 32-Jährige, die den Wellnessbereich des Vier-Sterne-Hotels leitet und fünf Mitarbeiter hat. „Wer nicht fähig und bereit ist, alles zu machen, ist hier falsch am Platz.“

Die Aufgaben eines Wellnesstrainers können von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz unterschiedlich sein. Denn was er genau wissen und können muss, ist bis heute nicht festgelegt. So viel lässt sich sagen: Anders als der Wellnessberater sollte der Wellnesstrainer nicht nur über verschiedene Wellnessangebote informieren, sondern Anwendungen und Kurse wie Massagen, Körperpackungen, Atem-, Entspannungs- und Bewegungsübungen auch praktisch durchführen können. Außerdem sollte er seine Kunden zu Eigeninitiative motivieren und anleiten, sodass der gestresste Geschäftsmann seine Entspannungsübungen auch allein absolvieren kann.

Ein klar umrissenes Berufsbild fehlt

Weiterbildung zum Wellnesstrainer Test

Noch vieles ist ungeordnet in der wachsenden Wellnessbranche. Für den Wellnesstrainer gibt es in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Ein klar umrissenes Berufsbild fehlt ebenso wie allgemeingültige Ausbildungs- und Prüfungsstandards. Das lässt Anbietern von Weiterbildungen zum Wellnesstrainer bei der Gestaltung ihrer Kurse freie Hand. Da können esoterische Inhalte im Stundenplan stehen, ohne dass diese im Unterricht kritisch hinterfragt werden, oder Lehrgänge rein theoretisch ausgerichtet sein. Die Teilnehmer können dann zusehen, wie und wo sie praktische Erfahrungen sammeln. Die Grenze der Seriosität ist schnell überschritten.

Grund genug für die Stiftung Warentest, genauer hinzuschauen. Wir haben die Anbieter der bundesweit existierenden Weiterbildungen zum Wellnesstrainer schriftlich befragt und Kursdauer, Preise, Zielgruppen, Voraussetzungen für die Teilnahme und angekündigte Lehrinhalte miteinander verglichen.

Vorneweg eines: Ohne anerkannte Ausbildung, im Idealfall in einem Gesundheitsberuf, macht eine Weiterbildung zum Wellnesstrainer wenig Sinn. Denn zum einen erfordert der Beruf soziale und kommunikative Fähigkeiten und damit zusammenhängend auch eine gewisse Reife. Leider machen darauf nur wenige der befragten Anbieter aufmerksam, auch ein Mindestalter legen die wenigsten fest. Zum anderen handelt es sich um eine Zusatzqualifikation, die in Form einer Weiterbildung erworben wird. Lediglich bei medi-wellness ist die Weiterbildung zum medizinischen Wellnesstrainer mit einer Ausbildung zum Heilpraktiker verknüpft. Vielfach ist in den Informationen der Anbieter von einem „Studium“ die Rede. Aufgepasst - es handelt sich dabei nicht um ein akademisches Studium.

Nur ausgebildet in die Weiterbildung

Weiterbildung zum Wellnesstrainer Test

Die Weiterbildungen haben unterschiedliche Zielgruppen. Vielfach wird ein Gesundheitsberuf vorausgesetzt, wie es zum Beispiel beim Verband Physikalische Therapie der Fall ist. Seine Kurse richten sich ausschließlich an Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister. Andere Anbieter wenden sich darüber hinaus auch an Personen mit medizinischer, kosmetischer, pflegerischer, sportlicher oder touristischer Berufsausbildung. Einige eher kürzere Weiterbildungen fassen vor allem Sport- und Gymnastiklehrer sowie Trainer als Teilnehmer ins Auge. Mehrere Anbieter sprechen allerdings auch Quereinsteiger ohne Vorkenntnisse an. „Ein Quereinstieg ist ausdrücklich nicht zu empfehlen. Wer sich ohne Vorkenntnisse weiterbildet, kann anschließend kaum mit einer Stelle rechnen“, sagt Julia Scharnhorst vom Fachbereich Lernen und Bildung des Deutschen Wellness Verbands (DWV). „Ein Praktikum kann die Berufschancen zwar verbessern, es sollte dann aber mindestens vier Wochen dauern und auch wirklich im Wellnessbereich und nicht im Büro oder an der Rezeption stattfinden. Grundsätzlich jedoch sollte die Basis für eine Weiterbildung zum Wellnesstrainer eine Ausbildung in einem verwandten Beruf sein.“

Wer auf der Suche nach einer Weiterbildung zum Wellnesstrainer ist, mag zunächst die Vielzahl unterschiedlicher Kurstitel verwirrend finden. Da ist längst nicht nur vom Wellnesstrainer die Rede, sondern vom Medic Welltrainer, BodySense Wellness Trainer, Vital- und Wellnesstrainer oder Spa & Wellness-Trainer.

Einige Anbieter werben mit Zusätzen wie „staatlich anerkannt“ oder „staatlich geregelt“. Aber Vorsicht: Tatsächlich gibt es keine einheitlichen staatlich geregelten Aus- oder Weiterbildungen und Prüfungsordnungen zum Wellnesstrainer.

Bei Fernlehrgängen bedeutet „staatlich geprüft“ in der Regel, dass der Lehrgang bei der Zentralstelle für Fernunterricht individuell zugelassen ist.

Auch Anbieter von Präsenzkursen können auf Antrag mit ausgewählten Weiterbildungen geprüft und individuell staatlich anerkannt werden; zuständig sind die Bundesländer. Eine solche Anerkennung, wie sie beispielsweise medi-wellness für seinen Wellnesstrainerkurs besitzt, ermöglicht den Teilnehmern Meister-Bafög zu beantragen.

Ohne Branchenerfahrungen wird es schwierig

Wie unterschiedlich Wellnesstrainer qualifiziert sein können, lässt sich an der Kursdauer ablesen. Das Spektrum reicht von der 6-Tages- bis zur 24-monatigen Vollzeitweiterbildung inklusive Praktikum. Kurse von sechs bis zehn Tagen Dauer sind eindeutig zu kurz, um im Anschluss daran Wellnessanwendungen fachgerecht durchführen zu können. „Das sind Schnupperkurse“, sagt Lutz Hertel, Vorsitzender des DWV. „Wer etwas aus diesem Beruf machen will, sollte in eine längere Weiterbildung investieren.“ Je nach Kursdauer kostet eine Weiterbildung zwischen 750 und 16 000 Euro. Vorab ist unbedingt zu erfragen, welche Zusatzkosten für Lehrmaterialien, Erste-Hilfe-Kurse und Hotelübernachtungen entstehen könnten. Die Weiterbildung muss nicht zwangsläufig aus eigener Tasche finanziert werden. Nachfragen kann sich lohnen. Vielfach ist die Teilnahme mit einem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit möglich. Daneben gibt es verschiedene kommunale Förderprogramme, die Arbeitslosen eine verbilligte Kursteilnahme gewähren. Bei einigen Anbietern kann eine Förderung durch Meister-Bafög oder den Berufsförderungdienst der Bundeswehr beantragt werden.

Wenige Anbieter liefern detaillierte Informationen über die Kursinhalte, auch exakte Stundenpläne werden nicht von allen zur Verfügung gestellt. Das ist für die Kursauswahl aber unbedingt notwendig. Schwerpunkte in fast allen Kursen sind die Themen Bewegung, Entspannung, Massagen und Ernährung. Im Kursprogramm vieler Anbieter fehlen medizinische Grundkenntnisse. Das ist bedenklich und trifft leider auch auf Lehrgänge zu, in denen Vorkenntnisse in dieser Richtung nicht vorausgesetzt werden. Auch die Themen Berufskunde und Recht sind nicht überall vorgesehen. Gerade im Hinblick auf das fehlende Berufsbild ist das problematisch.

Eine Weiterbildung zum Wellnesstrainer sollte einen hohen Praxisanteil haben, Experten fordern mindestens ein Drittel. Viele Anbieter kommen dieser Anforderung nach – in Form von praktischen Übungen zum Beispiel. Teilweise wird ein Praktikum empfohlen, teilweise ist es Pflicht. Bei einigen Anbietern müssen praktische Erfahrungen bereits vor der Weiterbildung nachgewiesen werden.

Als Wellnesstrainer ins Kloster?

Achten Sie bei der Auswahl einer Weiterbildung unbedingt auf die Qualifikation der Dozenten. Es reicht aus Sicht der Stiftung Warentest nicht aus, wenn ein Heilpraktiker medizinische und psychologische Grundlagen lehrt oder ein Masseur über Entspannungstechniken referiert. Die Dozenten sollten in den Fächern, die sie unterrichten, beruflich qualifiziert sein und außerdem fundierte Kenntnisse der Wellnessbranche haben.

Fast alle Lehrgänge schließen mit einer Prüfung ab, meist eine Kombination aus schriftlicher und mündlicher sowie theoretischer und praktischer Prüfung. Alle befragten Anbieter stellen nach erfolgreicher Kursteilnahme ein Zertifikat aus. Achtung – dort sollten Inhalte und Dauer der Weiterbildung, die Prüfungsthemen und -ergebnisse vermerkt sein!

Über die Berufs- und Aufgabenfelder von Wellnesstrainern machen die meisten Anbieter in ihren Kundeninformationen nur vage Angaben. Einige nennen kuriose Einsatzorte wie Klöster, Flughäfen und Schulen oder verweisen auf Krankenhäuser, Kurkliniken und Gesundheitszentren. Welche Aufgaben Wellnesstrainer dort konkret übernehmen könnten, bleibt offen. Kaum ein Anbieter weist hinreichend auf die Grenzen der Tätigkeiten von Wellnesstrainern hin. Auf keinen Fall dürfen Heilbehandlungen zum Aufgabenfeld gehören, wenn keine entsprechende Berufsausbildung vorhanden ist. Kursteilnehmer sollten im Vorfeld eines erwarten dürfen: eine Übersicht, im Idealfall nach Ausgangsberufen aufgeschlüsselt, aus der hervorgeht, welche konkreten Anwendungen und Kurse sie nach dem Lehrgang durchführen können.

Aktiv und kreativ nach der Weiterbildung

Vorsicht, wenn Anbieter allzu rosige Beschäftigungsperspektiven malen! Arbeitsmarktstatistiken gibt es bislang nicht und Stellenangebote sind eher rar. Dennoch rechnet Lutz Hertel vom DWV mittelfristig mit Beschäftigungswachstum in der Branche, da die eigenverantwortliche Gesundheitsvorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Eine solide Weiterbildung zum Wellnesstrainer kann bei entsprechender Vorbildung die Jobchancen verbessern.

In jedem Fall sollten Wellnesstrainer mobil sein: In touristischen Gebieten sind die Arbeitsmöglichkeiten größer. Auch Flexibilität ist gefragt, sowohl was die Beschäftigungsform betrifft – frei- und nebenberufliche Arbeitsverhältnisse oder Teilzeit sind in dieser Branche häufig –, als auch die Arbeitszeiten: Wellnesstrainer sind hauptsächlich dann aktiv, wenn andere frei haben: in den Abendstunden und am Wochenende. Wer sich selbstständig machen will, braucht viel Eigeninitiative und Kreativität. Diese Eigenschaften sind allerdings in der Branche generell gefragt, vor allem wenn es darum geht, neue Wellnessdienstleistungen anzubieten. So haben zum Beispiel seit einigen Jahren mobile Massagedienste Konjunktur, die in Betrieben oder auf Messen Mitarbeiter und Besucher von Verspannungen befreien – sicherlich auch ein Betätigungsfeld für Wellnesstrainer. „Wer nach der Weiterbildung die Hände in den Schoß legt und auf Jobangebote wartet, hat schlechte Karten. Pfiffige Ideen sind gefragt“, sagt Dr. Robin Kähler, Direktor des Sportzentrums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Man muss bereit sein, auf Trends zu reagieren und sich ständig weiterzuqualifizieren. Dann kann man aus diesem Beruf etwas machen.“

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