Interview: „Allrounder“ sind gefragt

Weiterbildung zum Onlinetrainer Test

Wer als Trainer erfolgreich sein will, muss heute auch online unterrichten können, sagt Dr. Manuel Jans, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands für Online-Bildung (BVOB).

Teletutor, Teletrainer, E-Moderator, Online-Instructor — in den Kurstiteln der Weiterbildungsanbieter stößt man auf eine Vielzahl von Berufsbezeichnungen. Stecken unterschiedliche Berufsbilder dahinter?

Nur zum Teil. Es gibt beim E-Learning viele mögliche Lernszenarien – von der unbetreuten Bereitstellung der Lerninhalte auf einer Lernplattform über tutoriell begleitetes Blended Learning bis hin zum Live-Unterricht im virtuellen Klassenzimmer. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Aufgaben, Rollen und Anforderungen an Trainer. Das ist ein Grund für die verschiedenen Bezeichnungen. Ein weiterer ist, dass bislang einheitliche Definitionen und Berufsbilder fehlen. Teilweise sind es also Namen für ein- und dieselbe Sache, teilweise aber auch verschiedene Berufsbilder.

Welche Aufgabenschwerpunkte gibt es?

Wir unterscheiden Lernbegleiter, Wissensvermittler und Moderatoren und sprechen deshalb von Onlinetutoren, -trainern und -moderatoren. Die Grenzen sind aber in der Praxis meist fließend. Wer eine Weiterbildung machen will, sollte den Anbieter fragen, auf welche Aufgaben der Kurs konkret vorbereitet.

Wie schätzen Sie den Bedarf an Onlinelehrkräften ein?

Der Bedarf ist groß und wird in Zukunft stark zunehmen, da immer mehr Unternehmen, Behörden und Bildungsinstitutionen E-Learning selbstverständlich in der Weiterbildung einsetzen. Dafür wird qualifiziertes Personal gebraucht.

Welcher Lehrertyp ist besonders gefragt? Der Lernbegleiter oder der Trainer, der ein virtuelles Klassenzimmer moderieren kann?

Onlinetrainer müssen in unterschiedlichen Lehr-Lernszenarien agieren können und deren spezifische Anforderungen und Schwierigkeiten kennen. Flexibilität ist also gefragt. Der Trainer der Zukunft muss in der Lage sein, Kurse ganz nach den Wünschen und Bedürfnissen seiner Kunden zu gestalten – vom Präsenzseminar über Blended Learning bishin zum Onlinekurs.

Wer wird eigentlich Onlinetrainer?

Oft sind es Präsenztrainer, die ihr Spektrum erweitern. Und zwar nicht nur, um sich ein zweites Standbein aufzubauen, sondern auch, um auf der Höhe der Zeit zu sein. E-Learning wird immer mehr zu einer wertvollen Ergänzung von Präsenzveranstaltungen. Auch für Personalentwickler, Coaches und Weiterbildungsverantwortliche in Unternehmen ist dieses Feld interessant. Nicht zuletzt ist es eine dringend notwendige Zusatzqualifikation für Lehrer und Universitätsdozenten, da inzwischen eine Vielzahl von Lehrveranstaltungen online unterstützt wird.

Welche Voraussetzungen müssen künftige Onlinetrainer mitbringen? Ist eine pädagogische Vorbildung zwingend?

Nein. Die meisten Präsenztrainer sind ja auch keine studierten Pädagogen, sondern berufserfahrene Quereinsteiger. Eine methodisch-didaktische Qualifizierung, Erfahrungen als Trainer und eigene Erfahrungen als E-Learner sind natürlich von Vorteil. Auf jeden Fall ist Begeisterung für die Neuen Medien wichtig. Man sollte keine Scheu vor Computer und Internet haben.

Gibt es Themen, die für die Onlinelehre ungeeignet sind?

Wenn es darum geht, konkrete Verhaltensweisen zu lernen, zum Beispiel den Umgang mit Konflikten, ist ein reiner Onlinekurs sicher nicht die ideale Lösung. Als Blended-Learning-Szenario aber sind auch solche Themen denkbar: Das Grundwissen zum Konfliktmanagement lässt sich online vermitteln. Darauf aufbauend können dann in einem Präsenzkurs bisherige Verhaltensweisen analysiert, neue erprobt und danach der Transfer in die Praxis begleitet werden.

Was raten Sie jemandem, der Onlinetrainer werden möchte?

Sinnvoll ist eine Weiterbildung, die das notwendige technische und methodisch-didaktische Wissen vermittelt und dabei auch viel Raum für eigene Erfahrungen mit E-Learning lässt. Empfehlenswert ist auch der Austausch mit gestandenen Onlinetrainern, um von deren Erfahrung zu profitieren und die vielen Facetten des E-Learnings kennenzulernen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1296 Nutzer finden das hilfreich.