Weiterbildung zum Onlinetrainer Test

Immer mehr Unternehmen, Universitäten und Bildungseinrichtungen setzen auf E-Learning – die Wissensvermittlung via Computer. Dieser Trend eröffnet ein neues Arbeitsfeld für Trainer und Lehrer. Für den Einstieg ist eine Weiterbildung zum Onlinetrainer sinnvoll. Die Stiftung Warentest hat vier Kurse getestet und informiert über Aufgaben und Anforderungen in diesem Beruf.

Vom Teilnehmer getrennt

Eins ist klar: Wer online unterrichten will, braucht andere Kompetenzen als Präsenztrainer. Die Herausforderungen liegen auf der Hand: Die Tücken der Computertechnik sind das eine, die räumliche Trennung von den Teilnehmern das andere. Wie betreut ein Onlinetrainer Lerngruppen, die er nicht sieht? Wie gestaltet er Gruppenarbeiten, wenn die Kursbesucher verstreut in ganz Deutschland lernen? Wie lassen sich frustrierte Lerner via Computer motivieren? Und welche Tools stehen zur Verfügung, und wie werden sie eingesetzt?

Vom Plattformbetreuer bis zum E-Moderator

Hinzu kommt: Die Möglichkeiten, per Computer zu lernen und damit auch zu lehren, sind vielfältig. Das Lehren kann in „Echtzeit“ im virtuellen Klassenzimmer stattfinden oder zeitversetzt, zum Beispiel in Foren (siehe Glossar). Oder die Lehrkraft stellt die Inhalte als PDF auf der Online-Lernplattform bereit. Für Trainer bedeutet das: Je nach Lernszenario nehmen sie ganz unterschiedliche Lehrer-Rollen ein – vom Plattformbetreuer bis zum Wissensvermittler und Moderator im virtuellen Klassenraum (siehe Rollen und Aufgaben in der Onlinelehre).

Spezielle Angebote für Lehrer

Die Stiftung Warentest wollte wissen, wie gut Weiterbildungen zum Onlinetrainer auf die Praxis vorbereiten. Auch wenn Experten einen steigenden Bedarf an entsprechend ausgebildeten Lehrkräften vorhersagen (siehe Interview), ist das Kursangebot übersichtlich. Zielgruppen sind Trainer und Dozenten, aber auch Personalentwickler und Weiterbildungsverantwortliche, die das Lernen am Computer im Unternehmen einführen wollen. Pädagogisches Vorwissen ist sinnvoll, die Kursanbieter setzen es aber nicht zwingend voraus. Für Hochschul- und Schullehrer gibt es spezielle Angebote, die bei diesem Test aber nicht berücksichtigt wurden.

Trainings zum Onlinetrainer finden grundsätzlich online statt. So gewinnen die Teilnehmer gleich einen Eindruck davon, wie ihr künftiger Arbeitsplatz aussehen könnte. Teilweise ergänzt Präsenzunterricht die Angebote.

Drei von vier Kursen überzeugten

Im Test waren vier Kurse zwischen 455 und 1175 Euro. Drei lohnen sich. Die Angebote bei Daten + Dokumentation und bei der HFU Akademie der Hochschule Furtwangen überzeugten inhaltlich mit sehr hoher, didaktisch mit hoher Qualität. Insgesamt etwas schlechter, aber dennoch passabel schnitt der Kurs bei der TLA TeleLearn Akademie ab (siehe Tabelle).

Kurstitel wenig hilfreich

Zentrales Ergebnis: Die Weiterbildungen laufen nicht nur sehr unterschiedlich ab, sie bereiten auch auf sehr unterschiedliche Lehrerrollen vor. Interessierte sollten sich deshalb vor der Buchung genau informieren, auf welche Art Tätigkeit die Kurse vorbereiten. Die Kurstitel allein helfen meist nicht weiter. Ob Weiterbildung zum E-Moderator oder zum Teletutor – was genau dahintersteckt, kann nur der jeweilige Anbieter sagen. Einheitliche Berufsbezeichnungen fehlen in der Branche bislang noch (siehe Interview).

Unterricht im virtuellen Klassenzimmer

Vor allem im virtuellen Klassenzimmer fand die Weiterbildung zum „Certified Live Online Trainer“ bei Daten + Dokumentation statt und bereitete auf den Unterricht dort vor. In sechs Sitzungen von jeweils 90 Minuten lernten die Teilnehmer, worauf es bei der Konzeption und Gestaltung von Gruppenunterricht im virtuellen Seminarraum ankommt und übten, selbst zu moderieren.

Lernen und lehren im Forum

Inhaltlich umfassender war das zehnwöchige „Tele-Tutor Training“ bei der HFU Akademie der Hochschule Furtwangen. Dort ging es nicht nur um den Unterricht im virtuellen Klassenraum, bei dem alle Teilnehmer gleichzeitig online sind und – wie es in der Fachsprache heißt – synchron lernen. Auch asynchrone, also zeitversetzte Lernprozesse, zum Beispiel in Foren, standen in Theorie und Praxis auf dem Stundenplan (siehe Glossar).

Der fünfwöchige Kurs „E-Moderating“ der TLA TeleLearn Akademie spielte sich vor allem im Forum auf der Lernplattform ab. Der Tutor stellte wöchentlich neue Aufgaben, die die Teilnehmer im Forum erarbeiten und diskutieren mussten. Das Lernen und Lehren in Foren stand auch thematisch im Vordergrund.

Tools vorstellen reicht nicht

In einem guten Kurs sollten die didaktischen Besonderheiten der Onlinelehre in Theorie und Praxis Thema sein. Dafür genügt es nicht, nur die verschiedenen Medien und Werkzeuge vorzustellen, die E-Learning ermöglichen. Der Kurs muss auch vermitteln, wann und wie diese pädagogisch sinnvoll einzusetzen sind.

An diesem Punkt scheiterte die „Online Ausbildung zum Teletutor“ der Virtuellen Akademie der FAW. Die Teilnehmer lernten lediglich den Aufbau und die Funktionen der Konferenzsoftware SmileTiger für virtuelle Klassenzimmer kennen. Statt des Kurses hätten die Teilnehmer genauso gut das Handbuch zum Gebrauch der Software lesen können. Die Qualität von Inhalt und Didaktik bewertete die Stiftung Warentest deshalb mit sehr niedrig.

Zweites Standbein für Präsenztrainer

Laut Schätzungen des Berufsverbands für Online-Bildung (BVOB) sind heute bereits mehrere tausend Personen in der Onlinelehre tätig. „Viele Präsenztrainer erweitern mit der Onlinelehre ihr Spektrum und fahren dann zweigleisig“, sagt Manuel Jans vom BVOB (siehe Interview).

Ist der Onlinelehrer also der Trainer der Zukunft? „Virtuelle Aktivitäten sind heute fester Bestandteil unseres Lebens. Daher müssen Trainer selbstverständlich Methoden und Techniken des Onlinetrainings kennen“, sagt Renate Richter vom Dachverband der Weiterbildungsorganisationen (DVWO). Und auch Manuel Jans ist sich sicher: „Ein Trainer muss heute in unterschiedlichen Lernszenarien agieren können und in der Lage sein, Kurse ganz nach den Wünschen seiner Kunden zu gestalten.“

Im Klartext heißt das: Wer erfolgreich sein will, muss alles können – ob Präsenzkurs, Onlinelehrgang oder Kombination aus beidem.

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